Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1866)
- Date
- 1866-07-24
- Page
- Seite 472 (sequence 6)
- Language
- German
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472 namentlich die protestantische Welt gegen diesen gewalt-; thätigen Bruch aller natürlichen Rechte sich erhob. Freilich hatten wir Juden auch Fälle aufzuführen, wo nicht minder : protestantische Geistliche unmündige Kinder Bekehrungs; halber ihren Eltern vorenthielten und erst durch polizeiliche - Vorkehrungen davon zurückgehalten werden mußten. Nun, daß die Missionäre in Indien widergesetzlich, nämlich vor erreichtem sechszehnten Lebensjahre, Kinder ihren jammernden-Eltern vorenthalten und durch Entfernung aus der «Gegend und Verheimlichung unauffindbar machen, kann mam in der vorliegenden Schrift nachgewiesen lesen. Es äst dahernicht zu verwundern, daß nach den eigenen Ge- : ständnissen und Mittheilungen der Missionäre diese auch in China, aber besonders an allen den.Plätzen auf's Aeußerste verhaßt sind, wo sie am längsten und öftersten sich aushalten. Das „Calwer Blatt" S. 89, 1S63 selbst berichtet: „Voriges Jahr besuchte ich alle Plätze, in denen die rheinische Mission seit Anfang ihres Bestehens in China thätig gewesen. Ich mußte die Wahrnehmung machen , daß die am öftesten besuchten Orte, besonders die in der Nähe von 'Hongkong und Kanton, auch die dem Evangelium am feindlichsten gesinnten waren. Die Plätze, wo unsere Stationen sind, übertrafen an Feindschaft alle anderen." Dies kann doch nur ein Ausfluß des Benehmens der Missionäre sein, während der bloße Fremdenhaß der Chinesen sie nur da empfangen könnte, wo sie bis jetzt unbekannt geblieben. Manche jener Orte können sie nur mit dem Revolver in der Hand passiren. Es werden Berichte gebracht, wie die Missionäre das geringste Vergehen gegen sie durch „englische Kriegsschiffe und chinesische Strasjoche" vergelten lassen, wodurch sie das Evangelium bei den Chinesen natürlich sehr accreditiren! dagegen sich kein Gewissen machen, gegen Gesetz und Vertrag zu handeln. Den eigenthümlichsten Abschnitt bildet der Artikel „Gefühlswesen," wo die „Erweckungsgeschichten," die Convulsionen, das St. Veitstänzen, mit einem Worte das Besessensein Hauptrollen spielen. Doch eilen wir zum Schluffe, und blicken nur noch, im Gegensatz zu der „Weltflucht" won welcher die Missionäre so viel zu sprechen wissen, auf ihre persönlichen Verhältnisse. Der Missionär übernimmt sein Geschäft gegen die Zusicherung einer sorgenfreien, heiteren Zukunft für sich und seine Familie. Der amerikanische Missionär' erhält pro Kops jährlich 1800 Thlr. und 300 Thlr. für jedes seiner Kinder. Als in Folge der amerikanischen Wirren diese Summen nicht mehr .regelmäßig flössen, verkauften die Missionäre das Misst-; onshaus und begannen mit dem Kapital einen gemeinschaftlichen Handel, der bedeutend rentirte. Die Schotten besolden ähre Miffionäre jährlich mit 9150 Frs., und der englische Misiionär erhält sogar 12500 Frs.> wobei wohl zu beachten, daß das Leben in Indien und China ungleich wohlfeiler, wie Benfey sagt, 10 Mal wohlfeiler als in England ist. Deshalb führen diese Glaubensboten-auch ein glänzendes, oft nicht sehr erbauliches Leben. Sagt doch Graul selbst,- man könnte die Gehälter halbiren, ohne die Missionäre finanziellen Sorgen Preis zu-geben. Wie einmal die menschlichen Verhältnisse liegen, kann man diesen letzten Punkt, den der glänzenden Belohnung des Glaubenseifers der Miffionäre, für die Erhaltung des ganzen, so morschen Gebäudes nicht außer Beachtung lasten. Literarischer Wochendrricht. Bonn, im Juli. Bekanntlich erregt jetzt der Zustand, die Ansichten und Parteien des Judenthums um die Zeit, in welcher das Christenthum entstand, großes Interesse, und Kirchlich-Gläubige wie Ungläubige, solche, welche die Kritik bewaffnen und welche sie entwaffnen wollen, streben um die Wette, jene Zeit zu beleuchten, um aus ihrer Darstellung beliebige Argumente für ihre Ansichten und Tendenzen zu ziehen. In der Regel erhält der bezügliche Gegenstand gerade aus solchen Parteilucubrationen wenig klares Licht, da Jeder aus ihn nur den Reflex seines bunten Glases fallen läßt. So hat-denn nun auch seiner Seits ein „Professor der Katholischen Theologie", Di-. Joseph Langen, ein dickes Buch über „das Judenthum in Palästina zur Zeit Christi" erscheinen lassen. Das Werk charakterisirt sich leicht als ein solches, das einem gründlichen deutschen Gelehrten, der trotz seiner Gründlichkeit ein sehr oberflächlicher ist, seinen Ursprung zu verdanken hat, wie die holländischen Philologen die gründlichsten und doch seichtesten gewesen. Der Herr Prof. Langen construirt sich sein „Judenthum in P a l ä st i n a " der angegebenen Zeit aus den apokryphischen Büchern, welche nur die katholische Bibel als canonisch ansicht, dann den nicht canonischen Apokryphen, wie das Buch Henoch, das Psalterium Salomonis, vie Himmelfahrt Moyses, die Testamente der 12 Patriarchen, die sibyllinischen Bücher, Philo u. s. w. — alles Ausflüffe des jüdischen Lebens in Palästina! Dagegen — kein