Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1866)
- Date
- 1866-09-04
- Page
- Seite 567 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn wir über die. Unwissenheit und den Fanatismus triumphirt haben. Unser Glaube an unsere Sache ist zu stark, als daß wir nicht ihren Sieg in der nächsten Zukunft voraussähen, und nur dann werden wir mit Stolz sagen können: „Die Freiheit herrscht in Rumänien." Eine solche Ehrenerklärung genügt. Wir schließen diese Actenstücke mit der Bemerkung, daß Herr Crsmieux in seinem Schreiben die Zahl der Juden in den Donaufürstenthümern viel zu hoch angiebt, indem sie nach Berichten, denen der Charakter der Glaubhaftigkeit eiuwohnt, in diesem Lande nicht mehr als 80 bis 90,000 Seelen zählen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 16. August. Indem wir heute beabsichtigen über Predigten zu berichten, die uns in der letzten Zeit zugekommen, freut es uns, dies Mal nicht blos mit einzelnen und Casualpredigten zu thun zu haben, sondern unsere Leser mit größeren Erscheinungen bekannt machen zu können. Es liegen uns drei Predigtsammlungen vor; 1) Predigten von Dr. Michael Sachs. Aus deffen schriftlichem Nachlaß herausgegeben von I)r. David Rosin. Erste.Lieferung. Festpredigten. Berlin, Louis Gerschel, 1866. 2) Predigten von Dr. 21 b. Jellinek, Prediger der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Dritter Theil. Wien, Herzfeld u. Bauer, 1866. 3) Fest- und Gelegenheits-Predigten von Dr. Wilhelm Klemp erer, Rabbiner der Synagogen-Gemeinde zu Landsberg a. d. 2Ö. Erster Band. Breslau 1866, Schletter'sche Buchhandlung. Wir haben also in Nr. 1 ein hinterlassenes Werk des sel. Sachs, das freilich ohne seine Ansicht und sein Zuthun aus den vorhandenen Manuskripten edirt wird, und deshalb der nachhelfenden Hand des Herausgebers oft bedarf, da der Verewigte oft undeutlich geschrieben und namentlich gegen Ende der Predigten ihm geläufige Gedanken, mit denen er enden wollte, nicht niederschrieb. Als von einem so distinguirten Schriftsteller und seitens seiner Zuhörer so sehr gerühmten Redner herrührend, können diese Predigten nur unser volles Interesse in Anspruch nehmen. Eine Bemerkung können wir nicht unterlassen, voranzuschicken. Bei Lebzeiten hat Dr. Sachs, so weit wir uns erinnern, keine Predigt drucken lassen, und es ging daher, nicht von v '; ihm selbst) aber von seinen Freunden verbreitet, die Sage, als ob er stets extemporire, sich, außer im Geiste, niemals vorbereite und seine Predigten daher ein Ausfluß augenblicklicher Begeisterung seien. Die vorliegenden Predigten wiederlegen dieses Gerede, und erweisen, wie auch Sachs seine Predigten schriftlich und zwar mit größter Sorgfalt und vollständig vorbereitet und sie dann memorirt hat. Wir heben dies hervor, weil wir, wie den Lesern dieses Blattes erinnerlich, vom Eftemporiren der Predigten nichts halten, das schließlich nur zum Salbadern führt, sondern es dem Prediger zur Pflicht machen, sich genau vorzubereiten und seinen Zuhörern das Beste zu geben, was er gerade hat. Die Bestätigung dieser Ansicht seitens eines so begabten Redners, wie'Sachs war kann uns nur zur Bestärkung in derselben dienen. Was nun die vorliegenden Predigten betrifft, so erkennen wir in denselben Alles wieder, was wir voraussetzen. Eine Fülle von Gedanken, tiefes Gefühl, helle Begeisterung für die Religion, ein mächtiger Strom der Rede. Je mehr wir aber diese hohen Eigenschaften anerkennen, und deshalb diese Predigten jüdischen Kanzelrednern zum Studium empfehlen: desto eher sind wir auch berechtigt die Mängel zu bezeichnen, an denen sie uns zu leiden scheinen. Sachs, so scheint es uns nach den vorliegenden Beispielen, verstand es nicht, den Strom der Rede einzuschränken und, wie es nothwendig, zu mäßigen, er verstand es nicht, sich auch bündig und nachdrücklich auszusprechen. Er spinnt seine Gedanken zu weit aus, läßt seinen Gefühlen einen allzuweiten Spielramkh und drängt zu große Massen in den engen Rahmen einer Predigt hinein. Dies zeigt sich schon äußerlich. Die erste Predigt nimmt von den großen und breiten Seiten des gewählten Formats 22 Seiten,- die zweite 26 S. ein, selbst eine Nellah-Predigt nimmt 17 solcher großer engbedruckten Seiten ein. Daraus entspringt denn auch oft ein Mangel an Zusammenhang in den einzelnen Theilen und eine Unverhältnißmäßigkeit zwischen diesen. Nehmen wir z. B. die erste Predigt zum Neujahrstage. Sie soll das alte Thema behandeln: „Buße, Gebet und fromme Werke wenden das böse Verhängniß ab". Nach einem seitenlangen Gebete haben wir drei Seiten Einleitung; dann wird im 1. Theile das ganze 5. Kapitel des Buches Daniel vorgetragen und auf die gegenwärtigen Zustände angewendet, und nun erst, auf der 13. Seite kommt der Redner zu seinem eigentlichen Thema, das er in drei Absätzen behandelt. Es ist offenbar, daß ein solches Verfahren, selbst bei großer Beredsamkeit die Zuhörer