Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1866)
- Date
- 1866-07-31
- Page
- Seite 496 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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496 nicht ab. Er kennt den bewährtes Gottesmann und ist voll Vertrauen, daß auch dießmal die Kraft seines Gebets sich zeigen werde. Er ist so ganz im Anschaueu desselben versenkt, daß er die kriegerischen Vorgänge dort unten in der Ebene fast vergißt, und die Kraft des unterstützenden Armes ihm aus der großen Erhebung zufließt, welche er in dem Anblick des Bruders findet. Denn die natürliche Energie lebt in diesem Arme nicht mehr in dem Grade, daß er den übernommenen Dienst sicher auszuführen im Stande wäre; die Macht der Jahre hat ihre Herschaft bereits geübt, und Aharon ist älter/ als Moscheh. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, daß Aharon's Haupthaar in der Mitte fehlt und sich nur wie ein schmaler Gürtel um den untern Rand des Kopfes legt; er wird aber« auch gleichzeitig weiter durch die adlersörmige oder römische Nase gemildert, welche durch einen gewissen kühnen Schwung, der sie kennzeichnet, Regsamkeit und Energie verleiht. Im Gegensätze dazu verhalt sich Chur, der Schwestersvhn Moscheh's, der auf der rechten Seite den Arm des betenden Moscheh unterstützt. Er ist bedeutend-jünger, als die beiden andern und trägt eine Art Rüstung; aber ersieht nicht auf Moscheh und ist sich kaum des Dienstes bewußt, um des willen er dort oben auf der Höhe steht, sondern sein Blick starrt in die Ebene hinab und folgt dem erbitterten Kampfe, der dort sich vollzieht. In seiner aufgerichteten Haltung erscheint er wie ein kühner Held, der wohl einen entscheidenden Antheil an dem Streit nehmen möchte, und in den Gesichtszügen drückt sich vielleicht eine gewisse Verstimmung darüber aus, daß er dem Streit seines Volkes entrückt ist. Oder hat der Künstler durch den ganz besonders ernsten und finstern Blick des Chur das Mißtrauen desselben zu dem israelitischen Volke ausdrücken wollen, das nicht der Hingebung seines großen Führers werth sei und in dem ersten sich darbietenden Falle seinen Gott und dessen Gesandten preisgeben werde! In diesem Sinne faßt die jüdische Tradition den Chur auf, und ich bin geneigt, anzunehmen, daß der Künstler diese Auffassung sich angeeignet hat, da anderenfalls * der Ausdruck der Gestalt schwer zu begründen ist. Die jüdische Tradition überhaupt scheint dem Künstler nicht fremd gewesen zu sein und in einzelnen Fällen ihn sogar bestimmt zu haben. So weicht er von der Auffassung des Josephus ab, der den Chur zum Gatten der Mirjam, also zum Schwager des Moscheh macht; denn da Mirjam älter als Aharon war/ hätts Chur mindestens in gleichem Alter mit diesem aufgefaßt werden müssen. Die jüdische Tradition giebt ihn für den Sohn Mirjam aus, und in dieser Auffassung läßt ihn Rauch vor uns erscheinen. Ferner ist nach der Tradition Chur mit frommem Eifer dem sündigen Volke entgegengetreten und fiel in seinem heiligen Widerstand als Opfer der Leidenschaften seines Volkes, während Aharon-durch Nachgiebigkeit der Wuth entging? Daraus hat der Künstler vielleicht die ernste Weise geschöpft, in welcher er Chur darstellt. Dem Aharon sowohl, wie Moscheh giebt die Tradition den Bart/ der als zur Würde und Schönheit^ gehörig angesehen wurde. Scheinbar abweichend von der Tradition befindet sich Aharon hier zur Linken des Moscheh;5 6 7 8 9 10 allein die Aufstellung zur rechten Seite ist nur in der Rangordnung ausgesprochen, welche bei der Mittheilung des Gesetzes an das Volk bestand, ohne jedoch als ein allgemeines Princip überhaupt zu gelten; andererseits ließen künstlerische Rücksichten diese Anordnung geeigneter erscheinen. Diese ganze Gruppe endlich, die im Aufträge des Königs Friedrich Wilhelm IV. von dem Künstler gearbeitet wurde, soll die Auffassung des Regenten darstellen, daß der gottvertrauende König . (Moscheh) sich auf den Priester (Aharon) und den Soldaten (Chur) stütze, das heißt, daß Kirche und Militär die beiden Säulen des Königthums wären. Ohne zu erörtern, ob wirklich dieser Gedanke in dem gegebenen Falle ursprünglich vorhanden war, so liegt ein ähnlicher doch keineswegs außer dem Bereich der Tradition, wonach thatsächlich in der Unterstützung, welche sie dem betenden Moscheh leisten, Aharon den heiligen Priesterstand repräsentirt, Chur aber die königliche Gewalt, welche seinem Stamme angehört?" Und diese Gruppe, aus jüdischen 5) Di-. Jellinck in Beth-Hamidrasch II, 2, 6) Lxoäus-Rabbah 41: DTb T2Ni Tin ambN nn- . . . irrsim v»b* iin? T'a-fiP-ns vsp; ibid. 48.; Leviticus Rabbah 10; vergl. Thalm. Sanhedrin 7". 7) Psalm 133, 2; Jalkut Maleachi 2; Thalm. Horajoth 12". 8) Ä. Mezia 84": 2^:2 n-nnb ■jbnv' 'n *bNia rrb mn Nb (;pf :,-'un); Sabbath 152"; 2*22 n^nü ■jpT; Berachoth 11": bn^a ^:pv ib D-nmNiZ) InNb bwn J^nirwn nw onb t:n; dazu Raschi: ^ppT b“m?2i “n: . — R. Nathan in Aruch v. -jpt folgert aus der angegebenen Talmud stelle, daß der Bart eher ein Merkmal von Unschönheit sei; vergl. dazu Tarrn rviznn« in ■psuaiö iiNb2n v. ‘-jjft. 9) Erubin 54''. 10) Mechiltha Beschalach; Pesiktha d'R. Eahana: