Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-11 · Heft 37 (11.9.1866) · p. Seite 585

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 37 (11.9.1866)
Date
1866-09-11
Page
Seite 585 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226565--24252-3251600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

unsrer Zeit im Stande zu verbürgen, ob der männliche DescendenL oder der Ehemann oder Vormund einer weib-; lichen Descendentin dieser Confession noch an geh ört, und es ist geradezu widersprechend, daß das Präsidium einer : solchen, confessionellen Anstalt auf Grund eines Erbrech-- tes in den Händen eines Nichtjuden sein soll'. Dies Alles aber fällt erst rechts ins Gewicht, wenn die Vorrechte, die in diesem Statut dem Präses' eingeräumt sind, in Betracht gezogen werden: Wäre dem Präses gegenüber wenigstens die Wahl der vier anderen Mitglieder des Curatoriums den Gemeinden der . beiden Provinzen oder; nur den Hauptgemeinden zuertheilt worden, so daß das: Curatorium aus selbständiggewählten Männern bestehen■ könne, und wären dem Präses keine Vorrechte anders als der Vorsitz.im Curatorium eingeräumt, so könnte man sich einstweilen zufrieden stellen und die weitere Erfahrung abwarten. Noch wichtiger stellt sich aber die Frage dadurch heraus, weil eine Reorganisation der Anstalt zum unabweislichen Bedürfniß geworden. Die Seminaristen waren in einer Wohnung installirt, welche sich den Besuchenden in allen Einrichtungen als höchst unzukömmlich, um rächt mehr zu sagen, zeigte. Sie wohnten daselbst ohne alle Aufsicht, da kein Lehrer in der Anstalt wohnte. Ein dirigirender Oberlehrer war nicht vorhanden, und der Lehrplan gewiß seit Jahren nicht revidirt. Bei der mangelhaften Vorbildung der Zöglinge, worüber stets Klage geführt ward, ist der Lehrkursus viel zu kurz. Es darf nicht übersehen werden, daß der jüdische Seminarist außer allen Fächern seines christlichen Collegen auch noch eine ziemlich gründliche Kenntniß des Hebräischen und aller Religionsfächer sich erwerben soll. Dazu gehört ein genügend ausgedehnter Cursus. Frische Kräfte sind der Anstalt durchaus nöthig, wenn sie irgendwie ihren Platz behaupten soll. Unter diesen Umständen sind einsichtsvolle und thatkräftige Männerzur Verwaltung der Anstalt nothwendig, und diese konnten nur auf Grund ganz anderer Bestimmungen des Statuts gewonnen werden. Frägt man nun, was in diesem Dilemma zu thun sei, so können wir nur rächen, daß die Gemeinden der beiden Provinzen durch Vertreter solche Paragraphen formuliren, welche sie als Abänderung des Statuts für nothwendig erachten, und diese bei der angemessenen Instanz einreichen. Zu diesem Zwecke sollte eine der Hauptgemeinden die Sache in die Hand nehmen und eine desfallsige Versammlung seitens, der übrigen..Gemeinden erwirken. Wird , dies nicht jetzt ausgeführt, so wird die Anstalt zwar bestehen bleiben, aber, wie wir 'fürchten, hinsiechen. - .! . Literarischer Wochenbericht/ Wien, 10. Aug. (Zur Geschichte David-'Rönbenis.) Herr Dr. Grätz gießt in seinem vor kurzer Zeit erschienenen 9. Band der Geschichte der Juden eine ausführliche Characteristik des Schwärmers David Röubeni (vergl. Note 41. In derselben behandelt er auch die Frage, wann David Neubeni in Italien respective in Rom war, ob im Jahre 1524 oder 1525: 'Grätz spricht sich gegen Dr. Zunz aus, und meint der genannte David sei blos einmal in Rom gewesen. Es ist jedoch gewiß/ daß David im Jahre 1530 in Venedig war. Ich fand nämlich in Diarii Sanuto alla Marciana (die Marciana ist nämlich die Bibliothek und Archiv im Dogenpalast, und nicht zu verwechseln mit. dem großen Archive ai frari) tom. LIY p. 151 einen Bericht über „David judens“ vom November 1530 folgenden Inhaltes -..„David gab sich für - einen Sohn Königs Salomon von Tabor und Bruder des Königs Joseph aus. Er reiste durch ganz Europa, um die Fürsten zur Befreiung der Juden zu bereden und war auch beim Kaiser Carl. ' Er wohnte in Venedig im Hause des Grafen Guido Rongom a San Paternian. Der Senat schickte den berühmten Reisebeschreiber I. S. Ramusio zu David, um ihn über' Herkunft, Pläne, Mittel rc. zu befragen. Nach dieser Unterredung erstattete Ramusio Bericht, David sei ein Abenteurer und sei nichts an dem was dieser sage. Hierauf wurde David intimirt abzureisen." — G. Wolf. Zerstreute Bemerkungen. 16. Das Verschwinden der zehn Stämme. Daß die zehn Stämme auf immer verloren gegangen und nicht wieder aufgefunden werden könnten, weil sie in die verschiedenen-Völkerschaften der Ländergebiete, in die sie verpflanzt worden, aufgingen, während ein glaubensgetreuer Rest in Babel mit den Exulanten von Juda und Benjamin verschmolzen sein mag — ist eine Meinung, die bereits-in der-Mschna von einer großen Au-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.