Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-21 · Heft 34 (21.8.1866) · p. Seite 538

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 34 (21.8.1866)
Date
1866-08-21
Page
Seite 538 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226562--24202-3251547
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

den. Die Mittel flössen durch die Vertheilung auf so viele Gemeinden viel reichlicher und in sichrerer Weise, 'könnten auch nach Bedarf vermehrt oder vermindert werden, die Privatwohlthätigkeit brauchte nicht mehr in Anspruch genommen zu werden, und die Einrichtungn ' selbst unterständen einer angemessenen Aufsicht und Controls. Alles dies springt^ so sehr in die Augen, daß es für Einsichtsvolle keiner Ausführung bedarf. — Wie wir höxen, ist denn auch die Verwirklichung angebahnt. Nach dem in Kurzem erscheinenden Statut des Seminars zu Münster sollen die Gemeinden der beiden Provinzen Vertreter in das Curatorium des Seminars wählen. Spezielleres ist uns noch nicht bekannt. Wie dem aber auch sei, es ist ein Anfang, und es kommt nur darauf an, ob die Gemeinden der beiden Provinzen Intelligenz und Energie genug besitzen, diesen Anfang in die Hand zu nehmen und aus ihm weitere fruchtbare Folgen zu entwickeln. Zunächst wird dies auf die Theilnahme der Vorstände der größeren Gemeinden ankommen. Vereinigen sich einige dieser zu gemeinschaftlichen Schritten, so bleiben die anderen und kleineren nicht aus, noch dazu, wenn bei dauerndem Mangel von Lust, an den Lasten zu partizipiren, in einer Anzahl von Gemeinden, diese von den Vortheilen jener Anstalt aus so lange ausgeschlossen werden, als sie sich an jenen nicht betheiligen wollen. Wir glauben jedoch nicht, daß eine solche Maßnahme nothwendig sein wird, da im Ganzen wohl der beste Geist in den Gemeinden herrscht. Wir fordern daher auch unsererseits die Gemeindevorstände in den beiden Provinzen auf, diese Angelegenheit wohl zu erwägen und, sobald sie an sie gelangen wird, mit allem Nachdruck anzufassen und zu fördern. Horn, bei Lippstadt (Westfalen) im Juli. (Priv.-M.) Die Notiz in Nr. 23, daß der sel. Dr. Sal. L. Steinheim in Altona geboren sei, ist irrig, da der Verstorbene vielmehr in Bruchhausen in dem Fürstenthume Corvey, also dem gegenwärtigen Westfalen geboren ist, und nur in Altona den größten'Theihseines arbeitsvollen Lebens verbrachte. Der Einsender, ein Verwandter Steinheims, gestattet sich einige kleine Notizen für den zukünftigen Biographen des bedeutenden Mannes hier zu geben. Steinheim war der Sohn eines Bankiers Levy; seine Mutter, eine sehr sinnige und besonnene Frau, war die Tochter eines Rabbiners, Selig Mansbach, zu Bielefeld, der sich seine Dienste nicht bezahlen, sondern von seinen Töchtern sich ernähren ließ. Von Jugend auf genoß Steinheim eine sehr gute Erziehung, die von einem sehr braven, für die Pädagogik hoch begeisterten Lehrer, Namens Sal. Meier, geleitet wurde. Als dieser nach Hamburg zur Gründung eines Privatinstitutes übersiedelre, folgte ihm der junge Steinheim dahin, um seine weitere Ausbildung von ihm zu erhalten. Seine dankbare Anhänglichkeit erwies St. noch in späteren Jahren dadurch, daß er sem Werk „die Offenbarung nach dem Lehrbegriffe der Synagoge" dem Andenken seines Lehrers mit den Worten widmete: „Meinem Vater, Lehrer und Freund Sal. Meier" und dem Motto: „Einst Pilger hier, jetzt Bürger dort." Der junge St. besaß von Jugend auf eminentes Talent nicht blos für die Wissenschaft, sondern auch für die Kunst. So verfertigte er in seinem zwölften Jahre das noch vorhandene Miniaturbild einer Tante (in der Größe eines preußischen Zehngroschenstückes), das nach dermUrtheil bedeutender Kenner ein kleines Meisterwerk genannt zu werden verdient?) S. L. Liepmannssohn. Speyer, 6. Aug. sEingesendet.) Der Unterzeichnete hatte bei Gelegenheit, als der hiesige Herr Bischof zur Einweihung der Synagoge eingeladen wurde, ein'Gespräch mit diesem geistlichen Herrn, welches durchaus nicht wortgetreu in mehreren Blättern ohne mein Zuthun veröffentlicht worden. Ich konnte dies nicht verhindern, da noch andere Ausschuß - Mitglieder der Gemeinde zugegen waren. Erlauben Sie mir daher, das Gespräch ganz wortgetreu in Ihrem Bl. mitzutheilen. Seine Eminenz empfing die Synagogen-Ausschuß- Mitglieder mit aller möglichen Courtoisie, freute sich, daß man ihn einlade. Nachdem die Einladung er- *) Wir fügen hier folgende Notizen hinzu. Steinheim war am 6. Aug. 1789 geboren, nnd studirte in Kiel Medizin. Nach Altona kam er, als 1813 der Typhus in Folge der Kriegsereignisse herrschte. So gewann er bald eine tüchtige Praxis, durch die er ein ansehnliches Vermögen erwarb. 1845 legte er dieselbe nieder, da ihn ein körperliches Leiden nöthigte, ein milderes Klima zu suchen. Er wohnte in Rom und Sorento, und besuchte nur 1855 und 1864 Deutschland. Den Sommer von 1865 brachte er in Zürich zu und starb daselbst am 18. Mai d. I. fast 77 Jahre alt.. Außer vielen, auch einigen medizinischen und naturwissenschaftlichen Abhandlungen sind die Epopöen. „Sinai," die lyrischen Gesänge Objadjah's und die vier Bände seiner Offenbarungslehre die Erzeugnisse seiner literarischen Thätigkeit. Redaktion.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.