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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-14 · Heft 33 (14.8.1866) · p. Seite 524

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 33 (14.8.1866)
Date
1866-08-14
Page
Seite 524 (sequence 10)
Language
German
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sehr gering. Die Großrabbiner erhalten 3500 Frs. (9331/3 Thlr.). Die A. J. sagen: „In großen Städten wohnend, wo das Leben theuer ist, gezwungen, standesgemäß sich zu kleiden und zu wohnen, genöthigt durch ihre Stellung, an allen Werken der Wohlthätigkeit, sowohl den israelitischen wie den nichtisraelitischen, theilzunehmen, wird es ihnen, noch dazu, wenn sie Familie besitzen, schwer auszukommen" Schlimmer noch ist die Lage der Gemeinderabbiner, von denen einige wenige 1600 Frs. (433Vs Thlr.), bei weitem die meisten 1100 Frs. (2931/3 Thlr.) beziehen, und bei ihnen sind die Kasualien so gut wie nichts, da sie in kleinen Gemeinden fungiren. Dies ist die traurige Stellung, welche sie für eine den Studien geweidete Jugend und als Ersatz für nützliche Funktionen erhalten. Wohnen sie in Dörfern, so ist zwar daselbst der Lebensunterhalt wohlfeiler, aber sie müssen für die Erziehung ihrer Kinder die größten Opfer bringen, da sie dieselben auswärts placiren müssen. Dennoch ist vom Staate eine Besserung nicht zu erwarten, da dieser sich auf die Gehälter der katholischen Geistlichkeit niedereren Ranges bezieht, wobei er freilich außer Augen läßt, daß diese ohne Familie sind. Wo läge aber nun die Pflicht, diese traurige Lage zu verbessern und die Lücken auszusiillen, und zwar nicht blos aus Dankbarkeit, sondern auch aus der Besorgniß, daß sich immer weniger tüchtige Kräfte diesem Stande widmen möchten; doch sicherlich auf Seiten unsrer Glaubensgenossen in Frankreich. Als ein schönes Vorbild haben wir anzuführen, daß Herr Joseph Lsvhlier, Präsident des israelitischen Consistoriums von Nancy, eine Stiftung von 8000 Frs. gemacht hat, mit deren Zinsen das Gehalt des Großrabbiners dieses Sprengels um 400 Frs. vermehrt werde. Möge dieses Beispiel recht viele Nachahmung finden! (Wir möchten hierbei auf die deutschen Gemeinden verweisen, die alle Kosten ihres Cultus und ihres Schulwesens allein tragen). Italien. Aus Oberitalien, 27. Juli (Privatmitth.). Seit dem Ausbruche des Krieges hat der Educatore Israelin das Erscheinen seiner Monatschrift ausgesetzt, wie er solches angezeigt, mit dem Versprechen seine Arbeiten mit dem Friedensschluße wieder zu veröffentlichen. Dasselbe scheint auch mit dem Corrier6 Israelitico der Fall zu sein; wenigstens habe ich das Juni- und Juli- Heft bis heute nicht empfangen. — Es ist selbstverständlich, daß unter den gegenwärtigen Zeitumständen das isr. Gemeindeleben sich darauf beschränkt die bestehenden Institutionen im Ganzen zn erhalten; und selbst wo vor dem Kriege Gemeindebauten vorgenommen worden, werden solche auch fortgesetzt; wie bieg in Turin undKasale der Fall ist. An letzterm Orte sind die betreffenden Arbeiten bereits zu Ende, und dürfte vor den herannahenden großen Feiertagen die Einweihungsfeier des erweiterten und verschönerten Tempels Statt finden. — Bei allen freiwilligen Gaben und patriotischen Demonstrationen der italienischen Bevölkerung in letzter Zeit jhaben unsere Glaubensgenossen einen nicht unbedeutenden Antheil genommen; und dieß hat in der einstimmigen Ernennung des Oberrabbiners Olper zum Präsidenten des in Turin gebildeten Vereins zur Herbeischaffung eines Fonds zur Unterstützung der von den Contingenten hinterlassenen armen Familien eine glänzende Anerkennung gefunden. Jedoch wurde dieser ehrende Auftrag von demselben abgelehnt. Zum königlichen Commissär zur provisorischen Verwaltung der Provinz Udine ist der Deputirte Finzi (Israelit) erbarmt; ein hohes Amt, wenn wir bedenken, daß für die anderen Provinzen ein Pepoli, ein Sella, gewesene Minister, ernannt wurden. Bei Gelegenheit der durch gezwungenen Umlauf des Bankpapiergeldes steigenden Agiotage beim Wechsel der verschiedenen Werthpapiere und Münzen, hat sich in den ersten Tagen in manchen Blättern eine mißliche Stimmung gegen jüdische Speculation Luft gemacht. Allein eben so schnell wurde die Ungerechtigkeit des Vorwurfs anerkannt; da es sich herausstellte, daß gerade in den Städten, wo es gar keine oder höchstwenige jüdische Banquiers und Wechsler giebt, wie in Neapel, Palermo, Genua und Mailand die Agiotage am höchsten war. In der That verstummten jene widerlichen Stimmen gar bald gänzlich. Die Erben Luzzatto's arbeiten unermüdlich an der Veröffentlichung der von S. D. L. hinterlassenen werthvollen Schriften. Neulichst erschien das sechste Heft von dessen Jesaias mit italienischer Übersetzung und hebräischem Commenkar Cap. 38—50; auch von der Bibelübersetzung ist unterdessen ein Heft (Joschua und Richter) versandt worden. —Der bisherige Rabbiner von Neapel, Artom, ist zum Chacham der spanischen Gemeinde zu London erwählt worden. —

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