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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-04 · Heft 36 (4.9.1866) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 36 (4.9.1866)
Date
1866-09-04
Page
Seite 574 (sequence 12)
Language
German
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der Rabbinen befolgt/ und mag dann in den. Verhältnissen der Zeit, in den Zuständen des jüdischen Volkes, die oft düsterer und drückender waren, als selbst in früheren Perioden, seine volle Berechtigung gefunden haben. Jedenfalls nehmen wir davon Notiz, daß die Gutachten jener Zeit nur die Bildnerei in den Gotteshäusern vor Augen hatten, und. daß deshalb das religiöse Moment des Cultus, der Anbetung naturgemäß bedeutend in's Gewicht fallen mußte. So handelt es sich das eine Mal um einen steinernen Löwen vor dem Sanctuariüm in der Synagoge zu Candia/ ein anderes Mal um ähnliche Bildwerke in der Synagoge zu Cöln/ wieder. ein anderes Mal um einen mit erhabenen. Figuren gestickten Vorhang in der Synagoge zu Paduas Aber selbst abgesehen von dem Verdacht der Bilderanbetung, der nun doch, einmal im Lustzuge der Zeit lag und an den zur Anbetung gewidmeten Stätten wohl eine Berücksichtigung verdiente: wie großsinnig erscheint das Bestreben, die .Gotteshäuser in ihrer grandiosen Einfachheit zu bewahren und daraus Alles fern zu halten, was die Sinne beschäftigt und der Weihe des Gebets Eintrag thut. Mit Nachdruck, wird hervorgehoben, daß vor Allem an den Orten des Gotteshauses, nach welchen hin der Blick des Betenden vorzugsweise gerichtet ist, keinerlei Bildwerk, wiewohl es doch nur zum Zierrath dienen soll, angebracht werde, — denn „es stört die Andacht und beeinträchtigt das Gebet/" Ja selbst die Gebetbücher werden aus diesem Grunde als nicht geeignet zur Andacht gehalten, welche mit Vignetten von'Thiergestalten versehen sind, wiewohl keine Ueberschreitung des biblischen Gesetzes damit verbunden ist.4 5 6 * 8 9 Und ist die Anschauung, welche diesen Entscheidungen 4) Peffachim 40^. Thossaph. inivib2N. 5) b2in npnn Nr. 65. 6) Mordechai 1. o. . 7) b2i2 np2N Nr. 65, 8) ibid. Nr. 63: ‘narb .1:7373 Tn 2N b2N -.■»«i N2U5N .2111572 ■’N. 2V772 rrn Nb. nö32n jva2 mrrttt z»ii2» ‘pN m-nit iniN2 -sin?2N ana» »•»»i^iö »rr^Nb 22b*.— ibid. Nr. 65: b2^nn b§ 12222 2iinrii!572 b2 2iön 21P72. — ibid: NiMm «b N3>22i222 2*m t]U52 Nnizsm '2i nü^dn ■>2 ^272N p2 12222 2Mnr72572 2-NU5 21^722 H2721- 122252 2“'1hniZ572 DI^N 22‘S21Ü ' mit!2T->N2 IN ' Nnil532* — ibid. Nr. 66 :. . bu2iii5 i»Öb 222 Nfv Nbtö .*»22 1H212 ..... 9) Thossaphoth-Joma 54": 2'ivinsi Nb 1N212 VN^Nb 22b p3l273 pNlbbtt H1.21L2 2^21127211) -pn72ia bdD *]b ni»2>n Nb2 212^ ^N2 pN IN''», 2^7211)2115' zu Grunde liegt, nicht in der menschlichen Natur tief begründet und zu allen Zeiten berechtigt?. Haben die Wechsel der' Jahrhunderte vermocht, mit den Mitteln ihrer Bildung und.Größe die andächtige Seele in den blendenden Räumen des Gotteshauses, unberührt zu erhalten vom den sinnlichen Eindrücken seiner Zierrathe? . Haben sie mit den ausgezeichneten Mitteln der Andacht, die thatsächlich auf das Gemüth weihevoll einwirken, die Zerstreuung abzuwehren vermocht, mit welcher die aus der Umgebung architectonischer Zierden erweckten Bilder die Seele des Betenden ergreifen und erfüllen? Diese Erwägungen sind berechtigt in der Frage unserer Gotteshäuser, die man im löblichen Eifer mit den Leistungen der Kunst verherrlichen und im Ausdruck der Zeitrichtung zur Stätte eines geläuterten Cultus erheben möchte. Als vor einigen Jahren eine Gemeinde mit dem Gedanken umging, ein Mosesbild in einem Synagogenfenster. anzubringen ,10 zeugte dies sicherlich von einem heiligen Sinn, und vom gesetzlichen Standpunkte aus'war. gegen die Sache selbst entschieden nichts einzuwenden. Denn Nur das Gotteshaus sollte dadurch verschönt werden und in herrlicherem Schmuck erscheinen; von einer religiösen Verehrung dieses Bildes konnte selbstverständlich nicht die Rede sein, und außerdem war das Bild ja ein Werk der Malerei, die dem gesetzlichen Verbot nicht unterliegt. Allein die Antwort mußte ablehnend ausfallen, gestützt sowohl aus die im ertheilten Gutachten gewonnene Basis," als auch darauf, daß das fragliche Bild den Sinn des Betenden ablenkt nnd die Andacht mit Vorstellungen durchbricht, welche einer anderen Sphäre angehören. Man verweist. gern auf die Pracht des Tempels, zu Jerusalem, um ähnliche Einrichtungen in unseren Gotteshäusern zu rechtfertigen; indeß hat uns einerseits die erste heilige Kunde von dem Grupdriß des Tempels gleichzeitig den Berus, spätere Bauten damit zu vergleichen, ausdrücklich entzogen.^ Andererseits beruhte der Cultus im ersten Tempel seiner ganzen Natur nach meist auf sinnlichen Vorgängen, und dem gerade entsprach die bauliche.Pracht und Ausschmückung des. Gotteshauses. Der zweite Tempel, wiewohl der Cultus ein mehr innerlicher geworden war, stand in zu naher Beziehung mit dem ersten , als -daß seine Ausführung wesentlich von jenem abweichen durfte.. Der Tempel des Herodes fer- 10) Geiger, Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben Äahrg. 3. S. 136. 11) ibid. . 1,2) Chronik I, 28, 19: 2222 b2n»

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