Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1866)
- Date
- 1866-08-07
- Page
- Seite 510 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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510 des, m Nr. 22 d. Bl. als tüchtiger Journalist genannten vr. Maximilian Falk, Hauptwitarbeiters jenes Blattes, gegen die böhmischen Excesse an erster Stelle mittheilte, welcher Artikel von dem wahren Rechtsgefühle dieses in Ungarn allgemein geschätzten Publicisten zeugt. Wir gestatten uns eine Stelle jenes Artikels in getreuer Übersetzung hier wiederzugeben: „Wir glauben, daß diese Vorfälle keine „lokalen" seien, wenigstens in dem Sinne nicht, daß dieselben, für welchen Theil der Monarchie immer gleichgültig sein könnten, u. z. um so weniger, als hie und da eine solche Ansicht sich hören läßt, welche diese Gewalttätigkeiten auf politische und nationale Motive zurückführen möchte." „Es ist wahr, daß die böhmischen Juden, mit wenigen Ausnahmen, zur deuschen Partei gehören, und daß diese deutsche Partei dem Föderalismus Feind ist, während die Czechen einzig und allein in der Verwirklichung dieser Staatsform das Heil des Reiches aufzufinden wähnen, und so mochte der äußere Anschein jenen Verdacht einigermaßen rechtfertigen, daß solche Aufwiegeleien, welche immer und überall ausschließlich gegen Juden und Deutsche gerichtet sind, wohl durch Solche mochten hervorgerufen worden sein, die der Nationalität nach Czechen und ihrem politischen Glaubensbekenntnisse nach Föderalisten sind. Doch der Schein trog nicht bloß einmal, und wir glauben und hoffen, daß er auch dieses Mal nicht der Spiegel der Wirklichkeit sei; wir glauben und hoffen, daß die Führer der czechischen National-Partei ganz fremd seien solchen Scenen, die dem 19. Jahrhunderte wahrhaft zur Schande gereichen, und die, welche politische Partei immer — wie richtig auch deren Ansichten und wie angesehen auch deren Anhänger sein wögen — nur zum Gegenstände der Verachtung machen könnten." S. Blum. Jamnitz (Mähren), 16. Juli. Am 13. d. wurde an das dortige Bezirksamt von mehreren Bauern aus Dommermühl ein ehemaliger Hausirer als vermeintlicher preußischer Spion eingebracht, derselbe wurde jedoch als Jamnitzer Insasse erkannt und nachdem dessen Papiere von einem Beamten geprüft wurden, stellte sich seine vollkommene Unschuld heraus und er wurde entlassen. Dies erregte eine solch erbitterte Stimmung, daß am Sontage nach der ersten Frühmesse das aus der Umgegend zum Gottesdienste herbeigeströmte Landvolk sich in der Judengasse ansammelte, sammtliche Fenster einschlug, in die Wohnungen eindrang, Möbel zertrümmerte und unter Drohungen in böhmischer Sprache die Auslieferung des israelitischen Gemeinde- Beamten forderte. Der Tumult dauerte einige Stunden und war es nur dem energischen Einschreiten des Pfarrers, des Bezirksvorstehers und des'Bürgermeisters zu danken, daß die Excesse Abends ein Ende hatten. Am selben Tage noch wurde von den Bürgern eine Sicherheitswache organisirt, welche sieben der Hauptexcedenten verhaftete und die zwei Haupträdelsführer, verkommene Subjecte, am folgenden Tage an das Be-' zirksamt einlieferte. Seit jener Zeit ist die Ruhe nicht gestört worden. Der Exceß fand nicht vor dem Einrücken der Preußen, sondern zwei Tage danach statt. (Wie aus dem obigen erhellt, waren die Preußen aus Jamnitz bereits wieder abmarschirt!) Donaufürstenthümer. Bukarest, 22. Juli. Der österreichische Generalconsul, Baron Eder, hat rücksichtlich der am 30. Juli in Bukarest vorgefallenen Judenexcesse und Zerstörung des dortigen Judentempels, eine energische Note an den Minister des Aeußern gerichtet, und exemplarische Bestrafung der Schuldigen, sowie Entschädigung für den österreichischen Unterthanen zugefügten Schaden und Wiederherstellung des jüdischen Tempels verlangt. Der rumänische Minister anerkennt die Gerechtigkeit dieser Forderung, sagt die Bestrafung der Schuldigen zu und erklärt, daß die Regierung den zerstörten Tempel auf ihre Kosten wieder Herstellen lasse. Afrika. Capstadt, im Juni. Der bisherige Attorney-General (Generaladvokat) von Caffraria, Simeon Jacobs, Esqu., ein Israelit, ist zum Sollicilor-General der ganzen Colonie des Caps der guten Hoffnung ernannt worden. Vor seinem Abgänge von King Williamstown ist ihm eine höchst anerkennende Dank- und Glückwunschadresse von allen Mitgliedern des Richter- und Juristenstandes von Caffraria überreicht worden. (Nach lew Chr.)