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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-31 · Heft 31 (31.7.1866) · p. Seite 485

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 31 (31.7.1866)
Date
1866-07-31
Page
Seite 485 (sequence 3)
Language
German
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Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, 2. Juli. iDie jüd. Literatur in Paris, von Rabb. D. Oppenheim.) — Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß auch in dem modernen Babylon, dem gefeierten Lande der Moden und des Luxus, die jüdische Literatur in neuerer Zeit eine kleine Zufluchtsstätte gefunden hat. Selbst in Paris sucht sich die Arme und Verlassene einzubürgern, indem sie vielleicht hofft, bei der Theilung der Erde, die daselbst „Zeus von seinen Höhen den Menschen" verkündet, nicht ganz zu spät zu kommen. Wohl sind es meist deutsche und polnische Gelehrte, die in die Weltstadt eingewandert, welche sich in Frankreich der Pflege der jüdischen Wissenschaft widmen; aber die Franzosen haben dennoch das Verdienst, daß sie diesen meist armen, in ihrem eigenen Baterlande stiefmütterlich behandelten Literaten, ein freundliches, ungestörtes Asyl boten und dadurch vieles zur geistigen Entwickelung und folgenreichen Thätigkeit dieser Männer beitrugen. Munk, Kohn, Frank, Oppert, Derenburg, Sachs, Goldberg, Neubauer u.drgl. hätten in ihrer Heimath kaum eine solche ehrenvolle Stellung im Leben erlangen können. Vorzüglich muß die Liberalität der ftanzösischen Theologen — und deren Zahl mag noch so klein sein — rühmend hervorgehoben werden, die fern von allen engherzigen Vorurtheilen, zur Förderung der Wissenschaften ihren israelit. Collegen freundlich die Hand zu reichen oder gemeinsam bei Herausgabe wichtiger Werke sich zu betheiligen pflegen. Ich will hier nicht erst erinnern an die Lociets nationale ponr une traduction nouvelle des livres saints en langue fran§aise, die man wohl in Deutschland für einen französischen Humbug hält, da daselbst ohne Loelsts nationale und ohne an die Arbeiten von Herxheimer, Philippson, Salomon und Z unz zu gedenken,mehre treffliche auf wissenschaftlich er Basis beruhende Bibelübersetzungen z. B. von de Wette und Bunsen erschienen sind, weil man erst überhaupt deren Erfolge abwarten muß. Jedenfalls ist der Gedanke, die Repräsentanten der drei Culte zu einem wissenschaftlichen Unternehmen zu vereinigen um eine neue Septuaginta herzustellen, geistvoll. Bereits vor Jahren hat der Abbs I. L. Barges, Professor der Hebr. Sprache an der Sorbonne, in Verbindung mit Berl Goldberg das „Sendschreiben des R. Jehuda b. Koreisch an die Gemeinde in Fez" herausgegeben, und so eben hat das im Mittelalter häufig zitirte und für verlören geglaubte massoretische ^do,. das die Sage dem Hohenpriester Eli zugeschrieben, edirt von - Barges und Senior Sachs, die Presse verlassen. Freilich ist dies in Deutschland auch nicht selten — und wir verdanken dieser Collegialität der Gelehrten verschiedener Religionen mehrere bedeutende Werke, z. B. „Ez Chajim, System der Religionsphilosophie des Ahron B. Elia", herausgegeben von F. Delitzsch und M. Steinschneider, Leipzig 1841; die „Beiträge rc." von H. Ewald und L. Dukes, und endlich das verunglückte Unternehmen jüngsten Datums, nämlich die neue Edition des Lexicon cliald. Talmudicum etc., veranstaltet von Dr. Fischer, theologo Hebraeo, und Dr. Gelbe, tlieologo christiano, wie es aus dem Titelblatt heißt. — Hoffentlich wird sich dieser Geist echter, wahrer Toleranz, der doch auf dem Gebiete der Wissenschaft und Literatur vor Allem Platz greifen muß, auch überall hin verbreiten und dadurch gleichfalls der jüdischen Literatur bei allen Hochschulen und Akademien als eine ebenbürtige Disciplin Eingang verschaffen. Vor einigen Jahren machte Herr I. Brill in Jerusalem den Versuch, eine hebr. Zeitschrift „Libanon" in Jerusalem herauszugeben, die aber traurig genug, auf dem heiligen Boden nicht recht gedeihen konnte. Herr Brill war daher gezwungen mit seinem „Libanon", der für die Juden im Orient hauptsächlich berechnet ist, nach P ar is überzusiedeln, und das Unternehmen ist dort zum Theil . geborgen. Es liegen uns einige Nummern dieser elegant ausgestatteten Zeitschrift vor, die treffliche Aufsätze, welche wir mit großein Interesse gelesen, enthalten. Herr I. Brill hat nun kürzlich eine größere reinliterarische Beilage zu dem „Libanon" unter dem Titel „Jen Libanon", die auch um 3 Fran cs separat zu beziehen) angekündigt, und welche hauptsächlich Collectaneen und Inedita der Pariser Hofbibliothek bringen und aufnehmen soll. Das 1. Heft des „len Libanon", 3 Manuscrits inedits. Paris, J. Brill, Rddaction du Libanon. 12, me des Gravilliers. 1866. Prix 1 fr. liegt uns bereits vor und enthält den Commentar des Mainmnr zum Trakt. Rösch Haschana, w«-> b? □'W'-in un-rs; Rechtfertigung Adam's, Ena mst von R. David di Roca martico, polemischen Inhalts, gegen die christliche Auffassung der Erbsünde und die christl. Auslegung : der betreffenden Bibelstellen in der Schöpfungsgeschichte, und endlich D-sniwnz, ->do von R. Josef Sabara, einem- Zeitgenossen des R. Salomon ben Adereth, ein unterhaltendes, belletristisches Schristchen in der damals beliebten Divanmanier, wo eine Menge Fabeln des Bidpai 31*

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