Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1866)
- Date
- 1866-07-31
- Page
- Seite 491 (sequence 9)
- Language
- German
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491 gationsrath der italienischen Gesandtschaft zu Paris und in dieser wichtigen Stellung an allen Verhandlungen zwischen Italien und Frankreich Letheiligt. Auch in der jüngsten Waffensüllstands - und Friedensfrage wurde er zu persönlichen Mittheilungen von Paris zum Könige Victor Emanuel gesandt. Soeben ist er zum Range eines Minister-Residenten erhoben worden, kehrt jedoch, bevor ihm sein neuer Wirkungsplatz angewiesen wird, noch einmal nach Paris zurück. Großbritannien. . London, 20. Juli. Oeffentliche Blätter berichten, daß, da der Lordmayor Phillips sich in allen Schichten so überaus beliebt gemacht, hat, die Absicht vorwaltet, ihn abermals in dieses Amt zu wählen. Frankreich. Paris, im Juni (Pr. Mtth.) Der in Paris lebende Mathematiker und Astronom Moritz Löwy aus Wien, früher Beamter der dortigen Sternwarte, wurde vom Kaiser Napoleon zum ordentlichen Professor an der Pariser Universität ernannt. (Es sind also gegenwärtig sechs Professoren jüdischen Glaubens an der Pariser Universität angestellt.) Donaufürstenthümer. Bonn, 20. Juli. (Privatmitth.) Wir haben in vor. Nummer die ausführlichen Berichte über den traurigen Vorgang in Bukarest mitgecheilt, und glauben sie nicht ohne einige weitere Bemerkungen lassen zu können. Der Vorfall verdient die allgemeine Aufmerksamkeit. Ein Volk, das sich zu den civilisirten Europas rechnen will, ein Prinz aus einem mächtigen europäischen Regentenhause, eine Regierung, welche die Gleichberechtigung aller' Confessionen in dem Verfassungsentwurfe beantragt, eine Volksvertretung, die sich für Annahme derselben ausspricht — und in diesem Momente ein Pöbelauflauf in der Hauptstadt, der Alle mißhandelt, die für die Gewissensfreiheit günstig gesinnt find und das allgemeine Menschenrecht anerkennen, die Minister zwingt, sich aus den Fenstern zu flüchten und sich auf eine im Bau eben vollendete Synagoge stürzt, und sie in eine Ruine verwandelt — das ist ein Schauspiel, das unsere Augen für mehr als eine flüchtige Betrachtung auf sich zieht. Die Regierung zieht ihren Antrag zurück, die Volksvertretung verzichtet auf ihr Votum, der Fürst macht sein Herrscherrecht nicht geltend, die Rädelsführer und ihr Anhang bleiben ungestraft, die Ruine ein Trümmerhaufen, und die Juden müssen sich zu fremden Consuln flüchten. Hier ist Alles compromittirt: Recht und Gesetze, Volksvertretung, Regierung und Fürst, die türkische Obergewalt und die fremden Schutzmächte, unter deren oberster Regie sich dieser regeneriren soll. Es ist die reine Herrschaft des Pöbels der Hauptstadt, vor welcher alle Autoritäten, alle behördliche und Staatsgewalt im Staube liegen. Es frägt sich, ob ein solcher Zustand in der europäischen Gesellschaft geduldet werden kann, ob man ihm allseitig ruhig zusehen will. Denn es versteht sich, daß dieser einzelne Vorgang nur ein Symptom ist; heute sind es die Juden, morgen ist es jede andere Triebfeder, die im gleichen Unfuge zu verderblichen Zwecken dieselben Mittel spielen lassen wird. Die Ohnmacht, welche das Gesetz und seine Organe hierin kundgethan, wird sich auch in allen anderen Partien des Staatslebens erweisen. Wird man also eine solche widerwärtige Zersetzung und Verwesung noch weiterhin dulden? In der That kann nicht blos das Humanitätsinteresse für eine kleine unterdrückte und verfolgte Menschenzahl hierbei in Anspruch kommen, vielmehr das Interesse der ganzen europäischen Gesellschaft, die an solchen Zuständen betheiligt ist. Wenn wir Juden nach diesem Vorfall die Hülfe der Schutzmächte auftusen, so geschieht es daher nicht blos in der Theilnahme für unsere Glaubensgenossen, in der Entrüstung über die Schmach, die man einem unserer Gotteshäuser zugefügt, sondern wir sind nur die Werkzeuge für ein noch allgemeineres Erforderniß, daß Recht und Gesetz, Fürst, Regierung und Volksvertretung in einem europäischen Staate respektirt und vor den Fäusten pöbelhaften Gesindels geschützt werden müssen, daß man ein Volk nicht der Auflösung und Verwesung durch immer mehr überhandnehwende Anarchie und der ungezügelten Herrschaft der rohesten Leidenschaften überlassen darf. Mögen diese Zeilen von Allen berücksichtigt werden, welche den leitenden Personen der europäischen Staatsgewalten nahe stehen. Die Verhältnisse im deutschen Vaterlande sind im Augenblicke derart, daß gegenwärtig von unserer Seite nach dieser Richtung hin Nichts geschehen kann. 31