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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-14 · Heft 33 (14.8.1866) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 33 (14.8.1866)
Date
1866-08-14
Page
Seite 522 (sequence 8)
Language
German
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522 Redner, begnügte sich immer mit leeren Formen und Ce- ■■ .„-X - -t*l rt'Ci!-»■+ 4«4»C (V\f.V'! r>! /Yj AV» xcutvittcu tu '©tcicitvuttD i/ccitutvits i uu)cn; oeatt prucnre für sich das unbedingteste Vertrauen, verweigerte das Gleiche aber dem Volke; scheute die Handhabung der Waffen des Geistes und des Leibes und unterdrückte offenen Mannesmuth, und so kam es, wie der Prophet schon vorhersagte, „das ganze Herz ist matt." Jetzt, meint der Redner, ist mit Gebeten und Gesängen und Processionen nicht geholfen, sondern der Prophet sagt: „Ob ihr schon viel betet, höre ich euch doch nicht, lernet lieber Gutes thun, trachtet nach Recht, helfet dem Unterdrückten, schaffet den Waisen Recht und helfet der Wittwen Sache" Denn Zion (Oesterreich), schließt der Redner, muß nach den Worten des Propheten durch Recht erlöst werden und ihre Gefangenen durch Gerechtigkeit. Die Presse schreibt: Die Frage der Aufstellung von 'Freiwilligen-Bataillonen durch israelitische Gemeinden hat eine neue Wendung genommen. Einer unserer hiesigen Correspondenten schreibt hierüber: „Die vom Inspektor der „Nuova Societä“ in Pest, Adolph Neumann, beantragte Errichtung eines aus 5060 Mann bestehenden Freiwilligencorps wurde höchstenorts genehmigt. Die zur eventuellen Errichtung und Erhaltung dieses Corps mit 1,874,302 fl. jährlich veranschlagten Kosten sollen durch freiwillige Beiträge unter den Israeliten und Christen aufgebracht werden, worüber bereits allen Behörden die nöthigen Weisungen zugekommen sind." (Die Sache verliert hierdurch allerdings eigentlich ihren besonderen, auf die Confession gerichteten Charakter, wenn man auch vorzugsweise an die Juden dabei gedacht hatte; gegenwärtig ist sie auch gegenstandlos geworden.) Rußland. St. Petersburg, im August (Privatmitth.) Wer nach vier- oder fünfjähriger Abwesenheit jetzt nach Petersburg zurückkehrt, der dürfte sich leicht nach wenigen Stunden schon verwundert fragen, ob das noch Petersburg, ob es wirklich Petersburg sei. Die Stadt sieht eigentlich dabei jetzt nicht anders aus, wie ehemals. Die Häuser sind dabei nicht schief und baufällig, die vergoldeten Kirchthürme minder glänzend, die Menschen minder geschäftig geworden. O nein! Gleich stolz und fast wie ehemals ragen die Häusermassen gen Himmel; ernst blickt noch immer der geistliche Synod t (das Oberconsistorium) auf den Winterpalast und das weltliche Treiben in Admiralität und Kriegsministerium hinüber und wird seinerseits wieder von der düstern Pracht der Jsaakskirche überragt. Aber wenn das Auge verwundert zu diesen Prachtwerken der Baukunst aufschaut, während die Füße mechanisch fortschreiten; wenn wir dabei auf etwas weiches, nachgiebiges stoßen, wie es etwa die Rippen eines Andern sind und uns mit einem „Winowat" (pardon) beschämt weiter schleichen wollen, was glaubt Ihr, daß wir da zur Antwort erhalten?! — „Scholem aleichem, Reb Elkono! wie geit es, was macht Ihr!?" erklingt im reinsten littauischen Dialekt die überraschende ^Ansprache, und staunend sehen die aus den Höhen zur Erde niedergleitenden Blicke einen alten Bekannten vor sich, den wir, weiß Gott wo, nur nicht hier vermuthet hätten. Aber das ist nur der Erste. Etwa dreißig Schritte weiter kommen mir gesticulirend zwei andere Jakobssöhne entgegen, die ich, wenn nicht schon an Tracht und Aussehen, jedenfalls doch auf zwanzig Schritte weit als Glaubensgenossen an der überlauten Unterhaltung erkannt hätte. Quer über die Straße gehend werde ich fast von einer Droschke überfahren — es ist ein jüdischer Kaufmann, der Eile hat. An der Ecke steht ein stattlicher Gorodowoi (Polizeisoldat) in seiner kleidsamen Amtstracht — es ist ein Jude. Den Eingang vor meiner Wohnung verbarrikadirt mir eine jüdische H.ökerfrau mit volksthümlichem koschern Backwerk, und auf dem Treppenabsatz muß ich Halt machen, um einem paar zankenden Indem Spielraum für Hände und Füße zu lassen. Ist das' nicht seltsam in einer Stadt; . wo vor fünf Jahren noch der Jude unbedingt verpönt und Contrebande war? — Fast scheint es, als ob Chatzkel, SchMerl, Josel rc. (der Leser verzeihe die etwas undeutschen Namen, sie sind bei uns noch ziemlich allgemein) die sich in irgend einem Winkel Rußlands gesehen und gesprochen, Wort und Handschlag gewechselt haben, sich recht bald in Petersburg wiederzusehen, denn wer Unternehmungsgeist und Ausdauer hat, arm an Geld und reich an' Hoffnungen ist — und welcher Jude hat und ist es nicht? — der kommt unbedingt nach Petersburg. Freilich sind schon viele derselben, um viele Hoffnungen ärmer, wieder in die Heimath zurückgekehrt; andere suchen sich tiefer im Innern Rußlands den Ort, wo

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