Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1866)
- Date
- 1866-07-24
- Page
- Seite 475 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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475 S. M. Emanuel, israelit. Glaubens. — Im Jüngsten Hefte der Arch. isr. wird aus dem Deficit, welches das „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" seit einigen Jahren gehabt, den deutschen Israeliten ein Vorwurf gemacht, daß sie dieses wichtige Institut nicht genügend unterstützten. Es ist dies ein Jrrthum. Nicht aus Mangel an Theilnahme entspringen diese Deficits, sondern aus den über die jährlichen Mittel hinausgehenden Leistungen des Instituts, und dies hat wiederum seine Ursache darin, daß der Umfang der Manuscripte nicht immer im Voraus berechnet werden kann und er sich schließlich größer darstellt als angenommen war; andrerseits weil die Kosten des Druckes und des Papieres mit jedem Jahre steigen, während der Abonnementspreis derselbe bleibt, das Institut aber möglichst nicht weniger als früher liefern will. Es läßt sich sogar berechnen, daß bei einer bedeutenden Vermehrung der Abonnenten das Deficit noch größer sein würde. Uebrigens hat das Deficit zum letzten Jahre sich um die Hälfte vermindert. Wir ersuchen die Redactton der Arelr. isr.', diese kleine Berichtigung aufzunehmen. — Bonn, 13. Juli. (Privatmitth.) Der „Preußische Staatsanzeiger" vom 12. d. schreibt: „Eines der glänzendsten Zeugnisse dafür, daß Preußen seiner kulturhistorischen Mission im Herzen Europas mit Erfolg nachgekommen ist, erblicken wir jetzt insbesondere auch auf dem kirchlichen Gebiete. Uralter Grundsatz des Staates, der Frecheit des religiösen Bekenntnisses nicht nur, sondern auch dem Walten der großen Kirchengemeinschaften in ihren Rechten und Eigenthümlichkeiten die größte Rücksicht zu tragen und ihnen keine unberechtigten Schranken zu setzen, hat sich sowohl in dem großartigen Entwickelungskampfe Preußens für die nationalen Ziele'Deutschlands, als auch in Beziehung auf die inneren Zustände des Staates treu bewährt. Die Bekenner der verschiedenen Confessionen stehen in seltener Eintracht, in der Vaterlandsliebe wetteifernd, neben einander. Wie die evangelische Geistlichkeit, so haben ganz insbesondere auch die höchsten Würdenträger der katholischen Kirche in Preußen in der segensreichsten Weise eingewirkt und für den religiösen und polittschen Frieden in der gegenwärtigen großen und verhängnißvollen Zeit die sichtlichsten Erfolge erzielt. Nirgend sind die etwa vorhandenen religiösen Grundsätze in den patriotischen Aufschwung störend eingetreten, überall hat sich im preußischen Volke namentlich unter den Bekennern der beiden großen Mrchengemeinschaften, die versöhnlichste Gesinnung, die gegenseitige Achtung des Bekenntnisses geltend gemacht". — Wir sind weit davon entfernt, den Inhalt dieser Auslassung des offiziellen Blattes, deren Zweck und Tendenz zu bekritteln. Wir wissen sehr wohl, daß bei der Geringzähligkeik der jüdischen Bevölkerung in Preußen^— sie zählt V* Mill. auf 20 Mill., bildet also nur den 80. Theil des preußischen Volkes — der Einfluß der Juden in politischer und religiöser Beziehung kein großer sein kann. Demungeachtet halten wir es für unsere Pflicht, jeden Vorzug, welchen relativ irgend eine Religionsgenossenschast, Confession oder Kirche bezüglich des Patriotismus und der thatkräftigen Beweise desselben beanspruchen sollte, nachdrücklich zu bestreiten. Auch die preußischen Bekenner des Judenthums stehen in patriotischer Hingebung Niemanden nach. Auch unsere Söhne zogen nach demselben Gesetze und mit derselben Hingebung und Begeisterung in den Kampf, bluten und sterben auf den Schlachtfeldern. Schon jetzt stehen jüdische Familien genug mit zerrissenem Herzen an den unbekannten Gräbern der Ihrigen, welche auf den Schlachtfeldern zum Tode getroffen mit ihren Kameraden in dieselbe Grube sanken. Nicht minder haben die Juden aller Orten für die dürftigen zurückgelassenen Familien, wie für die Pflege der Verwundeten mit allen ihren Mitbürgern gewetteifert. Gaben der Liebe darzubringen, wie von allen Behörden bezeugt und in allen veröffentlichten Listen gefunden werden wird. Von verschiedenen Orten her haben wir darüber ^besondere Berichte erhalten. Wir glaubten aber, daß deren Veröffentlichung nicht angemessen sei. Das Verhältniß, welches wir Juden gegenwärtig im Staate beanspruchen, läßt es nicht zu, bei solchen Gelegenheiten gesondert aufzutreten, sondern wie wir in allen vaterländischen Beziehungen der Gesammtheit angehören, so müssen wir auch bei den Beweisen patriotischer Wohlthätigkeit nur in der Gesammtheit figuriren. Wir müssen dies um so wehr, als man es sonst wieder einmal als Zudringlichkeit und Anmaßung auslegen würde, wozu man ja stets bereit ist. Andererseits kann man es jetzt auch als anerkannt voraussetzen, daß die Juden in allgemeinen Wohlthättgkeitsangelegenheiten niemals Zurückbleiben; deshalb brauchen wir besondere Beweise hierfür nicht mehr anzuführen. — Wie gesagt, wir wollen es dem „Staatsanzeiger" 30