Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1866)
- Date
- 1866-08-07
- Page
- Seite 507 (sequence 9)
- Language
- German
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derholen, was wir damals gesagt: den Lehrern der Anstalt ist keine Schuld beizumessen. Aber wenn ein Seminar in seiner Räumlichkeit und seinen Utensilien der äußersten Vernachlässigung überlassen wird, die Seminaristen ohne Aufsicht, die ganze Studienanstalt ohne Oberleitung ist, so daß die coordinirten Lehrer neben einander ein jeder seinen eignen Weg verfolgen, das Ganze dadurch plan- und systemlos, wenn der Cursus verhältnißmäßig viel zu kurz, die Pädagogische und methodologische Partie wenig berücksichtigt ist u. s. w.: so kann nur bewundert werden, daß noch so viel erzielt wird, wie der. Fall ist, und kann dies lediglich, dem Eifer der Lehrer und dem guten Willen der Zöglinge zugeschrieben werden. Ueberraschend waren diese Beobachtungen allerdings nicht, da sich in den letzten Jahren unzuftiedene Stimmen genug hatten vernehmen lassen. Die Axstalt war allerdings die Schöpfung eines Mannes, und in sofern ist es gerechtfertigt, wenn dieser Gründer sich die Bestimmungen über seine Schöpfung Vorbehalten hat. Andererseits wurde sie zum größten Theil von den, aus den Gemeinden Westfalens und der Rheinprovinz gesammelten Gaben erhalten, und schon der Name als „Verein" und „Vereinsschule" zeigt darauf hin, daß mit der Zeit auch für diejenigen, welche die Mittel zur Erhaltung darboten, also für die Gemeinden der beiden Provinzen eine Berechtigung eintrat, - und insbesondere dann, wenn die Einrichtungen der Anstalt nicht mehr ganz zweckentsprechend erschienen. Dieser letzten Berechtigung scheint nun auch in dem Statut Rechnung getragen zu sein — in wie weit, werden wir sehen. Es wird nothwendig sein, daß die Hülfsmittel des Seminars vergrößert werden, um den veränderten und gestiegenen Bedürfnissen und Anforderungen unserer Zeit genügen zu können. Diese bedeutenderen Zuflüsse werden aber niemals eintreten, wenn nicht das Interesse der Gemeinden durch eine aktive Betheiligung und durch eine angemessene Reorganisation erhöht wird. Die Anstalt ist für die Gemeinden unentbehrlich; diese letzteren sind aber für jene ebenso unentbehrlich. Möge also die Verbindung zwischen beiden eine so geeignete und lebendige sein, daß ein günstiges Resultat zu erwarten steht. . Von der Weser, 31. Juli. (Privatmitth.) Das blutige Gefecht bei Kissingen am 10. d. M. hat auch einem tapferen jüdischen Offizier das Leben gekostet. Der Lieutenant im 15. kön. preuß. Jnf.-Regim. Jacob Michaelis aus-Nieheim bei Paderborn wurde in diesem Gefechte an der Schulter verwundet und drang die Kugel bis zum Halse vor. Der Verwundete wurde in das Lazareth gebracht, die Kugel herausgeschnitten und schien Anfangs Hoffnung auf Besserung vorhanden zu sein. Das Hinzutreten von Wundfieber nahm indessen eine schlimme Wendung und führte am 20. d. M. den Tod des Michaelis herbei. Es war ein noch sehr junger liebenswürdiger und bescheidener, dabei von militärischem Pflichteifer erfüllter Mann. Aus seinem und seiner tapfern Mitstreiter Blute wird hoffentlich nicht allein für das deutsche Vaterland, sondern auch für die Zukunft der deutschen Juden eine glückliche Saat hervorgehen. Möge ihm, dem tapfern Preußischen Krieger, die Baiersche Erde leicht sein. Er war von Herzen ein aufrichtiger Jude, er ist auch den Tod der Gerechten, den Tod für das Vaterland in gewonnener Feldschlacht gestorben. Neiße, 26. Juli. Bekanntlich haben hier ungarische Gefangene ein Lager bezogen, und Klapka, Vetter und andere ungarische Emigranten befinden sich hier, um unter den gefangenen Mannschaften zu einem feindlichen Einbruch in Ungarn zu werben. Die Anzahl derer, welche sich anwerben ließen, soll schon bis zu 1500 gestiegen sein. Alle unter den Gefangenen befindlichen Juden, berichten die „Köln. Bl.", 60 an der Zahl, halten an ihrem früheren Eide fest, so verlockend auch die Bedingungen find, die ihnen gestellt werden. Den Bericht bringt auch die „B. B. Z." Oesterreichischer Kaiserstaat. Aus Böhmen, .22. Juli. Aus dem Oest. Kais, bleibt uns auch Heute noch nichts weiter, als über traurige. Excesse zu berichten. Die allgemeinen Unglücksfälle scheinen dort nicht zu genügen, es muß das bitterste Leid noch über schuldlose Individuen ausgegossen werden. Aus Rakonitz, 11. Juli, schreibt man: „Gestern den 10. Juli ereignete sich hier eine bedaueruugswürdige Scene. Es war die Assentirung angeordnet. Die Recrutirungspflichtigen versammelten sich in massenhafter. Menge auf dem Ringplatze und fingen an gegen die Israeliten zu schimpfen. Hierzu gesellte sich auch der Pöbel von der Stadt und viele Leute aus den Ort- 32