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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-11 · Heft 37 (11.9.1866) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 37 (11.9.1866)
Date
1866-09-11
Page
Seite 582 (sequence 4)
Language
German
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nächste Zeit gerichtet. An denen, welche es übersehen, würde es sich am ersten strafend erfüllen! Wie Semmarfrage. Das neue Statut des bisherigen Vereins zur Bildung jüdischer Lehrer und Handwerker zu M ü n st er hat hei den Gemeinden von Westfälen und Rheinland großes Aufsehen erregt, und bei den meisten die Frage zur Debatte gestellt, ob sie auf Grund desselben Personen zur Wahl in das Curatorium Vorschlägen sollen oder nicht? Mehrere haben sich bereits zur Ablehnung eines derartigen Vorschlages entschlossen; die meisten sind noch schwankend hierüber. Dieß bewegt uns, diese Angelegenheit noch einmal einer Prüfung zu unterziehen. Es zeugt 'gewiß von dem guten und gesunden Sinn der Gemeinden, daß sie sich hierbei so bedenklich zeigen. Es erweist, wie gern sie jenes Institut erhalten möchten, wie ungern sie ihm Schwierigkeiten bereiten und seine Existenz gefährden. Wäre dies nicht der Fall, so würde sicherlich kaum eine Gemeinde an stehen, sich der Theilnahme an der projektirten Wahl zu entziehen, keine einzige würde das Statut durch ihre. Wahl sanktioniren. Denn es versteht sich, daß der gegenwärtige Inhaber des Präsidiums ein Curatorium zu Stande bringen kann, auch wenn nur wenige Gemeinden Wahlvorschläge nach dem Statute machen. Aber fraglich ist es, ob die Gemeinden, welche sich hierzu nicht entschließen, fernerhin irgend eine Verbindung mit dieser Anstalt haben und Beiträge für sie zahlen werden. Und dies würde die Existenz derselben in Frage stellen. Letzteres möchte man vermeiden — darum das Bedenken. Die jüdische Seminarfrage, die nun schon seit dem Beginne dieser Zeitung, also dreißig Jahre diskutirt wird, hat bis jetzt durchaus Unglück gehabt. Man kann sagen, daß sie die einzige gemeinnützige und gemeinsame Angelegenheit ist, welche unter den Juden unserer Zeit keine - Förderung gewann, und so viele Geldopfer von den Juden auf spezielle und allgemeine Zwecke verwendet worden, für Seminarien fanden sich nur' die spärlichsten Gaben. So oft auch diese Frage im österreichischen Kaiserstaat angeregt worden, mit Ausnahme einer mit der Hauptschule in Pest verbundenen Lehrerbildungsanstalt existirt noch kein einziges jüdisches Seminar in diesem großen Reiche mit fast einer Million Juden. Im außerpreußischen Deutschland existiren kleinere Seminarien in Easfel und Bad Ems, ein größeres und belobtes in Hannover, das Würzburger charakterisirt sich durch seinen Begründer; außerdem wird noch ein Privatinstitut genannt. In dem bisherigen Preußen nun ist ein Lehrerseminar mit theologischem Seminar zu Breslau und' eines mit der Gemeindeschule in Berlin verbunden. Wir haben durchaus nicht vor, ein Urtheil über diese beiden Anstalten zu fällen; allein ihre bisherigen numerischen Resultate zeigen, daß jede derselben von noch nicht zehn Zöglingen besucht wird, was zu der Zahl der jüdischen Lehrer in Preußen in gar keinem Berhältniß steht. Mehr besucht, und für die beiden Provinzen Westfalen und Rheinland ziemlich ausreichend war bis jetzt das Münsterische — und gerade dies letztere soll jetzt .in Frage stehen! Wir werden hierdurch auf die allgemeine Frage geleitet: sind etwa jüdische Seminarien ganz überflüssig? Es giebt hierbei praktisch zwei Auskunstsmittel. Entwever überläßt man es den jungen Leuten, sich autodidaktisch zu Lehrern zu bilden. Haben sie in ihrer Kindheit eine gute Schule besucht und sich ziemliche Kenntnisse erworben, so können sie auch, meint man, die Lehrerkunst ausüben. Oder aber sie besuchen die allgemeinen Seminarien und eignen sich daselbst die methodologische Bildung an. Im letzteren Falle ist es allerdings schlimm, daß es in Preußen eigentlich gar keine allgemeinen Seminarien giebt, nicht einmal allgemein 'christliche, sondern nur spezifisch confessionelle, nämlich evangelische oder katholische. Daß demnach die jungen jüdischen Leute, wenn sie überhaupt zu solchen Seminarien als Hospitanten (Gäste) Zutritt erhalten — was unsres Wissens meist nicht der Fall ist — hier sich etwas materielles Wissen und Methodologie aneignen können, versteht sich von selbst. Es ist dies also jedenfalls jener Autodidaktie, welche immer im Dunkeln tappen und nur in sehr günstigen Fällen zu Tüchtigkeit gelangen wird, vorzuziehen; die zukünftigen Lehrer erhalten hier wenigstens einen Begriff von geordnetem Schulwesen und methodischer Unterrichtsweise« Was aber wesentlich fehlt, ist erstens das jüdische Wissen und zweitens jede Erkenntniß des selbständigen Unterrichts in den jüdischen Religionsfächern und jede wahrhafte Begeisterung für das Leben und den Unterricht im Judenthum. Je weniger aber auch die vorhandenen Schulen oder gar die christlichen Schulen in Verbindung Mit' dem Besuche einer jüdischen Religionsschule gegenwärtig genügen, den Schülern ein solches jüdisches Wissen zu

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