Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1866)
- Date
- 1866-07-31
- Page
- Seite 492 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226559--24149-3251491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
v Bukarest, 17. Juli. Ein Telegramm von hier Milt mit: Der hiesige französische Generalconsul erhielt von seiner Regierung eine Depesche folgenden Inhalts: , „Benachrichtigen Sie die Juden, daß Frankreich sie Unter seinen Schutz nimmt, und sagen Sie der Regierung, daß Frankreich einem Lande seine Unterstützung picht gewähren könnte, dessen Fanatismus mit solchen Gewaltthätigkeiten auf das legitimste Verlangen antwortet." Die Wiener „Presse" theilt mehrere Artikel der neuen Verfassung Rumäniens, welche der Prinz Karl v. Hohenzollern soeben beschworen, mit, die den Charakter dieses neuen constitutionellen Produktes in ein helles Licht stellt. „Artikel 3. Das Gebiet von Rumänien kann nicht von Ausländern colonistrt werden." „Artikel 7. Nur christliche Ausländer können naturalisirt werden." Bekanntlich ist die Mehrzahl der Juden in Bukarest als „fremde Unterthanen" bei den ausländischen Consnln eingeschrieben. Diese können also niemals Rumänen werden. Nach der Sachlage werden sie auch wenig Verlangen danach haben, da ihnen der fremde Schutz mehr Sicherheit als der einheimische gewährt. Vor Kurzem weilte Cremieux einige Tage hier auf seiner Reise von Constantinopel, wohin er einer Rechtssache wegen berufen worden. Die „Wiener Presse" stellt nun Lei Mittheilung obiger Artikel höhnische Betrachtungen über-die Erfolglosigkeit dieser Reise an. Jassy, 9. Juli. Nachstehende Proklamation wird eben an allen Straßenecken affichirt: „Bürger Jassys. Seit einigen Tagen verbreiten sich fortwährend beunruhigende Gerüchte gegen die Israeliten. Mehrere Fälle brutaler Mißhandlungen, auf offener Straße gegen Israeliten begangen, wurden zur Anzeige gebracht. : Heutzutage, wo ganz Europa auf uns blickt und wir darchun müssen, daß wir eine civilisirte Nation sind, wäre es sehr traurig, wenn in unserer Mitte barbarische und inhumane Verfolgungen einreißen sollten. Von Ihrer Intelligenz und Ihren guten Gefühlen ist es zu erwarten, daß Sie auf derartige' Verfolgungen gegen friedliche Einwohner mit all jener Verachtung herabsehen, die sie verdienen, und daß die Aufrührer in Ihnen keine Stützen zur Vollendung ihres verbrecherischen Vorhabens finden werden,' das ihnen eingeflößt worden zu sein scheint. -^r Ich fühle mich daher verpflichtet, bekanntzugeben, daß die Regierung' entschlossen ist, nicht zu dulden, daß die friedliche Existenz von Einwohnern dieser Stadt durch scandalöse Scenen gestört werde, gleich denen, die zur Kenntniß gebracht wurden und die der ganzen Nation nur den Haß der civilisirten Völker zuziehen könnten. Ich habe demnach alle Maßregeln ergriffen, um solche Vorgänge mit der größten Strenge zu unterdrücken, und wer immer den kleinsten Versuch zu Unordnungen machen sollte, wird unverzüglich arretirt und vor Gericht gestellt werden. Gef.: Der Präfect des Districts Jassy, D. G. Rosetti." Ich füge nur noch hinzu, daß bis zur Stunde nicht die geringste Ruhestörung vorgekommen ist. Australien. Krotoschin 18. Juli. (Privatmitth.) Ein mir von Australien aus brieflich mitgetheiltes Ereigniß verdient, so unglaublich und abentheuerlich es auch klingt, eine Veröffentlichung in ihrem geschätzten und stark verbreiteten Blatte. Bekanntlich leben die Eingebornen, Maoris genannt, die ebenso muthig und tapfer, wie schaudererregend grausam gegen ihre Feinde sind, mtt den Engländern in Neu-Seeland in fortwährendem Kriege. Im Monat April d. I. (das bestimmte Datum ist - nicht angegeben) wurde nach einem Kampfe ein Theil einer Compagnie Engländer gefangen und von den Maoris in's Innere geführt. Die unglücklichen Gefangenen, ergeben in ihr trauriges Geschick, wurden dann gänzlich entkleidet und nach und nach fast lebendig gespießt. Als die Reihe an den Hauptmann der Compagnie kam, wurden die Maoris, die an seinem Körper das Zeichen des Bundes gewahrten, stutzig, hielten in ihrem abscheulichen Thun inne und ließen ihn nach kurzer Berathung am Leben und frei. Der Hauptmann, vom überstandenen Schrecken fast gelähmt, konnte vorerst von der erhaltenen Freiheit keinen Gebrauch machen, er blieb daher noch zu seiner Erholung acht Tage bei den Maoris, die ihm während dieser Zeit alles möglich Gute erwiesen haben. Dieser Hauptmann, allerdings Jude, befindet sich jetzt in Melbourne; er theilte