Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1866)
- Date
- 1866-09-04
- Page
- Seite 571 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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571 Schweiz. Bern, im Aug. (Privatmitth.) Der an die hies. Universität berufene Professor vr. Attrnk ist mit einer bedeutenden Gehaltserhöhung auch zum Direktor der Poliklinik ernannt worden. Es geht daraus hervor, daß der Werth dieses tüchtigen Mannes hierorts genügend gewürdigt wird. Belgien. Brüssel, 26. Aug. Heute ist in der hiesigen Synagoge der neue Großrabbiner von Belgien, Herr Astruc aus Paris, feierlich installirt worden. - Italien. Aus Oberitalien, 17. August. (Privatmitth.) Ein preußischer Glaubensgenosse, seit vielen Jahren in industriellen Unternehmungen thätig, nunmehr in I.... einem lombardischen Gränzstädtchen ansässig, wo er, wie ich glaube, der einzige Israelit ist, hatte eine bürgerliche Mischehe geschlossen, deren Früchte drei Knaben, der älteste ist bereits zwölf Jahre alt, der jüngere 6 und der jüngste 4 Jahr alt. Als aufrichtiger,' warmfühlender Jsraelite, wünschte er wohl stets die israelitische Erziehung seiner Ander; allein seine isolirte Stellung, und noch mehr der entgegenstehende Witte der nicht jüdischen Mutter bewirkten, daß sich das feste Vorhaben des Vaters nicht alsobald zur Ausführung bringen ließ. Nach dem Ableben der Mutter, und besonders seit einem Jahre ist der Wunsch des Vaters seine drei Kinder endlich beschneiden zu lassen, wieder lebendig worden, und zum Entschlüsse gereift. Ich hatte zu jener Zeit vom würdigen, schlichten Manne etliche Schreiben über diese Angelegenheit; allein die Sache hat sich noch in die Länge gezogen, bis endlich die Ankunft des Schwagers mit dessen Gattin (A...'s, des Vaters Schwester) die rasche Ausführung des edlen Vorhabens bewirkte, und einem Schreiben gemäß, das ich soeben aus I.... vom Schwager empfangen, ist der feierliche Act am 12. l. M. um S. Morgens in Turin, unter Beisein des Oberrabbiners, eines geschickten -israelischen Wundarztes, eines geübten Mohels und ftner Anzahl angesehener Gemeindemitglieder, die an der seltenen ftommen Ceremonie Theil zu nehmen wünschten, vor sich gegangen. Es gibt dieser Vorgang über manches nachzudenken. Besonders hebe ich die unangenehmen Folgen der Mischehe hervor, welcheins häusliche Leben nur Verwirrung und Unheil bringt. apy pbn j-ibas Nb* — Ueber die religiöse Stimmung die bei dem feierlichen Acte herrschte, will ich den ftommen Schwager, der die jüdische Erziehung der Kinder über sich nahm, sprechen lassen: „Diese Ausführung", so schreibt, er mir, „darf als eme der größ-- . ten unter den Juden genannt werden; und wenn unser Urgroßvater Abraham einen Sohn zur vnp? brachte, so war diese Scene gewiß höchst rührend anzusehen; diese drei unschuldigen Knaben, einen nach dem andern zu nehmen; und die Angst und. die Thränen derselben werden vor dem nds bei unserm bevorstehenden ■pii sv> nicht ungehört und unberücksichtigt bleiben,..,, und obschon wir Juden an Zahl nur sehr gering sind , im Vergleich mit andern Glaubensbekennern; allein um wie viel größer ist unser Wirken, — wir scheuen nichts, wo es unsere wahre Religion gilt; und wenn auch viele unter uns leicht über diese heilige Religion, wie über jede andere wegdenken, so sehen'wir, daß auch solche endlich zur Einsicht kommen, das Versäumte, fteilich mit Schmerzen und Reue nachholen, und eine Sache thun, so wie es in diesem Falle geschehen, die ich über alles stelle....." In meinem letzten Schreiben hatte ich Ihnen berichtet, daß unser Deputirter Finzi zum k. Commissär in Udine ernannt worden sei. Diese Nachricht ist zwar von einigen Tagesblättern vorschnell gebracht worden, hat sich aber nicht bestätiget. Paris, 25. Aug. Von hier aus schreibt man der „K. Z." über den italienischen Diplomaten, Herrn Artom, Folgendes, was zur Charakteristik dieses unsres Glaubensgenossen hier wiederholt werde. Graf Menabrea begiebt sich nach Wien zur Friedensverhand-' lung zwischen Oesterreich und Italien. Außer seinem Adjudanten, Herrn Charbonneau, wird ihn auch Herr Artom begleiten. Letzterer, der trotz seiner Ernennung zum Minister-Residenten noch immer die Stellung eines Legationsrathes bei der hiesigen Gesandtschaft einnimmt, macht die Reise nach Wien in keiner, amtlichen Eigenschaft mit, sondern blos als vertraulicher Rathgeber für General Menabrea. Dieser hat sich die Beglei- 36