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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-28 · Heft 35 (28.8.1866) · p. Seite 548

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 35 (28.8.1866)
Date
1866-08-28
Page
Seite 548 (sequence 2)
Language
German
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MMMWWWMMMWW 548 Nach der Vereinigung der Fürstenthümer unter der Negierung Cusa's erwachte das« Vorurtheil gegen die Juden, welches nie ganz erloschen war, von neuem und machte'ungeheure Fortschritte. Obwohl ihnen der Genuß der bürgerlichen Rechte gesetzlich gewährleistet war, rief man Gesetze oder Gewohnheiten wieder in das Leben, die ihnen den Ankauf ländlicher Besitzthümer verboten oder sie von einer gewissen Anzahl Gewerbe ausschlossen. Kein Jude erhielt ein Staatsamt.' Ich nehme einen Einzigen aus, der zu einer niedrigen Stellung bei der Finanzverwaltung ernannt und bald wieder entfernt wurde. Es giebt unter den rumänischen Juden eine große Menge fähiger Menschen von vollendeter Bildung. Sie erinnern sich, daß die Juden durch eine gesetzliche Bestimmung von der Nationalgarde ausgeschlossen wurden. Zu dieser Zeit riefen mich drängende Depeschen nach Bukarest. Ich kam an, wie die eben erwählte konstituirende Versammlung sich mit der Verfassung zu beschäftigen begann. In Rumänien giebt es zwei Parteien, eine unioni- 'stische, eine separatistische. Die Walachen, Christen sowohl wie Juden, sind von Natur Unionisten. Da Bukarest jetzt Hauptstadt der. beiden zu einem Staate vereinigten Fürstenthümer geworden ist, so befinden sich der regierende Fürst, die Kammern, das Ministerium, der Staatsrath, das Kassationsgericht, die großen öffentlichen Anstalten in dieser Stadt. Durch die Vereinigung ist der Reichthmn in der Walachei in hohem Maße gewachsen. Nach unvermeidlicher Nothwendigkeit sind in der Moldau Christen und Juden Separatisten. Jassy, die Hauptstadt der Moldau, ist zum zweiten Range herabgesunken. Ihr innerer Kleinverkehr hat sich sehr vermindert, der Luxus ist ans ihr verschwunden, der Preis der Miethen und deshalb der Gebäude und Grundstücke hat sich verringert. Die Zeit, die Macht, welche den beiden Fürstenthümern ihre Vereinigung zu einem Staate geben wird, der Produktenaustausch, welcher sich täglich zwischenbeiden Fürstenthümern steigern wird, die Gewißheit, daß diese Vereinigung eine große Garantie für die Unabhängigkeit ist, die beständigen Beziehungen zwischen den beiden Bevölkerungen werden die Gemüther besänftigen, die Nothwendigkeit und Wohlthätigkeit dieser Verbindung erweisen, die Eifersucht ersticken, und bald wird keine Spur von dieser Theilung in zwei Lager Zurückbleiben, die sich noch kürzlich in den Resultaten der patriotischen Anleihe zeigte. Die Moldau hat nur eine unbedeutende Summe gezeichnet; die Walachei hat fünf Millionen - gegeben; ich bemerke im Vorbeigehen, daß die walachischen Juden mehr als die Hälfte dieser Zeichnung gedeckt haben. Rumänien empfiehlt sich unfern französischen Sympathien durch seine Liebe, ich möchte sagen seine Verehrung für Frankreich. In Allem. ahmt man Frankreich nach. Eine große Anzahl Rumänen haben ihre Studien gemacht, viele machen sie noch gegenwärtig in Aix, Montpellier, Grenoble, Straßburg, Paris: Jurisprudenz, Medicin, Wissenschaften, Litteratur; ihre Diplomaten - sind französisch und sie sind stolz darauf. Uebrigens reich oder arm, Aristokraten oder Plebejer, Unionisten öder Separatisten, alle Rumänen sind tapfer und maniwürde leicht eine tüchtige Armee von 25 bis 30,000 Mann bilden können. Bei allen Rumänen herrscht eine innige Liebe für das Vaterland. Leider erregt ■ dieses schöne Gefühl bei ihnen die Abneigung, den Haß gegen alles Fremde, in dem Sinne, daß sie es nicht gestatten wollen, Fremde zu Besitzern von Grundstücken und Immobilien zu machen; sie haben gegen dieselben ein unglaubliches Mißtrauen, wie es übrigens bei allen Völkern des Ostens herrscht. „Die fremde Rasse," sagen sie, „einmal in unserem Lande zugelassen, würde eines Tages die rumänische Rasse vernichten, oder doch die Herrschaft über sie erlangen." In ihren Augen sind die Juden Fremde, selbst diejenigen, die in mehreren Generationen von, in Rumänien geborenen Juden stammen. Die Juden sind ihnen zugleich Feinde durch ihre Religion, Fremde durch ihre Abstammung. Religiöse Feinde sind sie, sie haben Christus gekreuzigt; Fremde, sie würden aus Rumänien Palästina, aus Bukarest das neue Jerusalem machen! Das Vorurtheil gegen sie ist so groß, daß ein Candidat für einen Sitz in der constituirenden Versammlung sich in aller Form verpflichtete, in seinem gedruckten politischen Glaubensbekenntnis, das ich besitze, „gegen jeden den Hebräern günstigen Vorschlag stimmen zu wollen." Dieser Hebräer, mein lieber Havin, giebt es in Rumänien 400,000.(?) Es sind unter ihnen reiche Familien und auch wohlhabende; aber der größte Theil dieser Bevölkerung lebt von der Arbeit seiner Hände. Sie sind Arbeiter in allen Gewerben, geschickt in allen Handwerken, als Maurer, Tischler, Schuhmacher, Schmiede, Kunstschreiner, Weber, Schlosser: kein Gewerbe ist ihnen fremd. Die Trägheit ist den Rumänen süß, wie allen Bewohnern der warmen Ländern; die ruma-

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