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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-04 · Heft 36 (4.9.1866) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 36 (4.9.1866)
Date
1866-09-04
Page
Seite 566 (sequence 4)
Language
German
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566 chen, wenn bte Negierung bte geringsten Beweise von Vorsicht gegeben hätte" — „Unsere Rathschläge sinb: die Regierung bürste ben Juden in keinem Winket bes Laubes, unter keinem Vorwanbe und unter keinerlei Bebingung erlauben, an ben öffentlichen Unternehmungen welcher Natur sie auch seien, Theil zu nehmen; sobalb es konstatirt sein wird, baß ein Christ mit einem Juden ein Geschäft hat, so wirb dieser niemals eine Klage gegen jenen erheben können. Endlich dürfte man den Juden den Zugang zum Lande nur nach der genauesten Revision ihrer Pässe gestatten. Die Messen und öffentlichen Märkte müßten am Samstag stattfinden; am Sonntag müßte Niemand die Geschäfte öffnen oder öffentlich arbeiten dürfen. Die Juden mit lockigem Haar, mit der Pelzmütze (colback) sollten sich in Rumänien nicht mehr zeigen dürfen. Die Behörden müßten ihnen die meisten Gewerbe und den Handel mit Lebensmitteln verbieten. „Endlich müßte der gesetzgebende Körper aus den Civil- und anderen Gesetzbüchern, Alles was die Juden betrifft, ausstreichen und es durch diesen einen Artikel ersetzen: „Nur die Christen, welchem Ritus sie auch angehören, können nach den gegenwärtigen Reglements, Immobilien im rumänischen Staate kaufen und besitzen; sie genießen allein städtische und politische Rechte." Wenn dies geschehen, hätten die Juden nichts in Rumänien zu befürchten. „Die Juden kaufen immer verdorbene Maaren und solche, die von Falliments herrühren, und bezahlen keine Miethe; da sie miserabel leben, von einer Brodkruste und einer Knoblauchszwiebel den ganzen Tag, erlauben ihnen ihre Mittel schlechte Maaren zu halbem Preis zu nehmen, um den rumänischen Kaufleuten Concurrenz zu machen. Wenn ein rumänischer Kaufmann 1000 Piaster in einem Monat verdient, setzt er diese 1000 Piaster sogleich wieder in Circulation durch seine Nahrung, durch seine Kleidung. Wenn hingegen der Jude 500 Piaster in einem Monat verdient, verschwindet dieses Geld, es sieht das Tageslicht nicht wieder, und unterminirt durch geheimen Wucher. Die 50 Piaster, die er vielleicht auf die 500 verdienten ausgiebt, gehen nie in die Hände von Rumänen; denn der Jude würde eher vor Hunger sterben, als für zwei Sous bei einem Rumänen zu kaufen, während wir genöthigt sind, Alles bei ihnen zu kaufen! Ist es möglich, daß die Gesellschaft mit solchen Elenden bestehe? „Schenket denen keinen Glauben, welche Euch sagen werden, daß solche Forderungen barbarisch sind, daß sie ganz Europa lachen machen werden, und daß derjenige, welcher eine solche Forderung unterzeichnet, ein Feind des Vaterlandes ist. Solche Sachen geschehen und geschehen noch in Europa, selbst in den civilisirtesten Ländern, und wir enthalten uns, Alles zu nennen, was noch in unseren Tagen geschieht. Die wahren Barbaren sind solche, welche weder ein Vaterland noch einen Gott haben, welche die Agenten des Auslandes sind, von diesem erkauft, welche uns zwingen, kaltblütig zuzusehen, wie die Verräther den Juden unser armetz gepeinigtes Vaterland verkaufen." — Wir gaben in Obigem nur eine kleine Blumenlese dessen, was „die Trompete der Karpathen" täglich in die Ohren des rumänischen Volkes bläst. Einer Widerlegung, ja nur einer Antwort bedarf es nicht. Man kann nicht sagen, daß es ein Lügengewebe sei, sondern ein ungeregelter Haufe von Lumpen. Doch nicht allein um dessentwillen, können wir uns trösten. Vielmehr hat die Erfahrung gezeigt, daß in unsrer Zeit der gemeine Haufe nirgends lange den -Staat beherrscht, sondern die Bildung und Einsicht kommen bald zur Obmacht. Einen kleinen Beweis dessen wollen wir hier noch anführen. Cremieux hatte in seinem Briefe gesagt, daß die rumänischen Damen von den jüdischen Frauen, wenn sie mit diesen in Umgang träten, viel an Tugend, Keuschheit und ehelicher Zucht lernen würden. Dies ärgerte einen gewissen Dr. Soudito, der einen Brief an die „Opinion nationale“ richtete, worin er sich gegen diese Behauptung erhob, überhaupt meinte, Cremieux' kenne nur die Juden in Bukarest, er solle nur ins Innere des Landes dringen; dort würde -er vor den Zuständen der Juden mit Entsetzen zurückschaudern. Hiergegen erhoben 35 junge Rumänen, die in Paris leben, ihre Stimme, und veröffentlichten in demselben Blatte mit ihrer Namensunterschrift folgendes Schreiben: Paris, 2. Aug. 1866. Herr Redakteur! Mit einem Gefühle schmerzlichen Erstaunens haben wir den von Herrn D. Soudito in ihrem achtbaren Journal veröffentlichten Brief, bezüglich der Judenfrage in Rumänien gelesen. Wir weisen jede Idee einer religiösen Intoleranz zu energisch zurück, um nicht gegen diesen Brief, der in keiner Weise die Gefühle der rumänischen Jugend ausdrückt, zu protestiren. Wir Söhne Rumäniens betrachten es als unsere Aufgabe, die religiöseu Vorurtheile zu zerstören, und unser Werk wird erst vollendet sein,

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