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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-24 · Heft 30 (24.7.1866) · p. Seite 476

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 30 (24.7.1866)
Date
1866-07-24
Page
Seite 476 (sequence 10)
Language
German
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476 nicht verübeln, daß er ganz besonders nur die beiden großen Kirchen hervorhebt. Nach einer gewissen Seite gereicht dies dem Judenthume sogar zur Ehre. Es .braucht nicht hervorgehoben zu werden, daß die Synagoge-stets und überall -den Frieden mit den sie umgebenden Kirchen bewahrt, selbst wo diese nicht so überaus friedlich und duldsam gegen die Synagoge verfahren. Es ist dies eine geschichtliche Thatsache und braucht deshalb nicht erwähnt zu werden. Donaufürstenthümer. Bukarest, 4. Juli. (Privatmitth.) Es ist ein trauriger Vorfall, den ich Ihnen heute mitzutheilen habe — traurig, weil er uns Israeliten einen schweren niederschlagenden Verlust zugefügt, das Volk aber, in dessen Mitte wir leben, vor den Augen der civilisirten Welt auf's Schmählichste compromittirt hat. Ich berichte den Vorgang in einfachster Weise. Am 30. Juni wurde in der hiesigen Abgeordnetenkammer über die Emancipation der Juden verhandelt. Die Verhandlung war sehr heftig, aber endlich votirte die Majorität für die Gleichberechtigung. Alsbald wurde von einem schon seit längerer Zeit eingefädelten Complot, bestehend aus lauter wallachischen Kaufleuten, welche hier zugleich die Nationalgarde bilden, ein Signal gegeben, alle Juden niederzumetzeln. Bekanntlich ist aber der Wallache ein feiger kriechender Mensch und aus Furcht vor Widerstand und den Folgen, die auf ihre Häupter zurückfallen würden, ließen sie ihre Wuth an dem seit zwei Jahren mit außerordentlichen Opfern erbauten, in diesen Tagen der Vollendung -nahe gebrachten Tempel aus. Es war ein ausgezeichnetes Bauwerk, das nach dem Urtheile der Reisenden, die es gesehen, für einen der herrlichsten Tempel gehalten wurde. Am 30. Juni, dem nnni iw n-nw, wurde er gänzlich zerstört; der Anblick ist herzzerreißend, -unbeschreiblich die Bestürzung der hiesigen Gemeinde, die jeden Tag, jede Stunde zählte, bis das von ihr mit so großen Opfern vollbrachte Werk fertig wäre. Am nnm sollte die Einweihung stattfinden, aber der Allmächtige hatte es anders beschlossen und es liegt jetzt in Trümmern, bevor noch Sein heiliger Name darin genannt worden. So gehen die Wallachen mit Gotteshäusern um! Dies ist der Kern der großen Redensarten, die sie -täglich in die Welt schicken; dies ist das Zeugniß dev Gesittung nNd Civilisätion, die unter ihnen heimisch geworden! Möge Gott es verhüten, daß sie, was sie an den Steinen verübt, auch noch an den Menschen vollbringen wollen. Herz und Sinn haben sie dazu, nur an Muth und Kraft fehlt es ihnen. Dabei ist zu beachten, daß die eigentlichen Urheber des Frevels nicht im Pöbel, sondern in dem sg. gebildeten Stande, im Kaufmannsstande zu suchen. Uns fällt bei diesem Berichte, der doch vier Tage nach der Unthat von Bukarest abgegangen, auf, daß der Regierung mit keinem Worte gedacht worden, weder daß sie die Zerstörung zu verhindern, noch die Thäter und Anstifter zu bestrafen und zum Ersatz heranzuziehen Miene gemacht hat. Wir sollten doch denken, daß der Prinz, der jetzt das Heft der Regierung in den Donausürstenthümern in die Hand genommen, den Anfang seines Regiments nicht durch solche mittelalterliche Greuel bezeichnen lassen dürfte. (Die Redaktion der A. Z. d. I.) Bukarest, 1. Juli. Die obige Mitth. unseres Berichterstatters giebt den traurigen Vorgang einfach und ohne alle Ausschmückung. Dagegen bringt die Wiener „General-Correspondenz" einen ausführlichen Artikel, dessen Einzelheiten wir nicht verbürgen können, doch aber der Vollständigkeit wegen hier wiedergeben müssen. In den Donausürstenthümern nimmt die Gesetzlosigkeit und Anarchie täglich nach riesigem Maßstabe zu. Der gestrige Tag lieferte den Beweis, daß in der Hauptstadt des Landes die Sicherheit des Lebens und des Eigenthums vollkommen aufgehört hat und daß die Regierung des Prinzen Hohenzollern durchaus ohnmächtig ist, der Willkür des fanatisirten Pöbels irgend welche Schranken zu setzen. Schon seit mehreren Wochen werden eine Menge von Brandschriften gegen die Fremden und gegen die Juden vertheilt, ja die „Trompetta Carpatzilor" fordert offen in ihren Artikeln zur Judenhetze und zum Judenmord auf, während die Regierung dieses wüste und cannibalische Treiben nicht hindert. Der Finanzminister Bratiano entblödete sich nicht, von der Tribüne in der Kammer die Israeliten mit den Ausdrücken „verfluchte Juden" und „elende Parias" zu bezeichnen und man kann sich daher auch nicht wundern, daß der Pöbel von Bukarest, getrieben von Beutelust und der Hoffnung, sich von den Schuldforderungen der Israeliten auf eirw bequeme Manier

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