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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-24 · Heft 30 (24.7.1866) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 30 (24.7.1866)
Date
1866-07-24
Page
Seite 474 (sequence 8)
Language
German
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lich wiedergewählt worden, was bei dem großen Ausfall, den unerwarteter Weise das alte Abgeordnetenhaus an früheren Mitgliedern, und zwar an sehr hervorragenden, erlitten hat, immerhin hervorzuheben ist. — Ihre Nachbarin, die „Kölnische Zeitung", welche sonst doch/sich der Consequenz nicht sehr schuldig macht, zeigt diese in ihrer Gehässigkeit gegen Juden desto folgerichtiger, oder will sie sich hiermit für ihre sonstigen Schwenkungen entschädigen? Jüngst brachtesie eine Correspondenz aus Franffurt a. M. vom 7. Juli über die dort jetzt herrschende Preußenfurcht. Sie sagt darin: „Viele glaubten bereits das Weite suchen zu müssen, namentlich reiche Juden, — allerdings ein Factor der Bevölkerung, der neben den Geschäften in österreichischen Papieren in der Presse und im socialen Verkehre etwas gar zu frivol in exclusivem Preußenhasse gemacht hatte." Solche Behauptungen irgend einer correspondenzlichen Feder klingen gar zu sehr nach gesuchten Verdächtigungen. Wenn eine ganze Bevölkerung sich in maßlosen Aeußerungen, ja in thatsächlichen Beweisen des Preußenhasses ergangen hat, wie die Frankfurter, so ist es perfide, hinterdrein die Juden dafür verantwortlich machen zu wollen. Es ist dies gerade wie bei einer Rotte Straßenjungen, die Unfug getrieben, und wenn sie attrappirt ist, die Schuld auf diesen und jenen in ihrer Reihe schiebt. Glücklicherweise schlägt sich der Correspondent am Schluffe selbst. Es heißt da: „Von den albernen Gerüchten über Verrath Baierns bei den Oesterreichern rc. schweige ich lieber ganz. Dies ist so der Lauf der Welt. Die eigene Schwäche und Sünde gesteht man nie gern ein; es sind immer die Anderen, die es verbrochen haben!" ' Hat nicht das Gewissen des Correspondenten selbst diese Worte in die Feder dictirt? Wenigstens haben wir keine Beweise dagegen, daß er nicht selbst zu den Schwachen und Sündern gehört, welche Anderen zugeschrieben, was sie selbst verbrochen haben. Wer so gut Bescheid weiß, muß Erfahrung an sich selbst gemacht haben. Am folgenden Tage berichtet derselbe Correspondent, daß. sehr viele Senatoren davonlaufen — das sind bekanntlich wohl Reiche — aber keine Juden! — Das Juniheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" bringt eine Lohalitätsadreffe evangelischer Lehrer aus Westfalen an S. M. den König. ' Sicherlich entzieht sich eine solche Adresse jeder Beurtheilung, da sie eben ein freiwilliger Ausdruck der persönlichen Empfindungm und Ansichten ist. Was'aber 474 I darin aüffällt, ist der Schluß, daß ,/dcis Preußische Vaterland mit seinem siegreichen Haupt und Führer zunr Heil und Segen des Reiches unseres hoch erhöhetett Herrn und Christus, um deswillen auch Schlachten geschlagen werden, stark und einig aus dieser schweren Zeit hervorgehe." Dies ist doch eine starke Vermischung der politischen und religiösen Begriffe, und darf als ein Charakteristikum des Pietismus nicht ganz übersehen werden. Aus solcher Wurzel schossen einst die blutigen Kämpfe und grausamen Verfolgungen der englischen Puritaner hervor! — — Im Gegensatz zu der obigen Aeußerung in der „Köln. Zeit." führe'ich eine Mittheilung an, die ich soeben in dem-hiesigen „Fremdenblatt" finde. Es heißt dort aus Hermanmiestez (Böhmen) vom 7. Juli: „Gestern und heute Ueberfluß in . Allem, sogar Wein, gut und billig, denn wir sind die ersten Preußen, welche das freundliche Städtlein begrüßen. Es ist kaum zu glauben, was für einen anheimelnden Eindruck dies Städtchen auf uns machte, indem alle Bewohner daheim, alle Lädengeöffnet waren. Man lacht hier über die Preußenfurcht anderwärts und hat "Recht; die Leute haben alle Läden voll und Posten davor, um das Gedränge zu mindern. Alles wird ihnen bezahlt, während man anderwärts in den verlassenen Orten genöthigt war, Schränke und Keller zu öffnen nnd zu nehmen. Das kommt daher, daß die Stadt viele Juden hat, welche immer intelligenter sind, als der böhmische Kleinstädter." Das klingt doch etwas anders! — Sie gestatten mir, auf die Photographieensammlung aufmerksam zu machen, welche die hiesige Po p P el au er' s ch e Buchhandlung veranstaltet hat. Sie umfaßt an hundert Portraits berühmter nnd bekannter Persönlichkeiten jüdischen Glaubens der früheren und jetzigen Zeit, namentlich Rabbinen. Es finden sich darunter trefflich ausgestattete; andere sind weniger : gelungen. Es thut mir leid, daß Ihre Photographie, Herr Redacteur, zu der letzteren Kategorie gehört. — Bonn, 16. Juli. (Kleine Notizen.) Wie Triersche Blätter mittheilen, ist in Trier, wo die Cholera in sehr starkem Maße gewüthet hat, kein Israelit von dieser furchtbaren Krankheit befallen worden. — Die englischen Blätter heben den außerordentlichen Empfang hervor, welchen die eben vermählten kön. Prinzessin He-i lena"und Prinz Christian in Southampton erfuhren. An der Spitze standen der Mahor und die Mayöreß

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