Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1866)
- Date
- 1866-08-14
- Page
- Seite 526 (sequence 12)
- Language
- German
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Les Eindrucks, eine Unmittelbarkeit der Empfindung, die uns mit dem Gegenstände selbst in den innigsten Verkehr bringt. Ich denke, um nicht an die zahlreichen ^Kunstwerke des Alterthums in dieser Gattung zu erinnern, an die Iphigenie von Hayden' in dem Raphaelssaal des Neuen Orangerie-Gebäudes zu Potsdam. Eine Jungfrau., so sinnig und anmuthig, wie nur eine edle hochdenkende Griechin sein kann „das Land der Griechen mit der Seele suchend." Aber welche beredte Sehnsucht in dieser Erscheinung, welch tiefes Verlangen in dieser Haltung! Die ganze Figur nimmt vor uns Leben und Gestalt an, sie tritt vor uns mit zurückgehaltener Eile, sie zieht uns in ihr Vertrauen, und wir sehen uns in die Situation hinein versetzt mit unserem ganzen Fühlen und Empfinden. Die Sculptur schafft gewissermaßen ihre Gestalten und verleiht auch den zartesten Erscheinungen eine zauberhafte Macht, welche in dem Beschauer das Gefühl der Unmittelbarkeit und im Zusammenhänge damit einen mächtig ergreifenden, anregenden und nachhaltigen Eindruck erzeugt. Diese Verschiedenheit in dem Höhengrad der Anregung ,, welchen die Sculptur oder die 'Malerei auf uns hervorbringen, diese größere Energie des Eindrucks, welche der Sculptur eigen ist, scheint bestimmend auf das jüdische Gesetz eingewirkt zu haben, das an die Plastik so erschwerende Vorschriften knüpft, hingegen die Malerei frei gestattet. Ja selbst in den Kunstschöpfungen der Plastik ist die Arbeit in eingelassenen, d. h. vertieften Figuren erlaubt, — doch wohl weil ihre Wirkung auf den Beschauer mit der Malerei gleichgeachtet wird, — nicht aber in hervortretenden; ferner sind die halhen Figuren oder Brustbilder zulässig, — wiederum, weil ihre Wirkung nicht mächtig genug erscheint? - — Die Wurzel aller dieser Einschränkungen liegt in dein zweiten Gebot der Thora 2, „daß kein Bild und keine Gestaltvon den Erscheinungen im Himmel, auf Erden oder im Wasser angefertigt und verehrt werden sollen." Wenn irgend ein Gesetz aus Abstellung von Mißbräuchen 4 Rosch Haschanah 241’: ->iv« übia ivnin n^ata Hrp:rib l'im?3 ypi© itn annnb ^>aia-> nn">:nb na ainnb tönt; Abodah Sahra43'' Thossaph. wi:«-! m?3n ab2 m-na ai©a an©nb ■'aa© : ©^n «pn cnb;m a^-ra isia ba an«; vergl. Tur zu Joreh Deal) 144: riniLa drpiin ^p^ini an« r^n^rra -,a'>na«n «ni ©«-> «ba qia irr ©-, rvrüfc ba« n->na'« baa n?ab© n©isa «bi i«Li?aa «b nia''« vi©ia na . 2) 2 B. M. Cap. 20. V. 2—5. gerichtet sein konnte, so war es dieses, welches die egyptische Verehrung der Götzen von Grund aus in Israel zu vernichten berufen war? Nach einer langjährigen Gewöhnung an den egyptischen Cultus, wie diese aus dem ganzen Charakter des Aufenthaltes in diesem Lande nothwendig erfolgen mußte; bei einer so gearteten Vermischung Israels mit egyptischen Elementen, wie dies thatsächlich nach dem Auszuge der Fall war; endlich gegenüber den Gefahren des Götzendienstes, die aus der Berührung mit andern Völkern noch .für lange 3eH drohten: konnte das Gebot gegen die Verehrung der Götzen nicht präciser, nicht correcter gefaßt sein. Deuten doch die immer wiederkehrenden Mahnungen der Propheten, die thatsächlich eingetretenen Abirrungen hinlänglich auf den Kampf hin, der immer von Neuem gegen dieses Gebot ausgenommen wurde! Im Zusammenhänge damit darf es uns nicht Wunder nehmen, daß aus diesem Gebot die schärfsten Consequenzen gezogen wurden, und daß der früheste halachische Commentar, die Mechiltha, die von R. Jsmael 3 herrührt und daher bereits die Anschauungen des ersten Jahrhunderts der gewöhnlichen Zeitrechnung wiederspiegelt, die Anfertigung aller menschlichen oder thierischen'' Gestalten untersagt, gleichviel ob durch Sculptur oder Malerei, ob in ganzen oder halben Figuren, ob in erhabener oder vertiefter Arbeit? Das 3) Weiß Einleitung zu Mechiltha. 4) Mechiltha zu Jethro Abschu. VI. — Die jüdischen Religionsanschauungen dieser Periode waren zweifelsohne nicht frei von parsischen Elementen, mit denen das Volk bereits im Exil bekannt wurde; besonders datirt aus jener Zeit das eigentliche -System der Engellehre (vergl. Dr. Cohut „Ueber die jüdische Angelologie u. s. w. Leipzig 1866), selbst die Namen der Engel find parsischen Ursprungs, s. Exodus Rabbah 48: fb? a^aNban rvra© baa73. Man wird freilich in dieser Beziehung vorsichtig sein müssen, da keine unerschütterlichen Beweise zu der Annahme berechtigen, daß persischer Einfluß derart gestaltend auf die jüdische Religion einwirkte; ja der Talmud schließt bei Gelegenheit des Sectenstreits geradezu den Engelglauben aus s. Sanhedrin 38'': yra «maicrn (■jvntao») rrab^ap «b aa: «:pnnsa 7^2« „Unser Glaube ist fest, daß Metatron für uns nicht einmal in der Natur des Vermittlers bestehe." Allein gerade [btefe energische Verwahrung beweist, daß die fremde Lehre nicht ohne Gefahr für den reinen jüdischen Glauben angesehen wurde, und es ist daher einleuchtend, daß die Mechiltha, in welcher die exilischen und die frühen nachexilischen Anschauungen maßgebend gewesen sein müssen, die Gefahr jener Einflüsse auf den jüdischen Glauben in strengster Form zu bannen bemüht war. 5) Mechiltha zur Stelle: ab— nsiba ib n©** «b