Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1866)
- Date
- 1866-08-07
- Page
- Seite 506 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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MM tt uns noch so manches Andere vernehmen, was wir — vom Standpunkt des Referenten aus — der kurzen Mittheilung durchaus nicht für unwerth erachten können. — Verf. beginnt damit, daß die Bibel (das a. T.), als die älteste und reichste Quelle der „alten Geschichte" von unschätzbarem Werth stets gewesen sei und bleiben werde. Die „Israeliten" aber hätten für das deutsche Volk außerdem noch eine ganz besondere hohe Bedeutung. Die europäischen Israeliten seien in 2 große Abtheilungen, nämlich in spanische vulgo portugisische und in deutsche vulgo polnische Israeliten, gespalten, und jede dieser Abtheilungen läßt nun der Herr Verf. (natürlich nach den von ihm gemachten „Studien") den Gottesdienst nur in der Sprache des Landes, nach welchem sie benannt sei, verrichten. — Für die hohe Stufe geistiger Bildung, welche von den spanischen Juden ihrer Zeit eingenommen worden, hätten — aüßer der Thatsache, daß Alphons von Castilien seine berühmten „astronomischen Tabellen" durch Juden aus Toledo anfertigen ließ — auch ganz besonders Uriel Acosta und Benedict Spinoza Zeugniß abgelegt. — Und sonst Keiner? — Die deutschen vulgo polnischen Juden seien an Zahl bei weitem stärker, und — wohl gemerkt! nun kommt die Hauptsache! — weil in ihrer Synagoge unsere d. h. die „deutsche" Sprache herrsche, so könne jeder Deutsche, wenn er durch ganz Polen und Rußland reise, mit Leichtigkeit sich verständigen. — Du siehst also, lieber Leser, daß es deutsche Gelehrte gielt, welche den erbärmlichen Jargon, in welchem die russ. und poln. Juden conversiren, für das Idiom halten, in welchem sie auch betend zu Gott, dem Vater, sprechen. — Unser gelehrter Autor ist sogar der Meinung, es sei der erwähnte große Vortheil bisher nicht gehörig gewürdigt resp. benutzt worden, und wünscht „im Interesse der Deutschen", daß den Juden (o, wie gütig!) eine besondere Akademie für Rabbiner errichtet würde, „aber auf deutschem Gebiete und nicht in Pesth, wie beabsichtigt worden". — Den „orthodoxen Juden" will er eine besondere Schule eingeräumt wissen und meint, daß deren Nutzen immer noch größer als ihr Nachtheil sein würde, ganz abgesehen davon, daß mit der Zeit — und sicherlich eher noch als bisher — freisinnge Anschauungen und Ideen sich Bahn brechen müßten. — Woher die Theilung der Juden Europas in die genannten 2 Hauptgruppen, weiß der Verf. sich nicht zu erklären und fragt daher ganz naiv, ob sie nicht vielleicht in der „den Germaneneigenthümlichen Toleranz gegen Andersdenkende" begründet wäre? — Wir müssen gestehen, daß wir eben-- sowenig den Sinn dieser Frage verstehen, als wir gerade von jener „Toleranz" viel zu erzählen wissen. — L. Weyk. Zeitungsnachrichten. Preußen. Bonn, 26. Juli. (Privatmitth.) Wir haben in voriger Nummer die erfreuliche Mittheilung zu machen gehabt, daß das Statut des jüdischen Seminars zu Münster vom Unterrichtsministerium bestätigt zurückgekommen ist. Der wichtigste Erfolg ist für jetzt, daß die Anstalt dadurch Korporationsrechte erhalten hat und in Folge dessen einen ihr zugedachten Fonds von 25,600 Thalern in Empfang nehmen kann. Hieran schließt sich nun die Hoffnung, daß eine Reorganisation des Seminars vorgenommen werden kann und wird, und wird man bald aus dem zu veröffentlichenden Statut ersehen können, ob dieses die Möglichkeit einer solchen gewährt. Wir hegen dieses Vertrauen, wenn auch die Entwerfung des Statuts ganz einseitig vor sich gegangen, weil wir glauben, daß die Bestätigung seitens des Ministeriums nicht erlangt worden wäre, wenn es nicht dahinschlagende zweckgemäße Bestimmungen enthalten hätte. * Wir haben stets die Vereinsschule, wie sie vom sel. Prof. Haindorf gegründet, mit Opfern erhalten, und in seinen gesunden Jahren geleitet wurde, hochgehalten, und als ein sehr verdienstliches Werk gerühmt. Als wir vor fast vier Jahren nach der Rheinprovinz übersiedelten, und zum ersten Male der Jahresconferenz des Lehrervereins für Rheinland und Westphalen beiwohnten, wurden wir in dieser Achtung bestärkt. Denn wir lernten hier eine verhältnißmäßig bedeutende Anzahl so tüchtiger, unterrichteter und pädagogisch geschulter Lehrer kennen, die aus der Vereinsschule hervorgegangen, und welche wir den besten ihres Standes zuzuzählen uns berechtigt sahen, daß es uns eine wahre Freude und Befriedigung gewährte. Um so schmerzlicher war es uns, bei der persönlichen Kenntnißnahme den äußeren und inneren Verfall der Anstalt, die sehr ver-. nachlässigte äußerliche Erscheinung und die innere Mangelhaftigkeit der Vereinsschule zu gewahren. Wir wie-