Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1866)
- Date
- 1866-07-17
- Page
- Seite 463 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Fortschreiten gegen früher ermöglicht, da die einzelnen Wörter und schwierigen Stellen nicht mehr hebräisch und deutsch im Unterrichte in ein Heft eingetragen zu werden brauchen, wozu ja die Knaben erst viel später die erforderliche Gewandtheit besitzen, die von allen nicht einmal' erlangt wird. Ich habe die besagte Pentateuchausgabe seit einem Jahre eingeführt und Resultate erzielt, wie nie zuvor. Viele meiner Schüler werden nunmehr nicht allein die sunf Bücher Mosis gründlich inne haben, wenn sie die Schule verlassen, sondern es wird mir noch Zeit übrig geblieben sein, sie mit dem Original mancher lehrreichen Capitel in den Propheten und Hagiographen bekannt gemacht zu haben. — Diese Zeilen haben nur den Zweck, hier und da einen angehenden Amtsbruder auf diesen großen Vortheil in dem wichtigsten Unterrichtszweige aufmerksam zu machen. § Oesterrelchischer Kaiserstaat. Aus Böhmen, im Juli. (Privatmitth.) Die Plätze, bei welchen in den, letzten Tagen des vorigen und in den ersten Tagen dieses Monats gekämpft worden ist und blutige Schlachten verfielen, z.B. Nachod, Gitschin u. s. w., sind auch von Juden bewohnt, und da die Redactton d. Bl. mit mehreren derselben in langjähriger Verbindung steht, so wäre es ihr lieb, über das Schicksal derselben, z.B. des würdigen Rabbiner Wiesner und des Religionslehrers Goldmann zu Nachod, Sicheres zu vernehmen. Aus Nachod schreibt man der „B. B. Z." gelegentlich des Einrückens der preußischen Armee über die böhmische Grenze: Bei Böhmisch- Tscherdenei ging es vorüber nach Nachod, von wo die meisten Einwohner geflohen waren und auch ihre Sachen fortgebracht hatten. Fast nur Juden waren zurückgeblieben, und zeichneten sich dieselben durch Menschenfreundlichkeit gegen unsere Truppen aus, indem sie den Ermüdeten so viel Wein, als sie besaßen, spendeten. — Der „K. Z." theilt man mit, daß bei Münchengrätz ein Jude mit einem österreichischen Gewehr auf preußische Soldaten geschossen, worauf er gefangen genommen und sein Haus demolirt worden. Schweiz. Endingen, 27. Juni. (Privatmitth.) Der gestrige Tag war für unsere Gemeinde ein Ehren- und Freudentag. Es fanden nämlich die Vorsteherschaftswahlen, welche über \vß Jahre die Gemüther und Behörden beschäftigten, drei Mal vorgenommen und drei Mal cassirt wurden, in vollgültiger Weise und zwar in Gegenwart des Bezirksamtes Statt. Die Freude der überwiegenden Mehrheit unserer Gemeinde besteht darin, daß diese Wahl, von der die innere Entwickelung der Gemeinde abhängt, ganz nach Wunsch der Fortschrittspartei aussiel. Diese Wahl liefert den klaren Beweis, daß der Fortschritt auch hier Liefe Wurzeln zu schlagen angefangen hat. Vor einigen Jahren konnten unsere Vertreter der Orthodoxie noch die Behauptung aufstellen, daß eine „verschwindende Minderheit" der Gemeinde sich dem Fortschritt zuneige; jetzt hat es sich gezeigt, daß die große Mehrheit der Israeliten Endingens dieser Richtung angehört. Dr. Donaufürstenthümer. Jassy, 20. Juni. Der „Pr" schreibt man: Kaum ist es dem energischen Einschreiten des hiesigen Stadtpräfecten Gregoire Sturdza gelungen, die Unruhen hier zu unterdrücken, als dieselben mit verdoppelter Heftigkeit in der zwölf Meilen von hier entfernten Districtsstadt Bakau zum Ausbruche kamen. Dort hatte sichs der Polizeimeister L. M ... selber daran gelegen sein lassen, durch mehrere bei passender Gelegenheit , gehaltene Reden die Bevölkerung zum Hasse gegen die Juden aufzureizen, indem er gleichsam als Ermuthigung zu Thätlichkeiten darauf hinwies, daß alles bisher an den Letzteren Verübte ungeahndet geblieben, folglich nicht verboten sei. In der'Nacht vom 17. auf den 18. d. rottete sich ein starker Pöbelhaufen mit allerhand wirklichen und improvisirten Waffen versehen, zusammen, durcheilte sämmtliche von Juden bewohnte Straßen und begann Excesse der gefährlichsten Art zu verüben, ohne daß die Behörde im Geringsten Miene gemacht hätte, dagegen einzuschreiten. Während des größten Tumultes drangen mehrere Theilnehmer des Excesses in das Haus eines Israeliten und ermordeten den weiblichen Dienstboten desselben, gleichfalls eine Jüdin. Als der Mann dieser Letzteren, ins Zimmer tretend, des blutigen Leichnams seiner Frau ansichtig wird, stürzt derselbe ohnmächtig über den Körper zusammen, und wird — von der Polizei ins Gefängniß geworfen, weil die durch den Sturz auf den Leichnam seinen Kleidern aus-