Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1866)
- Date
- 1866-09-04
- Page
- Seite 564 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- M Frauen zu stellen? Wie glücklich und stolz würden sie an dem Tage sein, wo eure Frauen sie nicht-wehr fliehen würden, wo ihre Häuser sich.für eure Gefährtinnen eröffnen würben! Ach, meine.Herren, Ihre Gefährtinnen -würden, dort mit Freude die Ehrenhaftigkeit, Keuschheit, eheliche Treue finden, die bei unsern jüdischen Frauen erblich sind, „Und dann, meine Herren, gestatten Sie der Zeit zu wirken. Die Alten wollen sich von ihrer Kleidung nicht trennen;, viele unter den Jüngern folgen dem Willen ihrer^ alten Eltern, weil ja Gott auf dem Berge Sinai verkündet hat: „„Ehre deinen Bater unddeine Mutter,"" und die Hochachtung für den Vater und die Mutter ist tief und unzerstörbar bei den Israeliten; aber die Alten gehen fort und die Jungen 'bleiben. Einige Jahre der Brüderlichkeit mit euch, und Sie werden diese kindische Unterscheidung verschwinden sehen. „Endlich, meine Herren, was können Sie fürchten, wenn Sie diesen Akt brüderlicher Gerechtigkeit vollziehen? Werfen Sie einen Blick auf Europa, auf die Staaten, welche sie ausgenommen haben. Veranlaßt ihre Aufnahme Reue? Ihr Betragen ist überall der Gleichheit würdig, welche sie Ihnen zur Seite stellt. „ ' „Seit den mehr als sechzig Jahren, daß das Geschwornengericht in Frankreich besteht, ist kein einziger Jude wegen Mord oder Vergiftung verurtheilt. Der Mord ist unter uns unbekannt. Was sie in allen Laufbahnen-erreichen, die ihnen geöffnet werden, wissen Sie. Wie viele berühmte Namen giebt es unter ihnen in den Künsten, Wissenschaften, der Litteratur, unter den Richtern und Sachwaltern! Ich will' sie nicht anführen und nur auf England und Frankreich Hinweisen. In England nahm, abgesehen von den Mitgliedern des Parlamentes, die City vor fünf Jahren einen Juden zum Lord-Mayor und der gegenwärtige Lord-Mayor ist wieder ein Jude." „In Frankreich, ach, meine Herren, verzeihen Sie mir ein Gefühl großherzigen Stolzes! hören Sie: Es giebt in unsern modernen Staaten eine hohe Stellung, die von demjenigen, welcher sie ausübt, alle Aengftlichkeit der Ehre, alle Scrupeln und alles Zartgefühl der Rechtlichkeit fordert: es ist das Finanzministerium. Meine Herren, in unserer glorreichen Zeit von 1848, wurde ein Jude mit diesem Ministerium betraut. Es giebt auf dieser Erde eine Macht, die Gott in die Hände der Menschen legt. Diese Macht ist die Gerechtigkeit! die menschliche Gerechtigkeit, ein heiliges Attribut, das vom Himmel znm Schutze der Gesellschaft erfloffen ist. Der Minister der Justiz ist so zu sagen, der Minister Gottes. Dieses Ministerium der Größe und Heiligkeit, das Ministerium der Justiz hat ein Jude von der provisorischen Regierung empfangen, deren Mitglied er war; dieser Jude. steht vor Ihnen! (Beifall, Unterbrechung'». >' V, „Meine Herren, die Aufregung bemächtigt sich meiner, und ich schließe. Aber wird düse Sitzung nicht ihre Früchte tragen? wird diese unerhörte Ehre, mit der Sie mich überhäuft, indem Sie sich so um einen einfachen Bürger versammelten, schwinden, ohne eine Spur zu hinterlassen? Mein Leben ist schon lang, meine Herren, und an dem Tage, wo Gott mich rufen wird, bin ich bereit. Aber wenn er das Maß häufen will, so möge er Ihnen-den großherzigen Gedanken der vollen Emanzipation der Juden einflößen, so daß ich, wenn ich in mein theures Vaterland zurückkomme, höre, daß,Ihre Verfassung sie verkündet hat, und mein letztes Wort wird sein: „Gott segne Rumänien!" — Sie wissen, lieber Havin, was folgte, und. wie die schändlichen Feinde der Juden, da sie nicht mehr auf eine Mehrheit in der Kammer zählen konnten, den Aufstand erregt haben, dessen furchtbare Folgen mein erster Brief Ihnen geschildert hat. Ich erneuere rc. Ad. Cremieux. II. Wie Crsmieux am Schlüsse seines Briefes andeutet und wie bereits aus den Berichten in d. Zeit, bekannt ist, war die Aufregung gegen die Paragraphen des Verfassungsentwurfes, der den Juden gleiche Rechte verhieß, eine fo große in Bukarest, daß daraus der bedauernswerthe Vorgang vom -1. Juli c. entsprang. Wir glauben nicht, daß dieser allein der Ausfluß des Judenhasses war, so stark dieser auch noch in dem halbwilden Volke ist. Die Donaufürstenthümer sind von Parteien durchwühlt. Die Anhänger des abgesetzten Fürsten Cusa setzen alles daran, die Regierung des Hohenzollernschen Prinzen zu compromittiren, durch beständige Aufläufe zu erschüttern, wo möglich zu stürzen. Jede Handhabe hierzu ist ihnen willkommen, und sie glauben eine solche jetzt in dem Haffe gegen die Juden zu finden. Es ist unglaublich, in welcher Weise sie das Volk aufzuhetzen suchen. Die schamlosesten Lügen, die grundlosesten Anschuldigungen sind ihnen dienstbar, und da sie es nicht mit den Gebildeten, sondern mit dem unwissenden Volke zu thun haben, so werfen sie keck und schamlos Behauptungen in hie Welt, die der Verständige, und wäre er