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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-31 · Heft 31 (31.7.1866) · p. Seite 487

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 31 (31.7.1866)
Date
1866-07-31
Page
Seite 487 (sequence 5)
Language
German
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sein Reich und seine Herrschaft. Bei dem Worte Pitp hat der Dichter an die Psalmstellen 95, 3. 145, 10 rc. gedachtund das sinnlose trvnrv ist bloß durch Verwechselung des „Daleth" mit Resch, die im Hebräischen ganz ähnlich sind, entstanden. Ebenso suchte man ^2£i5 bsi in bsb zu emendiren, was aber ganz unuöthig ist, da es ursprünglich gelautet hat: '-oi rnv ^£13 bsi. Es ist merkwürdig, wie sich dieser Fehler in alle Gebetbücher, sowohl deutschen als spanischen Ritus eingeschlichen hat, und es freut uns, daß wir zuerst Veranlassung gefunden, auf diese Emendation, sowie auch auf die geistreiche Travestie des Jigdal, anfangeud: nanö’n n« o^ttb« Vim, die von einem und demselben Dichter herrühren mag, die allgemeine Aufmerksamkeit zu lenken. Jedenfalls wäre es zu wünschen, wenn man das Manuscript der Michael'schen Bibliothek in London vergleichen möchte, da es uns unbegreiflich ist, wenn die Stelle nicht interpolirt ist, wie Don David Nassi, der y"p''“ä1435 das Werk geschrieben haben soll, den polnischen Reformator Simon Budny, der 100 Jahre später lebte, und ebenso Chisuk Amuna citiren konnte. Eingehendere Studien werden erst darüber genauere Aufklärung bringen, und schon daraus läßt sich erwägen, von welchem unberechenbaren Nutzen die Herausgabe von Manuscripten ist, und wie viel Segen Herr Günzburg, und welche warme Unterstützung die Herren I. Brill und S. Sachs für deren Bemühungen und Leistungen wahrhaft verdienen. Wir können den Bericht nicht schließen, ohne bei dieser Gelegenheit einer trefflichen Liebesgabe zu gedenken, die Herr Gabriel Polak in Amsterdam den Freunden der Wiffenschaft des Judenthums spendete, nämlich *122 hsn» nbi'n .T531DN ans« tamn?:b 81272. Separatabdruck, und vermehrt und verbessert, aus dessen Machsor-Ausgabe nebst Uebersetzung ins Holländische. Diese Einleitung reiht sich würdig den Vorarbeiten von Heidenheim und Luzzatto 1721*1 -rnrrab 81272, an und enthält in gedrängter Kürze eine Geschichte des jüdischen Gebetbuches, dessen Entwickelung, Ausbreitung und Uebersetzung. Herr Polak, ein unermüdlicher Arbeiter im Weinberge des Herrn, hat mit vieler Sachkenntniß, mit ausgebreiteter Belesenheit und Gelehrsamkeit aus 16 Seiten eine Masse Material lichtvoll verarbeitet und behandelt, und eine wahrhaft dankenswerthe Arbeit mit seiner kleinen Broschüre geliefert. Gleichzeitig ist auch der älteste Sidur des R. Amram Gaon (Bl. 870) 0^72? S no von R. Nathan Koronel nach einem Manuscripte des Rabbiners in Hebron in Warschau 1865 aufgelegt worden, wovon bloß ein Manuscript im Besitze Luzzatos bekannt war, und selbst das Manuscript des Gebetbuches des Saadias.Gaon ist von Herrn Steinschneider aufgefunden worden. Herr Polak hat, nebenbei-bemerkt, vergessen das Rechtsgutachten des R. Salomon ben Adereth Nr. 7 anzuführen, wo noch ein altes Gebetbuch: viv82 ba p« mbenin b? ii2riw 1-.222 b"i d^ös i:'2-> T72bn erwähnt wird, das vielleicht auch einmal zum Vorschein kommen wird, da unsere Zeit hierin vieles geleistet hat. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 20. Juli. Folgender Vorgang dient wohl zu mehrseitiger Charakterisirung. Alle öffentlichen Blätter berichteten, daß, wenn wir nicht irren, bei einem Angriff auf Oswiecim die Preußen zurückgedrängt wurden, und auf einem Verbandplätze, wo der preußische Arzt, Namens Dr. Friedländer, mit dem Verbinden österreichischer Verwundeten beschäftigt war, diesen zurückließen, ausdrücklich mit der Absicht, daß er sein menschenfreundliches Werk zuvor an den verwundeten Feinden vollende und in der Voraussetzung, daß deshalb die Oesterreicher ihn nach Beendigung des Verbandes frei zu seiner Truppe zurückkehren lassen würden. Dies geschah nun nicht, sondern die nachrückenden Oesterreicher erklärten den Dr. Friedländer für kriegsgefangen. Vor Kurzem wurde nun, wie andere Blätter berichten, ein österreichischer Offizier, ein Graf Lippe, gefangen und nach Posen gebracht. Seine Auslösung wurde beantragt und dahin beantwortet, daß er für den Dr. Friedländer ausgewechselt werden solle. Da trat Graf Lippe zurück, indem er sagte: Für einen Juden wolle er nicht ausgewechselt werden — worauf der Commandant ihn einfach wieder in die Casematten zurückschickte. Lübbecke, 22. Juli (Privatmitlh.). Den 4. d. M. fand die Prüfung von sechs abgehenden Zöglingen des jüdischen Lehrerseminars zu Münster in den hebräischen Lehrfächern Statt, und wurde dieselbe von den Lehrern der Anstalt unter Mitwirkung des Unterzeichneten,, der als Assistent hinzugezogen war, abgehalten. Auch hatte sich der mit Opferwilligkeit und

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