Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1866)
- Date
- 1866-07-24
- Page
- Seite 473 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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473 Wort aus dem Talmud, so wenig Mischna. wie Gemara! Beiden werden in dem dicken Buch von: 528 Seiten in vier Zeilen.abgethan. - Die Gemara,enthält nach Langen „viele lalso doch nurviele!) dem früheren Judenthume fremde. oder in verzerrter Gestalt weiter entwickelte jüdische Anschauungen, baß sie für obigen Zweck nicht einmal berücksichtigt werden darf" —sehr bequem für die Unwissenheit! Und die Mischna habe keinen dogmatischen Inhalt—-für den natürlich, der ihn nicht zu finden weiß.? Auch die Midraschin brauchen nicht, beachtet zu werden, sie sind, zu jungen Datums!! Es ist doch merkwürdig,. daß. dem umfänglichen Buche gerade die Talmudim und Midraschim gar nichts zu liefern im Stande sind , wohl - aber Bücher wie „die Himmelfahrt Jesaiae", das „Buch der Jubiläen" u.dgl. Wir sind überzeugt, der Herr Langen weiß, wenn auch nicht aus eigener Anschauung, daß die Talmudim und Midraschim sehr viel-enthalten, was noch weit, älter, ist als der Ursprung des Christenthums;—aber es ist doch sehr bequem, sich mit dem nicht abzugeben was man nicht versteht-; daher erklärt man „Vieles" für fremd, verzerrt, das. Andere für, zu jung, -und Alles was so recht in Palästina feinen Ursprung hatte und seine Herrschaft schon vor. und dann zur Zeit des Ursprungs des Christenthums über das Leben des-Judenthums übte, verschwindet in seiner Bedeutung gegen Pseudoschriften, spät aufgefundene- Apokryphen, abgeschmackte Fictionen u. dgl., weil es leicht ist, diese' zu handhaben und ein sehr gründliches Buch darüber zu schreiben. Der erste Blick in das Werk, z. B. was über das Verhältniß des sg. Alten und Neuen Testaments gesagt ist, lehrt schon den oberflächlichen uud seichten Theologen vom Fach kennen, und überhebt uns der Mühe,- die gehaltlosen Resultate des Werkes näher zu beleuchten oder zu bekämpfen. Wo so unrichtige und willkührliche geschichtliche und kritische Ansichten zu Grunde liegen, überläßt , man das Machwerk m zweckmäßigsten sich selbst. — Bonn, 12 Juli. „Der Talmud. Ein Vortrag, gehalten in der „Literarischen Gesellschaft", zu P ots d a m von Dr. Tobias. Cohn, Rabbiner, daselbst (Wien, Herzfeld und Bauer, 1866)".; Es freut uns, unsere Leser auf diese kleine, interessante Schrift aufmerksam machen zu könnnen. Es ist schon schwierig, über einen großen, wissenschaftlichen Gegenstand in dembeschränkten Umfange eines Vortrages zu sprechen,-und es..kommt dem Redner in solchem Versuche nur zur Hülfe, wenndas Thema in allgemeinen Umrissen dem Publikum als bekannt, vorausgesetzt werden kann. Der vorliegende Vor- . trag über den Talmud wurde vor einem christlichen Publikum gehalten, das zwar dem Redner den Vortheil gewährte, wiffenschaftlich gebildete Zuhörer vor sich zu haben, das aber mit dem Gegenstände, vollkommen unbekannt war. Der Verf. hat es aber verstanden, in glücklicher Weise die rechte Mitte zu treffen, und den Hörern, wie nunmehr den Lesern ein verständliches klares Bild vom Talmud zu entwerfen, ohne dabei der Oberflächlichkeit anheimzufallen. In dem vorliegenden Abdruck konnte er dies Letztere noch durch die nöthigen Citate und Anmerkungen unterstützen. Nach einer geistreichen Einlei-? tung, in welcher der Verfasser den Talmud im Allgemeinen charakterisirt, und mit der wir allerdings in verschiedenen' Punkten, wie in der Definition des Talmuds und in den Vergleichungen mit der Antike, nicht übereinstimmen, schildert der Verf. in treffender Art den ganzen Entwi- "ckelungsgang des Talmuds von den Männern der großen Synagoge bis zum Abschluß der beiden' Talmudim in seinen verschiedenen Phasen, indem er den Hauptträger jeder dieser Phasen in seiner eigenthümlichen Richtung, so wie in dem , worin er die talmudische Arbeit zum Fortschritt brachte, charakterisirt. Der Verf. wußte geschickt durch ausgewählte Beispiele die gegebene Zeichnung mit den passenden Farben zu versehen, zeigt aber damit, daß er seines , großen und schwierigen Stoffes wöllig Herr war. Wir begnügen uns mit diesem Referat, indem wir dem Verfasser bald wieder in ähnlichen Arbeiten zu begegnen wünschen. Doch wollen wir nicht übergehen, daß es uns dünkt, der Berf. möge sich einer noch größeren Einfachheit und dadurch Klarheit in der Sprache befleißigen. Das Wort steht ihm. reichlichzu Gebote, Schwung und Bild hat er genügend zur Hand. Gerade darum muß er .sich aber im Gebrauche beschränken, wodurch die verwendeten Mittel an Wirkung gewinnen. " Zeitungsnachrichten. Preußen. , Berlin, 12. Juli. «Privatmitth.) .Die früheren Abgeordneten jüdischer Confession, die Herren Dr. Joch Jacoby, Dr. Kosch, Reichenhetm und Laster sind sämmt--