Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-24 · Heft 30 (24.7.1866) · p. Seite 471

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 30 (24.7.1866)
Date
1866-07-24
Page
Seite 471 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226558--24127-3251468
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sich, welche, um das Backen Md. Kochen, am Sabhath zu verhüten-. das Anzünden des. Feuers, verbietet. Daher die umfänglichen Verhütungsvorschrjften des Talmuds. Aus dem Nichlanzünden wird auch ein Nichtauslöschen, und beides in die Kategorie der Arbeiten versetzt. Aus beiden, wird wiederum das Verbot, das Feuer, eine brennende Kerze anzurühren, u. s. w. Daß die Minima der Arbeiten so außerordentlich tief gegriffen sind, wird eben dadurch motivirt, daß das juridische Verbot sich zu einem polizeilichen, ein Unterlassungsgesetz zur Verhütungsvorschrift wird.. . Auch , hier beabsichtigen wir nicht, eine Kritik der -mischnischen Vorschriften zu geben, sondern nur den Charakter der talmudischen Entwickelung festzustellen und zu erweisen. Bemerken wollen wir auch hier, daß diese Feststellungen durchaus nicht blos als Bestimmungen der Gelehrten selbst aufzufassen, sondern daß das Leben selbst längst dahin getrieben hatte, bevor die weitere Bearbeitung seitens der Gelehrten eingetreten. Dies erweist sich besonders aus den nicht seltenen Berichten über casuistische Fälle, die factisch Vorlagen, und über welche erst im Augenblicke des Vorkommens entschieden wurde. Wir schließen daher auch diesen Gegenstand mit der Hinweisung, daß der juridische Charakter sich auch im Sabbathgesetz darin Lemerklich macht, daß sich Notizen vyrstnden, in welchen gewisse Unglücksfälle als göttliche Strafen für gewiffe Sabbathverletzungen aufgeführt werden, wie II, 6 daß die Frauen während des Gebärens sterben, wenn sie die Sünde begehen,- im Anzünden des Lichtes zum Sabbath nicht sorgfältig genug zu sein. (Fortsetzung folgt.) Die protestantischen BekrhrunSSgesellschaften. II. Die Gerechtigkeit, die wir dem Herrn Pfarrer Langhaus für seine mit seltenem Fleiße und großer Ausdauer vollbrachte Arbeit schuldig sind, und die Vollständigkeit, die wir einigermaßen der Charskterisirung jener Bekehrungsgesellschaften zu geben haben, nöthigen uns, noch ein Mal auf die Schrift des Ersteren zurückzukommen, obwohl wir uns so kurz wie möglich halten wollen. Wie wir schon bemerkt, ist der zweite Theil der Schrift des .Hrn.L. einer.ausführlichen Kritik der „Methode der bis-; herigen Mission" gewidmet, und es werden hier die Verkehrtheiten und Fehler der Mission, nicht etwa einzelner Missionäre, dargestellt, durch welche eben auch ihr gänzliches Scheitern erfolgen mußte. Das erste Moment, welches Hr. L. anführt und mit den ausgedehntesten Belegen versieht, ist der verknöcherte pietistische .Dogmatismus, mit welchem die. Missionäre den Heiden entgegentreten. Wir wollen an diesem Orte hierauf nicht näher eingehen, weil wir es sonst abermals mit der christlichen Dogmenlehre überhaupt zu thun hätten. Der Vers, zeigt, daß die Missionäre den Heiden eine Mythologie bringen, die den rohen Naturvölkern wohl imponieren kann, weil sie noch keine haben, bei ihnen aber rasch zu einem bloßen Formalismus werden muß, bei den gebildeten Heidenvölkern jedoch von ihrer heimischen Mythologie bei Weitem übertroffen wird. Den Missionären sind aber diese Dogmen das ganze Christenthum, während sie allzu oft von denen, welche sie bekehren wollen, mit den einfachsten Einwürfen widerlegt werden. Gerade aus diesem Dogmatismus stießt das zweite Moment, das ist die unsägliche Streitsucht der Missionäre. In der strengsten Auffassung der spezifischen Glaubensformeln ihrer Confeffiyn das alleinige Heil erblickend, behandeln sie die andern christlichen Kirchen, namentlich den Katholicismus mit einer grenzenlosen Härte, und verketzern sie noch mehr als das Heidenthum. Die Beweise, die der Vers, anbringt, sind von der bittersten Art und zeugen von einer Unduldsamkeit, welche die protestantischen Kirchenganz auf das Niveau des Mittelalters stellt. Hieran reihet der Vers, die Taktlosigkeit der Missionäre. Noch ärger als es die Judenmissionäre in ihrer Zudringlichkeit und Anmaßlichkeit machen, benehmen sich die Missionäre in Asien, dringen z. B. in die Tempel der Hindus, drängen sich an die Stelle der Priester, hauen mit den Stöcken auf die Götzenbilder, treiben ihren Spott mit den den Hindus heiligsten Sitten u. s. w., was! sie freilich nur unter dem Schutze der englischen Kanonen zu thun wagen. Es ist daher auch mehr als erwiesen, daß das Unwesen der Missionäre eine der Hauptursachen des letzten Ausstandes in Indien gewesen, der so furchtbare Opfer gekostet und nur durch die brutalsten Gewaltthaten erdrückt werden konnte. Hier ist es auch, wo durch mehrere factische Beispiele den Missionären der Kinderraub nachgewiesen wird. Es werden hier Fälle erzählt, die der Mortarageschichte bis auf's Härchen gleichen. Man wird sich erinnern, wie sehr in Europa diesem Vorgang dem Papstthume geschadet hat, und.wie

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.