Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1866)
- Date
- 1866-08-28
- Page
- Seite 555 (sequence 9)
- Language
- German
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4000 fll angewiesen. — Wie wir hören, fängt man in Ungarn bereits wieder an> auf die Entfernung aller deutschen Lehrer von den jüdischen Schulen zu denken.- Indeß ist es diesmal weniger die nationale Partei, als vielmehr die Feinde aller Schulen,- welche sich hinter den' nationalen Eifer verbergen. Ueberhaupt ernten die aufgeklärten Juden jetzt hinreichend, was sie gesäet. Ihre Gleichgültigkeit, ihre Schwäche, ihre Mißachtung /aller geistigen und religiösen Interessen, die als einzi- ' gen Grundsatz Iaissez aller fentit, hat der Orthodoxie und dem Chassidismus das Feld völlig frei gelassen, ja schon gewonnenes Terrain wieder überlassen. Daß unter diesen Umständen das Vorurtheil und der Haß in halbcultivirten Bevölkerungen immerfort rege bleiben und von Zeit zu Zeit zu Ausbrüchen kommen, ist nicht zU' verwundern! — — n Wien, 13. August (Privatmitth.) w-iLvri wurde Oesterreich hart und schwer vom Unglück heimgesucht. Am 17. Tamus war der Kampf bei Skalitz und am 9. Ab wurde die Waffenruhe abgeschlossen die zu den Friedensunterhandlungen führte. Wahrlich, nicht blos die Juden hatten Grund auf der Erde zu sitzen und um das zerstörte Jerusalem zu trauern, alle wahrhaften Oesterreicher hatten Grund zu trauern. Doch ist es nicht die Aufgabe dies es Journales politische Betrachtungen anzustellen, aber es mag gestattet sein es auszusprechen, daß die Juden in Oesterreich mit doppelt schmerzlichem Gefühle dieses Mal den Tag der Zerstörung Jerusalem's begingen. Leid er kam bei dieser Katastrophe eine alte Erbsünde des israelitischen Volkes, die Denunciation wieder zum Vorschein. Ein Jsraelite, Namens Neumann in Pest benutzte den Moment der Calamität, und reichte nach der, Schlacht bei Königsgrätz beim Kaiser ein Project ein, die hervorragendsten jüdischen Gemeinden in Oesterreich , Wien, Prag, Pest.und Lemberg so zu sagen zu einem patriotischen Acte zu zwingen, und sie zu veranlassen, daß jede ein Bataillon Soldaten anwerbe und sie ausrüste, was beiläufig einen Kostenaufwand von 1,200,000 fl. für. jede der genannten Gemeinden ausmachen würde. Der Kaiser übergab genanntes Project dem Kriegsministerium zur Begutachtung und dieses referirte im Sinn des Antragstellers, und die erwähnten Gemeinden erhielten den Auftrag ihren Patrioüsmus zu bewähren*). *) S'. hierüber diese Zeitung Nr. 32. 33. v Wenn Sie nun in der officiellen Wiener Zeitung die Beiträge zusammenzählen, welche Juden zu Kriegszwecken aus freiwilligem Antriebe leisteten, und. damit die Gaben vergleichen, welche der katholische Clerus zu. demselben Zwecke widmete, so werden Sie finden, daß die Juden verhältnißmäßig ein weit Größeres leisteten. Der ungarische Clerus, dessen Grundbesitz allein ein / Capital von 400,000,000 fl. repräsentirt, spendete alles in allem 200.000 fl., davon zu schweigen, daß die Prä-' laten von Melk rc., bekanntlich sehr reiche Klöster, nur' je 1000 fl. zeichneten. Wie natürlich sträubten sich die Juden gegen diese neue Sorte von gelbem Fleck, der. überdies in Oesterreich kein Präcedens hat. Wir hatten in früheren Zeiten Judensteuern in Hülle und in Fülle; nie jedoch ist es einem Monarchen in Oesterreich' eingefallen, eine derartige Steuer aufzulegen, selbst zu - den Zeiten, wo die Juden nicht persönlich Militärdienste leisteten. Als die Journale von dieser neuen Kriegscontribution hörten, tadelten sie einstimmig diese Maßregel der Regierung und dieselbe sah sich veran-,: laßt in dem officiellen Blatte die Sache zu beschönigen. Sie meinte, man wollte den Juden nur Gelegenheit bieten ihren Patriotismus zu bewähren, da der Erlaß nur davon sprach in freiwilliger Weise Beiträge zu. sammeln, überdieß sei der Vorschlag von einem Israeliten ausgegangen und. da müßte man voraussetzen, daß er nicht gegen die'eigenen Glaubensgenossen agitiren wolle. Dieser letzte Grund ist fast komisch. Die Archive ' der Ministerien enthalten die seltsamsten Projekte von Juden gegen ihre Glaubensgenossen. Diese gehen gewöhnlich von Personen aus, die sich so zu sagen bei den Behörden angenehm machen, oder dafür durch Geld, Orden, Titel rc. belohnt werden wollen. Hat doch, erst in jüngster Zeit ein Jude das Project gemacht, Gebet-Mäntel und Gebet-Riemen mit einer Stempelmarke von 15 Kr. zu belegen! Der Auftrag wird - wol in Folge der Remonstration zurückgenommen werden. Der Vorgang zeigt jedoch, daß die Regierung in der Zeit der Gefahr nicht die nothwendige Ruhe besaß und an jedem Strohhalme sich hielt. . < * — Am letzten Sabbate hielt Herr Br. Güdemann die die Antrittspredigt. Er empfahl der Gemeinde Einigkeit und deutete den Schriftvers*) ■■urion fc6v„bte * Mitglieder der Gemeinden sollen keine Korachiden sein"M *) 5. Mos. 14, 1. „Machet keine Glatze (simp) zwischen Euren Augen um. einen Todten.-" 35 'S M