Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1866)
- Date
- 1866-08-21
- Page
- Seite 539 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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539 folgt war, nahm der Herr Bischof folgende Fragen vor: ' Der Herr Bischof: Ist Ihre Synagoge fertig, ist sie recht hübsch? C. D.: Ja, Herr. - Der Herr B.: So wünsche ich, daß viele fromme Beter darin einkehren. C. D.: Auch unser Wunsch. Der Herr B.: Ich hoffe aber auch, daß die Bekenner des alten Testamentes herüber kommen zu den; Bekennern des neuen Testamentes. j C. D.: Das glaube und hoffe ich nicht, über der! Eingangsthüre unseres BethaUses stehen die Worte aus Iesaias Cap: 56 Ende des V. 7. s-ibsri rva *3 bsb die heißen zu Deutsch, „denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völ-, ker"; und so hoffe ich, daß die Bekenner des neuen Testamentes zu den Bekennern des alten Testamentes herüberkommen, ohne Ihrer Hirtenschaft, Herr, zu nahe zu treten. — Der Herr B.: Nicht alles was die Propheten uns sagten, ist zur Wahrheit geworden. C. D.: Ich glaube es dem Iesaias aüf's Wort! i Hier hatte die Unterhaltung ein Ende, der Syna- ' gogen-Ausschuß empfahl sich. Die Behörden erschienen bei der Feier, waren davon sichtlich erbauet, und dankten feierlichst für die Einladung; wie zu vermu- Lhen war, erschien S. Eminenz nicht; ich war zur Zeit, als die Herren zur Einladung vorgemerkt worden, nicht der Meinung gewesen, daß der Herr Bischof eingeladen werde, da nach meinem Dafürhalten, die Vorschriften seiner Kirche, die Beiwohnung eines Gottesdienstes bei einer andern Confession nicht gestatten. — Carl David. Kisflngen (Bayern), im August. Die Zeitschrift „Daheim," (sonst wahrlich keine Freundin der Juden) bringt eine Schilderung der jüngsten blutigen Vorgänge in und um Kissingen und giebt auch ein Bild von der Werktätigen Liebe, die an den Verwundeten, natürlich ohne Unterschied von welchem der beiden kämpfenden Heere sie waren, geübt ward. Allerdings haben sich die eigentlichen Bürger Kissingens dabei durchaus nicht ausgezeichnet, und weiß der Correspondent viel mehr von den vornehmen Damen unter den Badegästen und deren persönlicher Aufopferung zu erzählen. Hier hebt er auch Folgendes hervor: „Jenes junge Mädchen von blendender Schönheit, die Tochter der reichsten israelitischen Familie aus Kissingen, hat mit einer seltenen Entschlossenheit schon am elften Morgens die-Oberleitung der Pflege ergriffen und in wenigen Stunden allem eine gewisse Ordnung gegeben. Sie beaufsichtigt alles, sie vertheilt die Mahlzeiten, sie überwacht die Reinigung und arbeitet selbst mit! , Wo hat die junge Aristokratin alles das gelernt? — und wenn die weißen Finger, die ein Diamantring schmückt, einen Löffel nehmen und ihn emsig mit Sand scheuern, so muß man lächeln — mit nassem Auge!" Oesterreichischer Kalserstaat. Wien, 8. August. Nach der „Pr." hat die „Judenschaft Böhmens" 3000 Gulden dem Staatsministerium zu vaterländischen Zwecken zur Disposition gestellt. Es ist in d. Bl. bereits der Tod des Herrn Heinrich Sichrowski, Vorstehers der hies. israel. Cultusgemeinde, berichtet worden. Jetzt wird amtlich bekannt gemacht, daß der Kaiser ihn als Ritter des Ortens der Eisernen Krone dritter Classe, den Ordensstatuten gemäß in den Ritterstand des österreichischen'Kaiserstaates erhoben. Wir lesen in der Preßburger-Zeitung: Es mehren sich eigenthümliche Symptome für das präsumtive Gebühren unseres Proletariats, wenn erst die allgemeine Misöre unserer Zustände im Winter zum Ausbruch kommen sollte. Nachdem ein Raubversuch in einem Hause am Hauptplatz am Samstag vereitelt' wurde, geschah heute Nachts ein Raub im israelitischen Tempel. Die Strolche stiegen über das ziemlich hohe Eisengitter, brachen unter einem Außenfenster der Front Mauerwerk aus und verschafften sich so Raum, in das Innere einzudringen. Zwei Lustres wurden abgebrochen, ebenso 4 Leuchter von der Tribüne und dem Pulte des Vorbeters. Der Schaden ist an und für sich nicht bedeutend, da die Leuchter nur aus Chinasilber verfertigt waren, doch dürste die Herstellung bedeutendere Auslagen verursachen. Man hofft den Einbrechern bald auf die Spur zu kommen, da die geraubten Gegenstände beim Verkaufe sofort erkannt werden müssen. Gerichtliche Recherchen sind bereits im Zuge. Von der Elbe, im August. (Pr.-Mitth.) Wer seit einigen Monaten in Ihrer Zeitung die authentischen Nachrichten aus dem Kaiferstaate gelesen, die in 34