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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-28 · Heft 35 (28.8.1866) · p. Seite 551

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 35 (28.8.1866)
Date
1866-08-28
Page
Seite 551 (sequence 5)
Language
German
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„„Die Freiheit und Gleichheit der Religionen sind eines der ersten Rechte der Menschen"" „Keine Haftbarkeit, nicht einmal zwischen Vater und Sohn. Und in der That, es giebt nichts Ungerechteres, als diese Haftbarkeit zwischen einem Schuldigen und einem Unschuldigen, blos weil die Bande des Blutes sie einigen! Und wenn sie diese Ungerechtigkeit zur Lösung unserer Frage anwenden, so wird sie schrecklich. . „Wenn Jesus auf die Erde herabstiege, so würden die Juden des neunzehnten Jahrhunderts ihn sicher nicht kreuzigen. Und trotzdem hasten Sie dieselben und treten sie mit Füßen, weil sie im Jahre 1866 die Nachkommen der Juden sind, welche im Jahre 33 ihn gekreuzigt haben. „Die Freiheit der Kulte und ihre Gleichheit. — Wie! sagen unsre Philosophen, Gott gestattet eine große Zahl von Religionen, er erträgt, daß jeder Kultus ihn nach seiner Weise verehrt, er läßt seinen Zorn nicht einmal die Anhänger der-falschen Götter treffen! Und die Menschen wollen Gott rächen und ihn selbst an den Religionen rächen, welche den Gott Weltfchöpfer verkünden. Und erschreckendes Zusammentreffen! Die Abkömmlinge jenes Volkes, in dessen Schooße Gott seine Bundeslade errichtete, und das den Monotheismus mit Aufopferung von so viel Blut verkündet hat, das es für ihn vergoß, sie sind es, die Sie mit Ihrem Haß und Ihrer Verachtung verfolgen. Die Menschheit^ wie die Religion und die Philosophie, erhebt sich gegen diese barbarische Tradition, die sich verewigt. Was, meine Herren , Gott schuf die Menschen in seinem Ebenbilde, alle Menschen sind vor ihm gleich, wie trennen Sie seine Schöpfung in zwei Theile? Weshalb weisen Sie dem einen das Recht,'die Freiheit, die Welt zu; dem andern die Knechtschaft, die Verwerfung? Was sind Sie denn mehr als wir? „Worauf gründet sich diese Behauptung? Gott hat dem Angesicht des Menschen sein göttliches Licht eingeprägt; hat er es nur den Christen gegeben? Sind die Juden nicht wie ihr? Die Juden! sie existirten schon drittehalb tausend Jahre, als die Christen ihrerseits erschienen .! Ihre Religion, es ist die unsere, mit drittehalb schlechter erstrecken laßt, wobei dann aber noch der einschränkende Zusatz „an denen, die mich Haffen" wahrlich nicht zu übersehen ist, so daß also vorausgesetzt ist, daß diese Söhne, und Enkel im Frevel ihrer Väter sortfahren; während die Verfolgung der Juden, wenn sie als gerecht angesehen würde., immer nur eine Strafe seitens der Menschen wäre. Redakt. d. A. Z. d. I. tausend Jahren mehr. Und was für eine Religion! Sie betet einen einzigen Gott an, wie Sie;*) sie spricht dem ganzen menschlichen Geschlechte einen einzigen Ursprung zu, wie Sie. Die Bibel ist unser heiliges Buch, es ist das Ihrige. Empören sich denn nicht alle menschlichen Gefühle, mit denen Ihr Herz erfüllt ist, wenn Sie mit so viel Verachtung alle die Menschen behandelt sehen, die wie Sie durch die Flamme Gottes belebt sind, und die Ihnen gezeigt, die dem ganzen Weltall bezeugt haben die bewunderungswürdige Lehre: „„Ein einziger Gott ein einziger Vater aller Menschen." " „Meine Herrn, werfen Sie Ihren Blick auf ein ungeheures Ereigniß, das kürzlich eingetreten. Unter den Menschen giebt es eine bastardähnliche, entartete Raffe, die eine verdumpfende Sclaverei erniedrigt hat. Selbst ihr Antlitz scheint die Flamme, den göttlichen Charakter verloren zu haben, welcher den Menschen auszeichnet: ich meine die Neger. Sie gehörten, ich weiß nicht, zu welcher^ tiefen Klasse; man machte aus ihnen verworfene Sclaven, Hausthiere. In unseren Kolonien betrachtete man sie nicht mehr als Menschen, sie erschienen nackt -vor den jungen Mädchen, deren Schamgefühl dadurch nicht einmal beleidigt wurde: ein Neger war kein Mensch mehr. Ach, verzeihen Sie, meine Herren, die Neger waren Menschen wie Sie, wie wir; und die härteste, schrecklichste Strafe des Himmels hat diese Verachtung von Gottes Geschöpf getroffen. Man verleiht ihnen endlich die bürgerliche und staatliche Gleichberechtigung; aber wie haben sie dieselbe erhalten? Durch Fluchen menschlichen Blutes, indem sich mehr als zweimalhundert tausend Menschen gegenseitig mordeten, Kinder desselben Bodens, mit weißer Haut, verstehn Sie wohl? Welches Schauspiel! Die Neger sind frei in den vereinigten Staaten, sie haben alle Rechte. Und was die Neger nach dem schrecklichsten Unheil erreicht haben, Sie verweigern es den Juden! „Noch mehr, meine Herren: in unserem theueren Vaterlande, hat unsere große Revolution von 1848 die Gleichheit zwischen Weißen und Schwarzen verkündet;-sie hat sie zu Brüdern erklärt; sie hat ihnen gesagt: „„Gott hatte euch geschaffen, wir schaffen euch von neuem;"" und die Neger aller unserer französischen Besitzungen gingen von der Sclaverei zur Freiheit über. Wollen *) Dieß ist doch nicht ganz richtig, wenn der Glaube an die Göttlichkeit vorausgesetzt wird! : Redakt. d. A. Z. d. I.

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