Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1866)
- Date
- 1866-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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30, Jahrgang. Allgemeine oo Zeitung -es Zu-enthums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 28. August 1866. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 1>/s bis 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 3 Thlr. Halbjährig I Thlr. 15 Ngr. Mertel> jährig 22»^ Ngr. Inserate werden mit llk Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und ZeitungS-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das König!. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Die Donaufürstenthümer. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin.—Oesterreich i s ch er Kaiser st a a t: Aus dem Tokajergebirge, Wien, Krakau, Pest. Frankreich: Paris. — Großbritannien: Loudon. Abhandlungen verschiedene» Inhalts: Die Mosesgruppe von Rauch tForts.). Leitende Artikel. Bonn, 16; August. Die Donausürstenthümer. I. Schreiben Cromieux' an das Siecle. , Wir haben ausführliche Berichte über die jüngsten Vorgänge in den Donaufürstenthümern gebracht. Die ganze Lage der Dinge daselbst ist eine zu eigenthümliche, als daß wir einige ausführliche Dommente, von denen eines auch für sich einen hohen Werth hat, hier mittheilen müßten. Es kommt uns soeben das Siecle vom 7. August zu, in welchem ein Brief des Herrn A. Cr ämieux an den' Redacteur jenes.Blattes, Herrn Havin, mitgetheilt ist. Herr Cremieux war in einer großen juridischen Frage als Advokat nach CMMntinopel berufen worden. Auf die Wünsche seiner Glaubensgenossen in Bukarest verweilte er auf seiner Rückkehr einige Zeit in dieser Hauptstadt Rumäniens und suchte für feine schwer bedrohten Glaubensgenossen hier zu wirken, - Wir geben hier den höchst interessanten Brief in getreuer Uebersetzung. Paris, 30. Juli 1866. Mein lieber Havin! Wie ich es Ihnen in meinem, von Ihnen veröffentlichten Briefe gesagt habe, unsere Februar-Revolution hat ihren Wiederhall in Bukarest gefunden. Die Walachei und die Moldau proclamirten ihre Unabhängigkeit, bildeten einen republikanischen Staat, und unter den Freiheiten, die damals aufgenonnnen wurden, glanzten die Freiheit und die Gleichberechtigung der Religionen in erster Linie. Sie wissen, was dann aus den beiden Provinzen bis zum Jahre 1858 wurde, wo die sieben garantirenden Mächte dieselben unter der Hoheit der Pforte constituirten. Die Unduldsamkeit drückte der Verfassung ihr Siegel auf, die europäischen Mächte haben im I. 1858 'den Samen gelegt, dessen' Frucht die Verfolgung der Juden im I. 1866 ist. Der Artikel 46 der Verfassung sprach in seinem ersten Paragraphen aus: „Alle Moldauer und Walachen sind gleich vor dem Gesetze und der Steuer und alle gleich zulässig zu den Staatsämtern f fügte dann aber in einem vierten Paragraphen die unglückliche Bestimmung hinzu, welche die Gleichstellung der Religionen abschaffte: „Die Moldauer und Walachen aller christlichen Bekenntnisse sollen in gleichem Genüsse der politischen Rechte stehen. Der Genuß dieser Rechte kann auf die anderen Kulben durch legislative Bestimmungen ausgedehnt werden."