Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 31 (31.7.1866)
- Date
- 1866-07-31
- Page
- Seite 488 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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edlem Eifer für die Anstalt wirkende Dirigent derselben, der Herr Rittergutsbesitzer Löb, zu diesem Ende eingefunden. Objecte der Prüfung waren: Religionslehre, biblische und nachbiblische Geschichte des israelitischen Volkes, Geographie des heiligen Landes-, Bibel- Exegese, Mischnah und hebräische Grammatik. Das Resultat war im Ganzen ein sehr erfreuliches. Bei Anforderungen, die sich gebührend auf das Wesentliche des Lehrstoffes beschränken, mußte man die Überzeugung gewinnen, daß die einschlägigen Kenntnisse der meisten Examinanden sehr befriedigend, und die der übrigen genügend waren. Zeigt nun außerdem die Erfahrung, daß die Zöglinge des Vereins durchgängig mit .einem lebendigen Streben nach Fortbildung die Anstalt verlassen, was als ein natürlicher Reflex der Berufsfreudigkeit und Gewissenhaftigkeit der Seminarlehrer anzusehen ist, so wird man gern zugestehn, daß diese ihre schwierige Aufgabe aufs würdigste lösen. Das Mögliche wird unter den obwaltenden Verhältnissen geleistet: größere und intensivere Erfolge würden noch erzielt werden, wenn die Mittel vorhanden wären, in hinreichenden Exemplaren lexicalische und andere das Studium des Hebräischen fördernde Werke anzuschaffen und solche den Zöglingen zur Präparaüon und Benutzung zu übergeben. Sehr erfreulich war mir die Mittheilung, daß vor Kurzem die lang ersehnte Genehmigung der Statuten des Vereins erfolgt ist. Hierdurch hat derselbe Korporationsrechte erlangt, und darf also die Zukunft der Anstalt als eine gesicherte betrachtet werden. Es sollen nun bald durch Veröffentlichung der betreffenden Statuten und durch schriftliche Aufforderungen die resp. Synagogen-Gemeinden zur Wahl von Repräsentanten veranlaßt werden; aus diesen beruft der Dirigent des Vereins vier Mitglieder in das Curatorium, von denen nach drei Jahren die Hälfte ausscheidet und durch Neuwahlen ergänzt wird. Durch diese Einrichtung wird voraussichtlich die Theilnahme für die Anstalt rege erhalten und eine kräftige Unterstützung ihr in Zukunft nie fehlen. Erst dann aber auch wird möglich sein, manche Anordnung zu treffen, durch welche die Wirksamkeit des Vereins noch erhöht würde. — Bemerkenswerth und zum aufmunternden Beispiele dürfte schließlich die Notiz sein, daß unlängst ein christlicher Kaufmann aus Viersen durch letztwillige Verfügung dem Vereine, ein Legat von 50 Thalern überwiesen hat. . H. L e es er. Die Mittheilung, daß endlich die Statuten bestätigt zurückgelangt find, ist sehr erfreulich. Wird man doch nun endlich den Inhalt derselben kennen lernen. Unsre Leser werden sich erinnern,' daß wir im vorigen Jahre, nachdem wir der Prüfung beigewohnt, wegen der zu erwartenden Statuten unser Urtheil nur mit großer Zurückhaltung abgaben. Diese ist nun nicht mehr nöthig, nnd es müssen die großen Uebelstände und Mängel der Anstalt in ernstliche Bettachtung und Erörterung gezogen werden. Die Redaktion. Oesterreichischer Kaiserstaat. Bonn, 18. Juli. (Privatmitth.) Bei dem großen Sturme, der gegenwärtig über den österreichischen Kaiserstaat dahinbraust, ist es selbstverständlich, daß dort alle anderen Interessen in den Hintergrund tteten, und daher fast gar keine direkten Mittheilungen von dort über Gegenstände, welche in das Gebiet dieser Zeitung gehören, zu uns gelangen. Auch unsere Gedanken weilen oft genug bei den vielen Freunden und Correspondenten, die wir in den ausgedehnten Ländern des Kaiserreichs besitzen, und wft genug drängt sich uns die besorgte Frage auf, wenn wir die Kriegsberichte lesen, wie mag es Diesem oder Jenem ergangen sein? Hoffen wir, daß der Friede bald wieder seine Segnungen auch über die hart mitgenommenen Länder breiten werde und sich dann das Geschick der Einzelnen nicht so gefährdet zeigt, wie das besorgte Gemüth es sich vorgestellt hat. Wir bringen daher heute nur folgende Notizen, die freilich nicht erfreulicher Art sind. An jenem Orte in Böhmen, von welchem jüngst die berüchtigten Judenmißbandlungen ausgingen, von Horowitz, meldet die „Presse", daß die dortigen Nagelschmiede bei. der Entblößung der Gegend von allen Sicherheitsbeamten sich abermals gegen die Juden zusammenzurotten drohen. (Wir hoffen, daß die preußische Militairpolizei diesem Treiben ein baldiges Ende machen werde.) — Die Wiener israelitische Kultusgemeinde hat eines ihrer einflußreichsten und wohlthätigsten Vorstandsmitglieder durch den Tod verloren. Die „Presse" schreibt: Das Leichenbegängniß des Nordbahndirectors Herrn Ritter v. Sichrowskh fand heute Vormittags 10 Uhr unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung auf dem israelitischen Friedhofe statt. Prediger Dr, Jellinek hielt die Trauerrede; Sulzer leitete die Trauerchöre;