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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-21 · Heft 34 (21.8.1866) · p. Seite 536

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 34 (21.8.1866)
Date
1866-08-21
Page
Seite 536 (sequence 6)
Language
German
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des Wischen Stabsarztes, De. Zucker, vom Kriegsschauplätze witzutheilen. Dr. Z. wurde am 27. Juni bei Nachod am Oberschenkel verwundet und von dort nach Cudowa gebracht. Cudowa, 13. Juli 1866. „Am 27. bald in der ersten Schlacht bin ich verwundet worden, indem ein österreichisches Manatstück mir den rechten Oberschenkel zertrümmertem Zum Glück brauchte ich auf Hilfe nicht allzulange zu warten, sie brachten mich nach einer Stunde etwa vom Schlachtfeld in ein Dorf bei Nachod. Dort lag ich einen Tag fast ohne alle Pflege, nur meinen Burschen hatte ich, aber der konnte mir Nichts nützen, denn das Schrecklichste war eben, daß wir 13 Schwerverwundete in einer kleinen Stube lagen. Ein Gendarm, den ich von Sagan aus kannte, und der zufällig dort war, hat viel für mich gethan. Den 28. gegen Abend endlich kam ein Freund von mir, Dr. Schweitzer, und der schaffte mich wenigstens fort aus diesem Elend nach Nachod selbst. Was soll ich Euch über den Transport dahin berichten, es genüge Euch das Eine, daß meine Träger mit mir gefallen sind. In Nachod blieb ich ■ (bei Juden) drei Tage. Während dieser Zeit wurde ich zwei mal chloroformirt und untersucht. Es wurden einzelne Knochenstücke herausgebracht, aber nicht der Granatsplitter und trotz der Untersuchungen hatte sich bei den Aerzten noch keine gewisse Meinung festgestellt, ob das Bein würde erhalten bleiben können. Da in N. sehr viel Verwundete lagen und es mir darauf an- : kam, baldmöglichst in eine reine Luft versetzt zu werden, wurde den 30. früh ein Nothverband angelegt, . so daß ich Nachmittag hierher geschafft werden konnte. Was ich auf dem Transport gelitten, läßt sich nicht beschreiben. Hier bekam ich eine schöne Wohnung von zwei Stuben, eine für mich, eine für meinen Burschen. Dienstag den 3. besuchte mich, grade da N. abgereist war, Middeldorpf und den 4. Juli wurde mir von M. selbst der rechte Oberschenkel amputirt. - Den Umständen nach geht es mir gut und hoffe ich, der liebe Herrgott wird mir mein Leben erhalten. Besser auf einem Beine kriechen als gar nicht existiren. Ja, ich bedarf der Gnade Gott.es in recht hohem Maße. Was mir unangenehm ist, das ist der Mangel an Nachtruhe; ich habe schon 2 Nächte fast kein Auge zugethan". Neueren Nachrichten zufolge befindet sich Di'.. Zucker auf dem Wege der Besserung. Ich schließe für heute mit dem Versprechen, Ihnen seiner Zeit einen ausführlichen Bericht über die Einweihung der neuen Synagoge zukommen zu lassen. Emil Breslauer. Aus Norddeuischland, im Aug. (Pr. Mitth.) Die finanziellen und militärischen Krisen, denen Deutschland jüngst ausgesetzt und deren Folgen sich noch lange nicht wieder ganz verwischt haben werden, haben ihren Einfluß auf alle Verhältnisse geübt. So sind durch sie auch mehrere Rabbinats- und Predigerstellen bis jetzt unbesetzt geblieben, da unter den gegenwärtigen Verhältnissen von der Wahl abstrahirt. wurde. Dies betraf z. B. die zweite Rabbinerstette von Berlin, die Predigerstelle am. Tempel in Hamburg, das Rabbinat in Magdeburg, Nürnberg, Dürkheim u. m. a. Der wiederkehrende Friede und die.Ausgleichung im Verkehrsleben werden wohl auch hierfür geordnete Zustände und genügende Anregung mit sich bringen. Bonn, im August (Pr. Mitth.). Die Kölnische Zeitung fährt in ihren Verleumdungen und Gehässigkeiten gegen die Juden mit einer Consequenz fort, die ihr in andern Dingen zu wünschen wäre. Das Letztere brauchen wir den Lesern derselben nicht zu erweisen; denn sie macht so oft und ungenirt die außerordentlichsten' Schwenkungen, um den Machthabern der Zeit und der Strömung des Tages zu schmeicheln, sie erhebt heute in den Himmel, wen sie kurze Zeit vorher mit ihren papiernen Donnern und Buchstabenblitzen bestürmt hat, und nimmt dabei stets die wohlgefälligste Miene politischer Weisheit an, daß Niemand über diesen ihren Charakter in Zweifel ist. Aber auch für ihren Judenhaß bleibt sie die Beweise nicht schuldig, und zwar mit der edelsten Unverschämtheit. So behauptete sie in diesen Tagen, und zwar in einem der bekannten, aber durchaus nicht pikanten Leitartikel des verantwortlichen Redakteurs: die ganze Gegnerschaft Frankfurts a. M. gegen Preußen, Alles was dort gegen Preußen gesponnen worden, der. der Bevölkerung zugeschriebene Preußenhaß, seien nichts als „eine jüdische Börsenspeculation" gewesen. Man möchte wohl seinen Augen nicht trauen, wenn man eine solche Auslassung von einem, zwar nicht auf Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe, doch auf gesunde Vernunft Anspruch machenden Redakteur liest! Sollte man nicht wirklich glauben, daß alle die Motive zu dem blutigen Kriege, alle die Beschlüsse der Cabinette und des ehemaligen Bundestages lediglich von einer handvoll jüdischer

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