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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-17 · Heft 29 (17.7.1866) · p. Seite 462

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 29 (17.7.1866)
Date
1866-07-17
Page
Seite 462 (sequence 12)
Language
German
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462 Preußen. Breslau, 1 .^ Juli. Breslauer Blätter erzählen: Ein hiesiger reicher jüdischer Kaufmann hatte eine Summe von 100 Thlr.-für den ersten Juden ausgesetzt, der durch seine Tapferkeit aus dem Schlachtfelde den Offiziersrang erwerben würde, und 50 Thlr. für denjenigen Juden, der eine feindliche Fahne eroberte. Beide Preise find jetzt auf den Unteroffizier Süßkind (von der hiesigen Firma Wiener und Süßkind) gefallen, der in dem Gefechte bei Trautenau am 27. Juni eine feindliche Standarte eroberte und für die hierbei bewiesene Kühnheit sofort von dem Kronprinzen zum Offizier ernannt wurde. Rheda (Westfalen), 5. Juli. (Privatmitth.) Die Artikel aus Westfalen in Nr. 26 u. 27 dieser Zeitung sprechen aus, was mehrere Gemeinden sehr unangenehm zu empfinden hatten, zu welchen auch die hiesige gehört. Unser Lehrer und Cultusbeamter, Herr R. Steinweg, war als Landwehrmann zum Militärdienste einberufen und somit unsere Schule verwaist, unser sonst geregelter und erbauender Gottesdienst gestört. Alle unsere Reklamationen blieben ohne Erfolg; der Landrath, an den wir uns zuerst wandten, sandte dieselbe mit dem Bemerken zurück, daß, da der rc. Steinweg zum ersten Aufgebot gehöre, keine Berücksichtigung stattfinden könne; eine zweite Reklamation an den Oberpräsidenten wurde von demselben zur Berichterstattung an die Regierung und an den Landrath zurückgeschickt, erstere erklärte, die Gemeinde könne einen Stellvertreter engagiren und letzterer blieb bei seiner ersten Entscheidung. Eine dritte Reklamation an das General-Commando hatte aus angeführten Gründen ebenfalls keinen Erfolg. Wir haben uns bei dem Verein zu Münster um einen Stellvertreter beworben, sind aber wegen Mangels an Candidajen abschläglich beschieden worden. Es bliebe nun nur noch das Gesuch an das Cultusministerium offen. Wir fürchten aber, daß für einen einzelnen Fall dasselbe schwerlich eintreten werde. Könnte daher nicht eine desfallsige Vereinigung und Gesammtpetition der davon betroffenen Gemeinden zu Stande gebracht werden? Goch, im Juli. (Privatmitth.) Die Kenntniß der heiligen Sprache ist zu keiner Zeit allgemein unter uns gewesen, seitdem wir aufgehört haben, eine selbständige Nation zu bilden. Schon die spanischen. Schriftsteller jüdischen Glaubens schrieben ihre Religionswerke nicht mehr hebräisch, damit sie einem größeren Leserkreise zugänglich seien. Aber bis auf die Zeit Moses Mendelssohn's hatte diese Unkenntniß keinen nachteiligen Einfluß auf das religiöse Leben, weil die strenge Observanz gegen jede religiöse Lauheit schützte. Wenn es aber in unserer Zeit ein Mittel giebt, das religiöse Leben wieder zu erwecken und unsere Glaubensgenossen in größerer Anzahl an Sabbathen und Festtagen in's Gotteshaus zu bringen, wo ihnen allein noch zum Bewußtsein geführt wird, daß sie Glieder eines Stammes, Bekenner eines Glaubens und Anbeter des einzigen Gottes find: so kann dieses nach meiner Meinung kein anderes sein, als ein gründlicher Unterricht in der Sprache der heiligen Schrift. Die Einrichtung, daß allsabbathlich im Gotteshause aus den fünf Büchern Mosis vorgelesen wird, wurde getroffen, damit der Lehrinhalt derselben den Anwesenden bekannt und verständlich werde und bleibe, daher in früherer Zeit Einer vorlas, ein Zweiter übersetzte und ein Dritter erklärte. Diese heilsame Anordnung ist leider geschwunden und dadurch das Borlesen zu einer todten Formel herabgesunken. Einer liest vor („leint"), die Anderen hören, Wenige verstehen, noch Wenigere denken an den Inhalt. Damit aber die Zuhörer gleich verstehen, was vorgelesen wird, und auf diese Weise die göttlichen Lehren und Gebote immer frisch und lebendig in ihrem Gedächtnisse behalten, hat die jüdische Elementarschule die unabweisliche Aufgabe, die Knaben mit der Sprache des Pentateuchs durch und durch vertraut zu machen. Ich verkenne ihre Schwierigkeit keineswegs, aber wenigstens ist sie bei einigermaßen begabten Schülern zu lösen, und namentlich in unfern Tagen, wo uns Lehrern zur Bildung der Jugend die einschlägigen Hülfsmittel so reichlich zu Gebote stehen. So hat „die israelitische Bibelanstalt" eine Uebersetzung zum Pentateuch geliefert, gleich geeignet zum Lesen, wie zum Lernen. Dieselbe ist wortgetreu gehalten, während sie doch dem deutschen Sprachgeiste gerecht wird. Sobald der Schüler nur deutsch lesen kann und zur Benutzung dieser Uebersetzung einige Anleitung erhalten hat, ist er vollkommen im Stande, sich allein ohne andere Hülfe im Voraus auf die jedesmalige Unterrichtsstunde vorzubereiten, so daß der Lehrer alsdann nur abzuhören und das sachliche Verständniß zu vermitteln hat. Selbstverständlich wird hierdurch ein viel schnelleres

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