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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-21 · Heft 34 (21.8.1866) · p. Seite 535

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 34 (21.8.1866)
Date
1866-08-21
Page
Seite 535 (sequence 5)
Language
German
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gedehnt ward, wenn eine Ortschaft von einigen Hundert Seelen schon das Anrecht auf die Selbständigkeit hatte, welche eine solche Behörde gewährt. — Ebenso prägte sich allen politischen und socialen Einrichtungen die Gleichheit vor dem Gesetze unverlöschlich auf. Als Motiv hierfür wird ebendaselbst 4, 5 angeführt: „Im Anfang der Schöpfung ist nur ein einziger Mensch erschaffen worden, damit nicht ein Mensch zum anderen sage: „mein Urvater war vorzüglicher als Deiner!" Daß die Verschiedenheit aller menschlichen Individuen von einander hierin keinen Unterschied mache, wird so ausgedrückt, daß die Größe Gottes sich darin zeige, daß, während ein Mensch, der mit ■ einem Stempel viele Münzen Prägt, alle nur gleich machen kann, Gott jeden Menschen zwar mit dem Stempel des ersten Menschen ausgeprägt hat, und dennoch keiner dem anderen gleich ist. — Noch charakteristischer ist folgende Verhandlung inder Mischnah Jadajim 4, 4. Bekanntlich ist nach der Thorah das. israelitische Bürgerrecht durchaus" nicht an die Abstammung von Israel geknüpft. Nach 5. Mos. 23, 4 ff. sollte nur aus historischen Gründen der Ammonite und Moabite für immer, die Aegypter bis zum dritten Geschlecht ausgeschlossen sein. Der Ausdruck ist dafür, in die Versammlung des Ewigen kommen ('77 ah-»), was die traditionellen Erklärer „eine Israelitin heiratheu" deuten. Es wird nun an der angeführten Stelle der Mischnah' erzählt: Juda, ein ammonitischer Ger (Proselyt), kam und stellte sich in der Schule vor die Gelehrten und sprach zu ihnen: darf ich in die Gemeinde kommen leine Israelitin heirathen)? Rabban Gamliel sprach: es ist dir nicht erlaubt, Rabbi Josua: es ist dir erlaubt. Der Erstere sprach hierauf: es heißt in der Schrift: „Ein Ammonite und Moabite darf bis ins zehnte Geschlecht nicht in die Gemeinde kommen". R. Josua erwiederte: Sind denn die Ammoniter und Moabiter noch an ihrer Stelle? Längst erhob sich Sanherib und vermengte alle Völker, wie es heißt lJes. t 0, 13.): Ich habe die Grenzen der Völker getilgt und ihre Schätze geplündert und ihre Throne gestürzt." Rabban Gamliel entgegnete: es heißt aber (Jirm. 49, 16): „Ich führe die gefangenen Ammoniter wieder zurück, und längst sind sie zurück". Darauf antwortete R. Josua: Die Schrift sagt auch: „Ich bringe die Gefangenen meines Volkes Israel und Jehuda zurück" und bis jetzt sind sie noch nicht zurückgekehrt. Bei der nun hierauf erfolgten Abstimmung wurde den Proselyten gestattet, in die Gemeinde einzutreten. Also auch hier siegte der Geist des Gesetzes, der die Gleichberechtigung forderte über die beschränkende, buchstäbliche'Auslegung des Wortes. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 8. Aug. (Privatmtth.) Am 7. Septemper soll die neue Synagoge eingeweiht werden. Prediger,' Cantor, Organist sind gewählt, die Aenderungen an der Liturgie werden vorbereitet. Es ist bei diesen Aenderungen die größte Gewissenhaftigkeit nicht dringend genug zu empfehlen, da früher oder später die jüdischen Gemeinden Preußens ihre Liturgie nach der hiesigen Gemeinde einrichten werden; es kann aus letzterem Grunde nicht dringend genug darauf hingewiesen werden, die neue Liturgie nicht nur den Bedürfnissen der Berliner Gemeinde anzupassen, sondern... sie so einzurichten, daß sie leicht von allen auch kleineren Gemeinden eingeführt werden kann. Wir würden dadurch dem schönen Ziele jener so lang und schwer vermißten Einheitlichkeit in den gottesdienstlichen Verrichtungen um ein Beträchtliches näher kommen. Dr. Aub hat es verstanden, sich schnell die Herzen selbst eines großen Theiles seiner Widersacher zu gewinnen, und ist dieser Erfolg nicht nur der Gediegenheit seiner Predigten, dem edlen Feuer seiner Rede, seiner würdigen Persönlichkeit, sondern auch zum großen Theil der Bescheidenheit und Milde zuzuschreiben, durch die sich sein Auftreten hier vom ersten Augenblick an charakterisirte. Ich glaube zuversichtlich, daß cs ihm durch diese Eigenschaften gelingen wird, eine Einigung der Parteien zu erzielen. Zum Cantor der neuen Synagoge ist Joachim aus Hildesheim gewählt, zum Organisten der bisherige Organist an der Reform-Synagoge, Schwantzer (Lehrer des Unterzeichneten), ein Musiker von großer Begabung, der sich nicht nur durch sein treffliches Orgelspiel, sondern auch durch eine seltene Gewandtheit im freien Präludtren auszeichnet. Der Unterzeichnete, der einzige jüdische Bewerber um die Organisten-Stelle, hat nicht das Glück gehabt dieselbe zn erlangen, da man um des lieben Friedens willen Anstand genommen hat sie einem Juden zu geben. Erlauben Sie mir schließlich, Ihnen einen Brief

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