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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-04 · Heft 36 (4.9.1866) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 36 (4.9.1866)
Date
1866-09-04
Page
Seite 568 (sequence 6)
Language
German
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56$J ermüden und für das eigentliche Thema abspannen muß. So empfängt uns in der zweiten Predigt, zum Versöhnungstage, ein zwei Seiten langes Gebet, hierauf auf drei Seiten -eine Schilderung der Gefühle des Redners selbst an diesem Tage; dann eine längere. Einleitung, in welcher auf den Opferdienst im Tempel am Versöhnungstage hingewiesen wird, und nunmehr werden in vier Absätzen einzelne Momente dieses Cultns hervorgehoben, gedeutet und für das Allgemeine verwerthet. Wir halten dies nicht für den rechten Weg. Die bedeutende Persönlichkeit des Redners konnte ihn hierbei unterstützen; aber auch so mußte er durch solche Ausführlichkeit die Wirkung seiner Reden abschwächen. Bei aller Rednergabe war darum Sachs kein Künstler, der in rechter Weise zu formen verstand', und dies muß schließlich der' Prediger -doch sein. Was den Standpunkt betrifft, den S. in den vorliegenden Predigten einnimmt, so ist er noch der allgemeine jüdische, voll tiefer und inniger Erfassung; er spricht sich noch gegen beide Extreme aus. In Nr. 2. tritt das entgegenstehende Streben zu Tage. Dr. Jellinek bemüht sich, seinen Gegenstand künstlerisch zu formen. Er überläßt sich nicht unbewußt und widerstandslos dem Flusse der Begeisterung, sondern Lheilt ihm mit Bedacht Bett und Gebiet ab. Es läßt sich aber nicht verkennen, daß dies bisweilen auch zur Künstlichkeit wird. Der Vers, sammelt sich sein Material und sucht es zu verarbeiten. Darum ist aber auch dasselbe öfters spröde, für den homiletischen Zweck wenig geeignet. Die vorliegende Sammlung enthält Vorzügliches, aber auch mehrere Vorträge, die im lebendigen Vortrag gewiß ansprechend, im Druck schwach und weniger eindringlich sind.' Vor Allem aber bekundet Dr. I., daß es ihm heiliger Elser ist, dem Geist und die Ideen der Zeit zu erfassen, sie mit religiöser Weihe zu durchdringen, -sie so seinen Zuhöhrern eiuzuflößen — also die Zeit^ mit der Religion zu identifiziren, weil am Ende die Religion alle Zeiten in ihrem Schooße trägt. — Hätte der'Herr Verfasser von Nr. 3. uns vor der Herausgabe seiner-Predigten befragt, so würden wir ihm jedenfalls gerathen haben, damit noch zu warten. Herr Dr. Kl. hat alles Zeug ein tüchtiger Redner zu werden: Kenntnisse, Begeisterung, Sprache. Aber es fehlt ihm noch die Reife. Es ist noch unklar in ihm, es ist noch Vieles nicht herausgearbeitet genug. Was aber ein völliger Jrrgang für ihn ist, das ist die leidige Wortverdrehung, die er, der deutschen Satzlehre zuwider, überall anbringt. Fast in jedem Satze steht das voran, was zuletzt'.stehen muß, also auch umgekehrt. Das klingt häßlich, und da christliche Autoren, wenn sie mauscheln wollen, eine solche Wortstellung immer anwenden, so muß der jüdische Redner sie um so mehr vermeiden.' Wir begrüßen Herrn Dr. Kl. mit Freuden als Kanzelredner, und schätzen seine Begabung, glauben aber, daß er noch um so mehr Studium und Sorgfalt verwenden muß. — Außer diesen Sammlungen liegt uns noch eine Menge, einzelner Predigten vor, die wir in nächster Nummer sämnrtlich aufführen wollen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 21. Aug. (Privatmitth.) Die bereits ^mehrfach erwähnten Statuten des Vereins zur Bildung jüdischer Lehrer und zur Förderung von Handwerken unter den Juden zu Münster find jetzt gedruckt, und kam. uns soeben ein Exemplar zu. Wir berichten über dieselben, wie folgt. Der bisherige Name fällt weg und^tritt dafür der der „Marks-Haindorf'schen Stiftung" ein. Sie erhält diesen Namen, weil sie von diesen Männern mit einer Jahresrente von 1000 Thlr. oder bei Ablösung derselben mit 25,000 Thlr. fundirt ist. Die weiteren Einnahmequellen.bestehen in Schulgeldern und nach wie vor in freiwilligen Spenden der Gemeinden und Individuen (§ 19). tz 1 ertheilt der Stiftung '-„die Rechte einer mit juristischer Persönlichkeit bekleideten Schule, deren Dömicil Hamm ist". § 2 unterstellt die Verwaltung einem aus fünf Personen bestehenden Curatorium, dessen Präses (§ 3) der Gutsbesitzer Jakob Löb(Schwiegersohn des sel. Prof. Haindorf) so wie dessen Descendenten in -männlicher und weiblicher Linie sind. Die vier übrigen Mitglieder werden auf sechs Jahre und zwar so gewählt, daß sämmtliche jüdische Gemeinden ^Westfalens und Rhein-, landes, jede Gemeinde eine Person vorschlägt, und aus den vorgeschlagenen Personen der Präses die vier Mitglieder wählt ■($§ .4—9.). Das Curatorium versammelt sich auf Einladung des Präses in Hamm, die Anwesenheit von 3 Mitgliedern ist ausreichend (§ 10.). Das Curatorium hat die Lehrer zu ernennen, jedoch so . lange Herr Löb Präses ist, soll ihm das Recht zustehen, die anzustellenden Lehrer in Vorschlag zu brin-

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