Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1866)
- Date
- 1866-08-21
- Page
- Seite 540 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226562--24204-3251549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
fast jeder Nummer von Gewaltthätigkeiten und Mißhandlungen unserer Glaubensgenossen berichten, und dabei erwägt, daß nicht einmal alle Thatsachen mitgetheilt werden, wie wir uns einiger aus Galizien erinnern, die. mit Stillschweigen übergangen worden sind: der muß von einer tiefen Entrüstung erfüllt werden. Der neuliche Vorgang in Bukarest hat mit Recht großen Unwillen erregt, und wir hegen lebhafte Dankbarkeit für die französische und die österreichische Regierung, welche energische Verwarnungen an die Regierung der Donaufürstenthümer richteten, so daß diese sich zur Bestrafung der Rädelsführer und zum Wiederaufbau des zerstörten Tempels entschloß. Allein hier hat es Gott sei Dank! doch nur Steine betroffen, keine Person, kein.Menschenleben. Im österreichischen Kaiserstaat ist dies ein Anderes, und es galt hier den Privatpersonen und ihrem Eigenthum. Unter den Augen der Obrigkeit wurde geplündert, zerstört und mißhandelt, und wir hören wenig von der Genugthuung, die den Betroffenen gewährt worden. Bei den Bewohnern der- Donaufürstenthümer tröstete man sich, daß dies halb civilisirte Nationen seien: hat man diesen selben Grund des Trostes in Böhmen, Mähren, Galizien und Ungarn? Es kamen derartige traurige Vorfälle vor dem Kriege und während des Kriges vor, auch in Gegenden, die von dem Kriege gar nicht berührt waren, so daß sie auf letzteren nicht geschoben werden können, und man die Furcht nicht ungerechtfertigt finden kann, daß sie nach dem Kriege nicht verschwunden seien, sondern sogar durch die große Noch motivirt werden können. Es wirft dies ein düsteres Licht auf die Volksbildung in diesen Ländern des Kaiserstaates, welche zugleich den größten Theil seines Complexes ausmachen, auf den rohen Fanatismus, der hier noch vorhanden und von gewissen Seiten her genährt wird, auf den Mangel an Sittlichkeit, Rechtsgefühl und Gesetzlichkeit. Aber wir fragen auch, welche Mittel wendet der Staat an, um solche Gewaltthätigkeit in seinem Schoße unmöglich zu machen? Man kann es nicht verkennen, daß die Vertreter der Obrigkeit nicht immer schuldlos waren, und hier und da die Mittel wohl besaßen, die Plünderung und Mißhandlung zu verhindern, aber sie nicht anwandten, wenigstens viel zu spät. Aber der Staat hat noch ein anderes Mittel, und dies ist sehr wirksam. In Frankreich, Belgien, Preußen und anderen Staaten bestimmt das Gesetz, daß diejenigen Communen, in welchen eine solche öffentliche Gewaltthätigkeit geschieht, die Betroffenen völlig entschädigen müssen. Der Staat geht hierin mit einer Strenge vor, wie wir faktische Beispiele anführen könnten, und dies ist darum wirksam, weil die Gemeinden dadurch sich um so mehr ansttcngen, jeder solcher. Gewaltthätigkeit entgegenzutreten, weil der angerichtete Schaden ihnen zur Last fiele. Wir richten daher an die österreichischen Correspondenten dieses Blattes die Frage: besteht ein solches Gesetz auch im Kaiserstaate? und wird in Folge dessen den ausgeplünderten Juden Ersatz von den Communen geleistet, in denen sie den Mißhandlungen ausgesetzt waren? Die bejahende'Antwort würde uns einige Beruhigung über die Zukunft unserer Glaubensgenossen in den genannten Ländern verschaffen. - Aus Böhmen und Mähren, im Aug. An einzelnen Ortschaften tragen wir aus den Kriegsberichten noch einzelne Notizen nach, wie sie sich in den öffentlichen Blättern finden. Wir haben bereits bemerkt, daß in Nikols bürg die Anomalie noch besteht, daß Juden und Christen zwei verschiedene.politische Stadtgemein den mit Bürgermeistern bilden. Als am Morgen den 16. Juli die Preußen einrückten, mußte, die Judeugemeinde zum Frühstück 650 Schalen Kaffee sammt Kipseln, sechs Eimer Bier, achtzig Schweizerkäse, Wein, zwölf Centner Fleisch, 300 Laib Brod, 600 Metzen Hafer auf die Brünuer Straße liefern. Das war, wie gesagt, das Frühstück. Es versteht sich, daß auch die Christengemeinde ihren Theil zu liefern hatte. Bei den weiteren Requisitionen machten sich die Preußen die Mühe nicht mehr, sie für die beiden Gemeinden zu trennen, sondern überließen diesen sich abzufinden. — Am 4. August besuchte der Kronprinz von Preußen die berühmten Antiquitäten in Prag, nemlich den alten Judenfriedhof und die Altneusynagoge. — Eine der Städte Böhmens, die mit am meisten gelitten, ist Münchengrätz, doch berichtet ein Reisender, daß die Synagoge erhalten geblieben, obgleich einzelne Ritualgeräthe, wie auch die Opferbüchse entwendet worden sindi Aus Ungarn, im Juli. (Pr.-Mitth.) Es ist doch ein eigenes Völkchen, diese jüdischen Fanatiker! Für sie existirt mtr Eine Welt, die kleine jüdische Gemeinde in dem kleinen Theilchen, das ihnen anhängt. Weiter Nichts. Außerhalb dieses unbedeutenden Bruchtheils