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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-08-14 · Heft 33 (14.8.1866) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 33 (14.8.1866)
Date
1866-08-14
Page
Seite 521 (sequence 7)
Language
German
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-57- 'H)' > 521 hältnissen beider Gemeinden anzuerkennen, schlug aber vor, aus Humanitätsrücksichten der jiidischen Gemeinde einen Zuschuß von 50 Thlr. zur Besoldung ihrer Lehrer zu bewilligen. Der Vorsteher der Shnagogengemeinde Stadtverordneter Wieruszowski protestirte dagegen, daß man die 50 Thlr. der Gemeinde als eine Art Almosen anbiete, und machte geltend, daß es der Gemeinde, die aus ihrer Mitte ungefähr viertehalbtausend Thaler jährlich aufbrächte, wahrhaftig nicht auf die paar Thaler ankäme, daß sie aber eine Gleichstellung mit den anderen Confessionen verlangen zu können glaube. Die Angelegenheit wurde auf Antrag des Dr. sßaur, der den Antrag Wieruszowski's warm befürwortete, an eine Commission verwiesen, und heute beschlossen, nicht allein einen jährlichen fixirten Beitrag zum Gehalt des jüdischen Predigers zu zahlen, sondern ihnen auch in den höheren Lehranstalten ein Klaszimmer zur Abhaltung des Religions-Unterrichts einzuräumen. Letzteres wurde von der jüdischen Gemeinde selbst als dringender Wunsch hingestellt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 27 Juli. Ueber die in vor. Nr. besprochene Verfügung bringt die (amtliche) „Wiener Zeitung" folgende Erklärung: „Eine jüngst getroffene Verfügung der Regierung hat, wie es scheint, in hiesigen israelitischen Kreisen Anlaß zur Beunruhigung gegeben, welche auch in den heutigen Wiener Blättern Ausdruck fand. Wir müssen, da wir von dem Sachverhalte genau unterrichtet sind, erklären, daß diese Beunruhigung nur durch eine gänzlich irrige Auffassung der betreffenden behördlichen Anordnung hervorgerufen werden konnte. — Ein Privatbeamter in Pest, wie wir nicht unerwähnt lassen wollen, selbst mosaischen Glaubens, legte der kaiserlichen Regierung einen Plan vor, zur Anwerbung und Ausrüstung eines aus 5000 Mann bestehenden.Freicorps, welches durch Werbung, der Hauptsache nach von gedienten Militärs gegen Handgeld, gebildet werden sollte. Das Corps sollte aus 4 Bataillonen zu 6 Compagnien bestehen, die Officierstellen durch erfahrene Ofstciere besetzt werden rc. Die Aufbringung der erforderlichen Geldmittel glaubte der Projectant durch eine freiwillige Subscription bei den Israeliten einiger Kronländer, jedoch ohne Ausschluß von Spenden ihrer christlichen Mitbürger sichern zu können. Die Regierung konnte einen Plan nicht von der Hand weisen, welcher die pattiotische Theilnahme der Bevölkerung zur Voraussetzung hatte, und im Falle des Gelingens der k. k. Armee eine nicht unbedeutende Vermehrung ihrer Kräfte zugeführt haben würde. Sie forderte daher die Statthalter einiger Kronländer auf, die Israeliten in größeren Städten zu bewegen, aus ihrer Mitte Deputationen zu wählen, welche die Sammlungen einzuleiten hätten. In der angegebenen Art geschah die Jntimation auch an die Vertreter der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, welche unter dem Eindrücke des ersten Augenblickes darin einen ihnen auferlegten Zwang, eine einseitige Besteuerung der Israeliten erblicken zu müssen glaubten. Auf ihre an die competente Stelle gerichtete Anfrage wurde ihnen auf das unzweideutigste erklärt, daß es sich nur um ganz freiwillige Beittäge handle, daß es in Jedermanns freiem Belieben stehe, zu dem beabsichtigten Zwecke beizusteuern oder nicht, und ausdrücklich hinzugefügt, daß der Plan von einer Privatperson und noch dazu von einem ihrer Glaubensgenossen ausgegangen sei. Wie wir erfahren," - schließt die Wiener-Zeitung, „ist übrigens den Herren Statthaltern, an welche die erste Jntimation ergangen, zur Vermeidung jeder weiteren irrigen Auffassung noch bedeutet worden, bei ihrer Verständignng der Vertreter der israelischen Gemeinden ausdrücklich und schärfstens den Charakter der Freiwilligkeit der Leistung zu betonen." Wien, im August. Die öffent. Bl. melden: In . Wien haben neulich zwei Prediger das Thema behandelt, warum Oesterreich gegen Preußen unterlegen; der „fromme" Jesuit Klingkowström meinte in seiner hohen Weisheit, das nationale Unglück läge in der Glaubenslosigkeit des Volkes, in den liberalen Zeitungen rc., und sprach dann noch derarttgen Unsinn mehr.*) Der israelitische Prediger Jellinek dagegen sprach ein anderes Wort, er traf den Nagel auf den Kopf. Dieser treffliche Redner kennzeichnete die österreichische Lage mit einer Stelle aus der Bibel vom Propheten Jesaias welche lautet : „Das ganze Harlpt ist krank, das ganze Herz ist matt; von der Fußsohle an bis aufs Haupt ist nichts Gesundes an ihm. Euer Land ist wüste, eure Städte sind mit Feuer verbrannt, Fremde verzehren eure Aehre vor euren Augen." Das Haupt, meint der *) S. Nr. 31 d. Z.

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