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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-14 · Heft 33 (14.8.1866) · p. Seite 525

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 33 (14.8.1866)
Date
1866-08-14
Page
Seite 525 (sequence 11)
Language
German
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mmmmm 525 Spanien. Madrid, im Juli. (Privatmitth.). Seit Jahren trägt man sich mit der Hoffnung, daß endlich auch in Spanien die Zeit einer freieren Geistesbewegung einkehren, und in Folge dessen die für Gewissens- und Glaubensfreiheit so drückenden Gesetze nach und nach gerechteren und vernunftgemäßeren Platz machen werden. Sollte man doch glauben, daß die bittern Erfahrungen über die traurigen Wirkungen, welche das Joch der Geistesknechtschaft nach allen Richtungen des Lebens, auch den materiellsten, macht, gerade in Spanien eine Besserung, einen neuen Aufschwung herbeiführen sollten. Dann und wann drangen in das Ausland Berichte über Maßnahmen, welche auf eine Aenderung hindeuten mochten. Aber es ist Alles nur Schein oder der Ausfluß einer flüchtigen Ansicht, eines schnell vorübergehenden Regiments. .Bedarf man hierfür eines Beweises, so braucht man nur auf ein jüngst erflossenes Ministerial-Edikt zu blicken, welches den Professoren auf den Universitäten in strengster und gemessenster Weise die Pflicht auferlegt, ihre Lehren und Vorträge mit den Dogmen der Kirche in völligen Einklang zu bringen. Das Edikt scheut sich nicht, das Motiv dafür zu bringen, daß hierdurch allein das Interesse der Wissenschaft, des Staates und der Religion gefördert und aufrecht erhalten werdde. Daß es hier zu Lande an spionirenden Wächtern über die genaue Einhaltung dieses Erlasses nicht fehlt, kann man voraussetzen. Allein sie sind kaum nothwendig, denn der wissenschaftliche Geist, der auf den spanischen Universitäten weht, ist so schwach, und Lehrer und Schüler sind so beschaffen, daß eine frischere und freiere Regung zu den seltensten Ausnahmen gehören würde. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die Mosesgruppe von Nauch. Eine jüdisch-wissenschaftliche Kunststudie von Rabb. vr. Tobias Cohn in Potsdam. (Fortsetzung.) .. III. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß diese Auffassung von Einfluß auf das jüdische Gesetz, die Plastik betreffend, war. Die Israeliten hatten während ihres Aufenthalts in Egypten selbstredend ihren Blick sowohl an die Darstellungen der Sculptur, wie der Malerei gewöhnt und hatten hinlänglich Gelegenheit, ihre Einbildungskraft an den daraus gewonnenen Eindrücken zu schärfen. Die Tempel und Grabkammern der Egypter waren reichlich mit Abbildungen in Stein wie in Farbe versehen, und den Israeliten wird es schwerlich entgangen sein, daß der Grad der Anregung auf ihr Gemüth, auf ihre Phantasie ein verschiedenartiger war, je nachdem das Bild in Stein, oder in Farbe auf sie wirkte. Die Farbe gießt eine heilige Stimmung in das sehnsüchtige Gemüth und legt den Zauber der Andacht in die fromme Seele; der Stein aber ergreift mit ureigener Macht den. widerstrebenden Sinn und klingt noch in dem bewältigten Geist. Das gemalte Bild haftet an der Fläche und erfüllt die Ausdehnung; in dem steinernen concentrirt sich die Kraft, sie stellt das Werk auf seine eigene Schwere und läßt es in sich selbst, in voller Selbstständigkeit und objectiver Form und Freiheit ruhen. Das farbige Bild gefällt, das steinerne besiegt. Dieses Berhältniß zwischen Sculptur und Malerei waltet selbst dann vor, wenn jene ein zartes und sinniges Thema ausführt, diese hingegen einen ernsten und vollkräftigen Vorwurf erfaßt. Die gewaltige Leidenschaft z. B., welche in dem gemalten Moses von Kaulbach 'zum Durchbruch kommt, hat etwas Ergreifendes, das Auge brennt in der Gluth des Zorns, der Mund ist krampfhaft geschloffen, der rechte Fuß kraftvoll und schräg geneigt mit der Spitze auf den Boden gestemmt, und die ganze Erscheinung zeichnet mit wunderbarer Naturtreue die vorhandene Situation. Allein wir sind bei dem Anblick des Gemäldes ergriffen von der gewaltigen Meisterschaft des Künstlers, der die Wahrheit des Vorgangs so vollkommen und untadlig dargestellt hat, und haben den Eindruck, als lesen wir den mit sorgfältigster Treue angefertigten Bericht des Vorganges. Vor dem gemalten Moscheh fehlt uns ' die Unmittelbarkeit des Eindrucks und des Ergriffenseins; nicht sowohl die Action, oder die Persönlichkeit als solche überzeugt uns, sondern die täuschende Darstellung derselben, durch welche jene erst in die Erscheinung treten. In der Malerei ist vorzugsweise das Element der Ruhe enthalten, das sich gleichsam um die Seele des Beschauers legt und sie vor der gewaltigen Erschütterung schützt, welche aus der unmittelbaren Berührung mit dem Vorgänge sich erzeugen müßte. Dem gegenüber bietet die Sculptur selbst bei den zartesten Stoffen eine Lebendigkeit 33*

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