Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1866)
- Date
- 1866-08-28
- Page
- Seite 552 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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552 Sie ein Wort, das Ihr Herz ergreifen wird: ein französischer Jude hat das Decret unterzeichnet und veröffentlicht^ welches aus den Schwarzen die gleichberechtigten Brüder der Weißen schuf. Ein französischer Jude hat die Schwarzen emancipirt; dieser Jude, das Mitglied der provisorischen Regierung, es ist derjenige, der mit Ihnen spricht, der von Ihnen inständig für die rumänischen Juden erfleht, was er mit so großer Freude für die Neger unserer Kolonien gethan." Hier wurde ich durch Beifallsbezeugungen unterbrochen, und Herr Rosetti richtete das Wort an mich: „Herr Cremieux, Sie sind sicher kein Unbekannter für uns; die Rolle, die Sie in der Regierung von 1848 gespielt, in dieser Revolution, der wir die unsrige verdanken, und Ihre Proclamationen und Edicte sind uns gegenwärtig. Sie sehen die Sympathieen, die Sie einflößen; hoffen wir, daß die Mehrheit der Kammer sie theilen wird. Wir haben in den Verfassungsvorschlag diese kostbare Gleichheit der Menschen, die Brüderlichkeit eingetragen, die Sie mit so vielem Grunde rühmen. Es hängt nicht mehr von uns ab, daß sie proclamirt wird." Die Sitzung, denn es war wirklich eine solche, wurde einen Augenblick unterbrochen. Ich verlangte eine entgegengesetzte Meinung, um sie zu bekämpfen. Ein Abgeordneter, Herr Mavrocordato, sagte mir: „Herr Cremieux, nehmen Sie dies nicht für meine persönliche Meinung, meine Stimme wird für Sie sein. Das Vorurtheil der Christen gegen die Juden ist ohne Zweifel sehr groß; aber man bittet mich Ihnen zu sagen, daß die Juden gegen die Christen noch lebhaftere Gefühle des Hasses hegen, die ein unbesiegbares Hinderniß für jede Annäherung sind." . (Schluß folgt). Literarischer Wochenbericht. Bonn, 9. August. In den nächsten Wochen wird der dritte Band des More Nebucliim von Maimonides in der Ausgabe von Munk lder arabische Text in hebräischen Lettern, die französische Uebersetzung und französische Noten) erscheinen, und so dieses große Werk vollendet sein, durch-welches uns der Originaltext dieses für Religionsphilosophie und Gesetzesdeutung so überaus wichtigen Werkes zugleich in so schätzbarer Bearbeitung in die Hand gegeben ist. Wir freuen uns, daß Munk die Beendigung seiner verdienstvollen und ihm so schwierig gewordenen Arbeit erlebt hat. Wenn in dem laufenden Jahre des Instituts dessen Mittel durch ausreichende Theilnahme genügen, werden wir gern auch von diesem 3. Bd. eine Anzahl Exemplare ankaufen, um sie unseren Abonnenten zu ermäßigtem Preise zu Gebote zu stellen, wie wir dies mit den ersten beiden Bänden gethan — Von Paris kam uns der hübsch ausgestaltete Catendrier ä Pusage des isradlites pour Pannee 5627, Paris, L. Blum, als der erste für das bald beginnende Jahr zu. Außer dem Kalender enthält das Büchlein die für die Franzosen, wichtigen Personalien aus allen Consistorialsprengeln und hübsch erzählte Geschichten für die Jugend. — Von Geiger' s „Jüdischer Zeitschrift für Wissenschaft und Leben" ist das 2. Heft des IV. Jhrgs. erschienen. Die Zeitschrift scheint also jetzt in weniger längeren Pausen zu erscheinen. Das Heft enthält eine Abhandlung „Zur gegenwärtigen Lage," die manche geistreiche Beobachtung und scharfsinnige Bemerkung enthält, wenn sie auch nicht gerade zu praktischen Resultaten führt; eine ausführliche Besprechung der Mechiltka und Sifre in den Ausgaben von Friedemann und Weiß, beidevom Herausgeber; dann eine Abhandlung über die „Aufeinanderfolge der Mischnahordnungen" von Rabb. Dr. Tobias Cohn in Potsdam, eine scharfe und umsichtige Untersuchung über diesen Gegenstand, in welcher der Verf. die Reihenfolge so feststellt: 1) a'iznp; 2); 3) rrnnü; 4) tränt; 5) wwr; 6) -ppn:« Endlich „Aus Briefen." Das in diesen 'gefällte Urtheil über das Geschichtswerk von Grätz kann, wie es hier gegeben ist, schwerlich für eine bereits begründete oder umsichtige Kritik genommen werden, wenn auch einzelne Bemerkungen ihre Berechtigung haben. — II libro del Cohelet, volgarmente detto ecclesiaste, tradotto dal teste ebraico con introduzione critica e note di David Castelli. Pisa, tipografia Nistri 1866. Selten ist wohl jenseits der Alpen ein exegetisches Werk erschienen, welches in so umfassender Weise alle bisherigen Bearbeitungen des schwierigen Buches (Kohelet), namentlich die neueren in allen modernen Sprachen verfaßten benutzt hat und auf Grund derselben seine Untersuchungen führt, wie das vorliegende. Wenn wir nun nicht sagen können, daß das Verständniß und die Kritik durch die vorliegende Schrift einen neuen großen Fortschritt gemacht und der Verf. uns einen großen Reichthum an Originalbemerkungen gebracht habe, so ist sie doch durch diese Darstellung