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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-09-04 · Heft 36 (4.9.1866) · p. Seite 565

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 36 (4.9.1866)
Date
1866-09-04
Page
Seite 565 (sequence 3)
Language
German
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565 noch so parteeffch, geradezu lächerlich findet. Da ist es vor Allem ein Journal „die Trompete der Karpathen," die davon überschwillt, und die Regierung scheint nicht Kraft genug zu besitzen, solchem wahnwitzigen Gebühren entgegenzutreten. Es ist in der That interessant zu sehen, wie weit dies geht, und es späterer Zeit in Etwas aufzubewahren! Wir wollen daher hier einige Auszüge geben aus einem Artikel vom 2. Juli, wie dies auch die Arcli. isr. gethan. lieber die Vorgänge selbst berichtet es: Man discutirte vorgestern in der Kammer den Verfassungsentwurf. Nachdem der Commissionsbericht, welcher den Gesetzentwurf amendirte, verlesen worden, machte, das Volk in großen Haufen, da es nicht bis zur Tribüne dringen konnte, laute Demonstrationen im Hofe' der Kammer und vor den Thüren der Versammlung, um so kundzugeben, daß es durchaus nicht den Juden irgend ein politisches Recht zuerkenne und diejenigen beschränkt haben wolle, welche sie schon besäßen. Da entstand in der Kammer ein Tumult; das Ministerium, seinen Präsidenten an der Spitze, und mehrere Deputaten versuchten das Volk zu beruhigen, theils durch das Versprechen, den Juden keineswegs die Rechte der Rumänen zu lassen, theils durch die Androhung der türkischen Intervention. „Keine Rechte den Juden!" war die Antwort, und ein Individuum rief mit dem Ausdrucke der tiefsten Ueberzeugung: „Tödtet mich lieber." Das Ministerium war nun gezwungen, zu erklären, daß der Artikel 6 des Verfassungsentwurfes, derjenige, welcher die Rumänen zur Verzweiflung bringt, gestrichen, werden soll. Während dieser Zeit verwüstete ein Haufen Leute von denen, welche sich gegen die Rechte empörten, die man Pen Juden verleihen wollte, die Synagoge mit solcher Gewalt, daß sie von Grund aus-zerstört wurde, unter dem Vorwände, daß sie mit Erlaubniß der Re-: gierung auf dieselbe Stelle gebaut worden, wäre, wo früher der Altar der Kirche „Stellea" gestanden; und in weniger als einer Viertelstunde blieben von dem Prachtbau dieses Tempels nur noch die Grundmauern. Folgende Proclamation wurde in den Straßen angeheftet. „Um die Jntriguen und die Wühlereien der Feinde des Landes zu vermeiden, macht die Regierung bekannt, daß sie schon in der Sitzung am 15. Juni officiell erklärt hat, daß sie niemals irgend einen Angriff, nicht einmal auf die Rechte noch viel weniger auf die rumänischen Interessen, zn Gunsten der Fremden im Allgemeinen und der Juden im Besonderen dulden würde. Ebenso hat die Kammer in der Sitzung an diesem Tage erklärt, den! Artikel 6, welcher dre Juden betrifft uni) der bei einigen Geistern so viel Aufregung hervorgerufen, aus der Verfassung zu streichen." Was dem Volkshaufen gelungen, dem. wollten seine Führer die Krone aufsetzen, indem sie eine allgemeine Austreibung der Juden bewirken wollten. Das genannte Journal schreibt: „Greift man nicht dadurch, daß man hauptsächlich seit drei oder vier Monaten die Juden in Masse aus Deutschland vertreibt und daß man ihre Invasion über alle Grenzen erlaubt, die Interessen der Ru-, mänen an? Im Beginne des laufenden Jahres-erhob sich die Bevölkerung von Böhmen, Mähren und Schlesien, welche die friedliebendste von ganz Oesterreich und Deutschland ist, in Masse gegen die Juden; während ganzer Monate wurde sie verfolgt und zurückgewiesen durch die Militairgewalt der Oesterreicher. Die erschreckten Juden verließen diese drei Länder und wauderten in Caravanen durch Galizien, um sich nach der Moldau zu begeben, diesem gelobten Lande, in das sie hineindringen konnten, weil die freien Thore durch die Aufhebung der Pässe geöffnet blieben. Unsrer Meinung nach ist derjenige, welcher damals die Aufhebung der Pässe voischlug, sehr schuldig; er ist der Urheber der Uebel, welche Ru-, mänien überkommen werden, hervorgerufen durch die schreckliche Invasion, die es täglich überschwennnt." — „Alle Städte Deutschlands reinigen sich von diesem Aussatz; und nur das humanitäre Rumänien öffnet die Thore und streckt die Arme diesen Aussätzigen entgegen, die bald Rumänien in ein ungeheueres Hospital verwandeln werden! Wir fragen die Herren Rosetti und Bratiano, ob dies das ist, was sie einen „Vorgang nach der Bibel" nennen? Jedenfalls ist es -weder passend, noch national, noch ökonomisch, denn die Juden bringen die Hungersnoth, das Elend, das öffentliche Mißtrauen, die . Entartung der Industrie und des Handels in das Land; und da sie nichts ausgeben, auch nicht arbeiten, absorbiren sie Alles, was wir produziren, Alles, was wir ausgeben! „Wir werden nicht aufhören zu rufen, daß man der Hungersnoth, der Bettelei die Thore schließe; alles was Deutschland auswirft, will sich in dieses Land drängen, das bestimmt ist, das Behältniß aller Unreinheiten von Europa zu werden! Wir sind auf dem Punkt angelangt, wo man nicht mehr .scherzen darf: was sich in Böhmen, Mähren, Schlesien, in München, Würzburg und Nürn- : berg ereignet hat, wird auch bei uns stattfinden; und gewiß, es hätte nicht so weit bei uns zu kommen brau-

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