Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1866)
- Date
- 1866-09-04
- Page
- Seite 570 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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570 der Rhemprovinz einseitig verfaßt, zu 'viele Mängel enthalten, als daß wir die von uns verlangte Mitwirkung in Aussicht stellen können. Ohne uns auf eine specielle Kritik fast aller Paragraphen einzulassen, wollen wir nur das Eine hervorheben, daß die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß einmal der Präses der Anstalt mit dem ihm im Statute verliehenen großen Einflüsse ein Unbefähigter oder gar ein Nichtjude ist, welch letztere Möglichkeit der Tendenz einer specifisch jüdischen Anstalt doch wohl nicht entsprechen dürfte. Neuenkirchen, d. 20 August 1866. Der Vorstand der Shnagogen-Gemeinde. Gez. Simon Porta. Wolf Dreher. Dr. Meyer. Sim. Löwenstein. An den Löblichen Verein für Westfalen und Rheinland, zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerken und Künsten unter den Juden zu Münster". : Mannheim, im August (Privatmitth.) Ich finde in der A. Z. d. I. noch nicht vermerkt, daß der hiesige Advocat Ellstätter bei der jüngsten Umbildung des Ministeriums zum Ministerialrath im Fache des Han-' dels und der Gewerbe berufen worden ist. Es ist dies meines Wissens der erste Fall in Deutschland, und verdient daher/ vermerkt zu werden. (Im österreichischen Ministerium des Auswärtigen ist seit-vielen Jahren ein Jude, Herr Vr. Karl Weil, als Ministerialrath. angestellt.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 19. Aug. (Privatmitth.) Mitten unter den Wirren des Krieges, welche insonders Prag so hart betrafen, nahm auch ein Mann von uns Abschied, welcher der hiesigen Gemeinde so viele Jahrzehende zu bedeutendem Nutzen und zu großer Zierde gereichte. Der auch in der A. Z. d. I. oft genannte Herr Ernst Wehli, geb. den 21 Dec. 1787, verstarb am 19. Juli, also beinah 79 Jahre alt. Ueber 50 Jahre war er Vorsteher und Vorsitzender der Repräsentanz der hies. Cultusgemeinde, so wie der Leiter vieler wohlthäligen Vereine. Mit der rühmlichsten Consequenz hat er sein ganzes langes Leben hindurch seine Liebe zum Judenthume, seinen Eifer für dessen Erhaltung, Entwickelung und Veredlung unermüdlich bethätigt und in stets gleicher Hingebung dafür gewirkt. Er stand schon mit den Gelehrten des ersten Jahrzehends dieses Jahrhunderts, z. B. mit Moses Philippson, in freundschaftlicher Verbindung, und noch im hohen Greisenalter war die Literatur und Wissenschaft des Judenthums, seine vorzügliche Neigung. Dabei war er liebenswürdig im geselligen Umgänge, und hatte ein offnes Herz für die Noth jedes Mitmenschen. Sein Tod läßt daher eine sehr fühlbare Lücke in unsrer Gemeinde zurück, und daß dieß allgemein anerkannt wird, zeigte sein Leichenbegängniß, das unter allgemeiner Betheiligung am 20. Juli stattfand. An seinem Grabe sprachen Rappoport und Kämpf. Wien, 19. Aug.- (Privatmitth.) Mitten.in dem großen Strome der politischen Ereignisse, wie er in der jüngsten Zeit durch unser Vaterland brauste, schwamm ein ganz kleines mit, das wir hier nicht übersehen' wollen. Aus Lemberg wird gemeldet, daß das vom galizischen Landtage beschlossene Gemeindegesetz nebst Wahlordnung unter dem 12. d. vom Kaiser sanktionirt worden. Die Leser d. Zeit, erinnern sich des lebhaften Kampfes, welchen im Laufe dieses Winters die israelitischen Abgeordneten Dubs und Landsberger gegen dieses Elaborat der Ausschließungssucht, nach welchem nur eine kleine Zahl Gemeinderäthe jüdischen Glaubens sein darf, geführt haben; aber vergebens, Ruthenen und Polen stimmten in rührender Einttacht gegen das Recht, welches nur'eine sehr kleine Minorität für sich hatte. Die galizischen Israeliten sandten daher eine Deputation hierher, welche auch Audienz bei dem Kaiser hatte. Der Erfolg hat sich jetzt erwiesen: das polnische Gesetz ist gülrig geworden. Es ist doch eigen, daß, sobald die Juden ihr bürgerliches Recht verlangen, sie mit der Bemerkung abgewiesen werden: sie bildeten noch immer eine Nationalität. Wenn aber Rechte verliehen werden, so gehen sie wieder leer aus, weil sie — keine Nationalität seien, sondern nur Anhängsel derjenigen, unter welcher sie leben, also nicht berücksichtigt zu werden brauchten. — Nach den hies. Blättern hat Herr Dr. Max Letteris einen Preis von 200 Frs. erhalten, welchen die Alliance israölite universelle auf die gediegenste Leistung in der hebräischen Sprache und Dichtung ausgesetzt hat. Sicherlich wohl perdient!