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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-11 · Heft 37 (11.9.1866) · p. Seite 583

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 37 (11.9.1866)
Date
1866-09-11
Page
Seite 583 (sequence 5)
Language
German
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verschaffen, daß es auch dem zukünftigen Lehrer für seine Amlirung genüge, desto weniger können auch die autodidaktisch gebildeten Lehrer selbst von diesem Standpunkte aus für ihren Beruf genügend vorbereitet sein. Die genannten beiden praktischen Auskunftsmittel sind daher nur höchst dürftige Surrogate. Es wird hier noch gar nicht die Frage der jüdischen Confessionsschule berührt. Man wird doch zugeben, daß der jüdische Lehrer eine ziemliche Stuft jüdischen Wissens erreicht haben muß, wenn er, sei es als Elementarlehrer, sei es nur als Religionslehrer, fungiren soll. Besteht erst der jüdische Lehrerstand aus lauter Ignoranten in den jüdischen Religionsfächern, kennt er nicht einmal die Bibel in der Ursprache, hat er von den Satzungen nur eine höchst mangelhafte Kenntniß, weiß er von der Geschichte und Literatur des Judenthums fast gar nichts und hat von dem spezifischen Geiste des Judenthums kaum eine Ahnung, was soll er als Lehrer, und was für eine Jugend soll unter seinen Händen hervorgehen? Dies ist doch wohl sonnenklar. Abgesehen hiervon, ist es auch eine sehr unangenehme Seite für die Hospitanten christlicher Seminarien, daß sie sich zu dem Meisten, was in den Seminarien gelehrt wird, negirend verhalten müsien. In diesen Seminarien werden nicht blos die christlichen Dogmen spezifisch behandelt, sondern auch, so weit dies angeht, alle Disciplinen auf die christliche, ja confessionelle Anschauung zurückbezogen, z. B. Geschichte, Geographie, Literatur. Da sollen nun die jüdischen Seminaristen davon abstrahiren; vermögen sie dies selbst, so erhalten sie doch nichts Positives und die hierzu erforderliche Deelenoperation ist für das jugendliche Gemüth höchst nachtheilig. Hierzu kommt die unangenehme Stellung, die sie von vornherein den Lehrern und Mitseminaristen gegenüber einnehmen. Ein jüdisches Seminar, wenn es angemessen und würdig ist, beseitigt alle diese Unzukömmlichkeiten. Es trägt selbst die profanen Disciplinen in jüdischem Geiste vor, und dies ist unstreitig der humanere, allgemeinere Geist, weil er von speziellen Gesichtspunkten freier ist. Es giebt dem Zögling ein bedeutendes jüdisches Wissen. Es zeigt ihm, und dies ist von großem Gewichte, wie er die profanen Disciplinen mit den jüdischen ReligionsfLchern in der Schule organisch zu verbinden habe, wie er auf beide Zweige dieselbe Methodik anzuwenden habe. Es durchdringt ihn mit dem Geiste, der für seinen Beruf nothwendig ist, um ihn mitten in der Strömung des allgemeinen Lebens auf seinem spezifischen Standpunkte ohne Einseitigkeit und ohne Kampf und Schwankung festzuhalten. Es begeistert ihn für seine Religion, für seinen Lebenszweck innerhalb derselben. Wir glauben, daß dies Alles so hinsichtlich ist, daß die Nothwendigkeit jüdischer Seminare gar nicht in Zweifel gezogen werden kann. Gegner können nur diejenigen sein, welche das Judenthum geradezu in ein paar Allgemeinsätze versiüchtigen, ihm alle konkrete Gestaltung nehmen, also es auflösen wollen. Diese sind aber in der Gegenwart zu einer solchen Minderheit geschwunden, daß ihre Gegnerschaft keinen Einfluß üben kann. Man wird fragen, warum in diesem. Falle doch noch so wenige und zum größten Theile ungenügende Seminarien entstanden sind, da sonst ja ein klar erkanntes Bedürfniß immer bald seine Abhülft findet? Wir stehen nicht an, zu antworten. Die Antwort liegt in der Fragestellung. Es fehlte bis jetzt eben, der Menge unsrer Glaubensgenossen an der klaren Erkenntniß dieses Bedürfnisses. Und da die Seminarien viel Geld kosten, so kommt es eben darauf an, daß die Menge diese klare Erkenntniß erlange. Die Gemeinden suchten Lehrer. Diese boten sich ihnen an, und hatten entweder das Examen als Elementarlehrer gemacht oder Zeugnisie von diesem oder jenem Rabbiner oder Vorstand vorzuweisen. Man nahm sie an, schickte sie wieder fort, und nahm andere an. Jede Gemeinde fand einen Lehrer, und jeder Lehrer fand eine Gemeinde. So ging es in beständigem Wechsel fort, und die allgemeine Unzufriedenheit der Gemeinden mit den Lehrern und der Lehrer mit den Gemeinden, brachte es erst spät zur Frage, worin der Grund dieses Zustandes läge? Wir würden sehr gern uns widerlegt sehen, wenn wir sagen, daß noch jetzt nur Wenige einsehen, daß der Hauptgrund ffn der mangelhaften und ungeordneten Ausbildung der Lehrer liegt, und diese wieder ihre Ursache in dem Mangel an guten jüdischen Seminarien hat. Das mangelnde Vertrauen zu den Lehrern, die Fraglichkeit der von ihnen erzielten Erfolge und das ganze unsystematische Wesen der Lehrer bewegen die Gemeinden, sich der definitiven Anstellung zu widersetzen, und die prekäre Stellung der Lehrer lähmt wiederum diese in ihrer ganzen Amtirung. Wir haben 'diese Erfahrung praktisch gemacht. In den Provinzen und Staaten, wo die jüdischen Lehrer aus Seminarien hervorgehen, findet ein viel geringerer Wechsel der Lehrer statt, und wir können da eine Mehrzahl der Lehrer aufführen, welche selten oder niemals ihre Stelle gewechselt. Um so mehr ist es den Gemeinden der Provinzen Westfalen und Rheinland nicht zu verar-

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