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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-31 · Heft 31 (31.7.1866) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 31 (31.7.1866)
Date
1866-07-31
Page
Seite 489 (sequence 7)
Language
German
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489 btt öctcfyt itxrt gcftcttt Abends bott Baden ^ttr^ttQC' bracht worden. Unter denen, die dem Verstorbenen die letzte Ehre erwiesen, befanden sich der Bürgermeister und der Polizei-Director von Wien, die Direktoren sämmtlicher hier ihre Direktion habenden Eisenbahnen und Geld-Institute, mehrere Mitglieder des Gemeinderathes, der israelitischen Gemeinde-Repräsentanz und sämmtliche hier stationirte Beamten der Nordbahn, mit Ausnahme derer, welche der Dienst auf dem Nordbahnhof zurückhielt. Auf dem Nordbahnhofe wehten heute zwei mächtige schwarze Fahnen, und die Flaggen mit den Farben der Nordbahn waren nur bis zur halben Höhe der Flaggenstöcke gehißt. — Zu den Curiositäten, die -in Wien trotz der schwierigen Zeitverhältnisse von sich reden machen, gehörendie Predigten des bekannten Paters Klinkowström. Er verkündet von seiner Kanzel, daß das Waffenunglück Oesterreichs — ein entsetzliches Spiel des Teufels sei. Durch schlechte Bücher, ketzerische Zeitungen, unästhetische Theaterstücke, durch die freche, herausfordernde Tracht der Frauen und dergleichen sei der Zorn Gottes herabbeschworen worden. Unter den schlechten Büchern versteht der Pater alle Werke der Dichter, Denker und Naturforscher. Schade nur, daß die siegreichen Preußen nicht minder diesen Teufelsdienst trieben, ja noch mehr, wie der Verdacht flüstert, und man daher zu der Frage gelangt: warum sich ob dieses Frevels der „Zorn Gottes^ nur auf Oesterreich ergießt? Vielleicht antwortet der fromme Pater: weil die Preußen schon ganz dem Teufel verfallen sind, die Oesterreicher aber noch zu bessern sind. Doch Scherz bei Seite: es ist doch traurig, wenn so große Nationalereignisse vor dem Volke noch in solcher Weise erörtert werden können.' — Noch viel trauriger ist aber, was wir einem Privatschreiben aus Prag entnehmen. Wie dort zuvor die größte Furcht vor dem Einmarsch der Preußen herrschte so hegt man gegenwärtig eine solche vor ihrem Abmarsche. Der czechische Pöbel nämlich giebt offenkundige Zeichen, daß er gewillt ist, sobald -die Preußen die Stadt wieder verlassen haben werden, ohne daß von österreichischer Seite eine starke Polizeigewalt oder Sicherheitsbehörde eingesetzt sein werde, in der Zwischenzeit über die Juden herzufallen, sie zu plündern und zu mißhandeln. Viele der letzteren haben deshalb bereits die Stadt verlassen, noch mehrere ihre wesentlichsten Vermögensgegenstände aus der Stadt in Sicherheit gebracht, da so schon aller größere Handelsverkehr aufgehört hat. 3Nan kann stch denken, welche gedruckte Stimmung hier herrscht, wenn sich zu den furchtbaren politischen Wirren noch die Furcht für Leben und Sigenthum gesellt. Rußland. St. Petersburg. 5. Juli. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, einige Worte der Erinnerung an einen Mann hier zu »sprechen, durch dessen frühen Heimgang die russischen Glaubensgenossen einen großen Verlust erlitten haben, da er unserer Jugend ein leuchendes Vorbild, dessen sie gerade außerordentlich bedarf, gewesen, namentlich wie wissenschaftliche Bildung mit Begeisterung für Religion und Glaubensgenossenfchast vereinbar sei, und, hätte die göttliche Vorsehung chm ein längeres Leben beschieden, er sicher noch sehr Vieles für uns gewirkt hätte! Dies gilt im ganzen Umfange des Wortes von dem leider am 22. Februar d. I. verstorbenen vr. mvö. Paul Boß. — Er war der Sohn des allgemein geachteten Kaufmanns Jsraelsohn in Mitau, woselbst er das Gymnasium und hierauf die Universität in Dorpat als studiosus medicinae absolvirt hatte. — Nachdem er später einige Zeit hier in St. Petersburg praktizirte, ging er nach Paris, von da nach Würzburg, wo er 'eingeführt in das rühmlichst bekannte Haus des Joel Jacob von Hirsch mit dessen Tochter der Baronesse Jda am 15. Juni v. I. sich vermählte. — In den wonnigsten Gefühlen des vom Himmel erbetenen Glückes und der Freude, sich nunmehr auf immer einander anzugehören, brachte die liebende Gattin gern das Opfer, Alles was ihr sonst lieb und theuer, zu verlassen und dem Erwählten ihres Herzens in die weite Ferne nach dem Orte seiner Bestimmung zu folgen. — Nach zurückgelegter beschwerlicher Reise trat derselbe im Monate September seine ärztliche Praxis auf dem Gute des rühmlichst bekannten Herrn Joseph Günzburg hieselbst im Kiewschen Gouvernement am — Nun dachten die beiden Glücklichen in den Hafen der Ruhe eingelaufen zu sein und den Segen häuslicher Glückseligkeit ungestört genießen zu können. Aber die Vorsehung hatte es anders beschlossen. Am 11. Februar von einem Nervenfieber befallen, starb der junge Ehemann am 22. desselben Monats im 37. Jahre seines Lebens. Wer diesen biedern, edelgesinnten, von Wahrheit

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