Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1866)
- Date
- 1866-07-17
- Page
- Seite 461 (sequence 11)
- Language
- German
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die sich einmal nicht anders als aus den gegebenen Grundlagen heraus entwickeln lassen. U. A. heißt es da: „Damit daß wir uns christliche Völker und unsere politischen Gemeinschaften christliche Staaten nennen, ist noch nicht gesagt, daß unser Staatsleben auf den Grundlagen der Christuslehre beruhe. Vielmehr das Gegentheil ist wahr. Es hat, seitdem diese Lehre in die Welt eingetreten ist, noch niemals einen Staat gegeben, der auf sie und aus ihr herausgebaut gewesen wäre, sondern alle unsere christlichen Staatenshsteme sind von jeher im Gegensatz und Widerspruch zu den christlichen Grundlehren gestanden, und stehen noch so. Warum das nicht anders sein konnte, erhellt für jeden, sobald er erstens -die menschliche Natur, und sobald er zweitens einige jener Grundlehren sich vor Augen stellt; es erhellt so klar, daß wir diesen Satz durch Beispiele zu erhärten unterlassen dürfen. Genug, die falsche Anwendung specifisch christlicher Sätze auf specifisch nichtchristliche Verhältnisse hat unter anderm auch zu dem Mißbrauche geführt, auf welchen wir hindeuten." — Von der A. A. Z. muß man dieses Geständniß in Etwas bewundern, da sie nicht selten gerade „den christlichen Staat" gegen die Gleichstellung der Juden, und -zwar besonders gegen die Verwendung von Juden im Staatsdienste, gebraucht hat. In der That ist dies auch das einzige Moment, in welchem man sich des „christlichen Staates" erinnert hat, wenn man von einigen äußerlichen Einrichtungen, wie Sonn- und Festtage, und den Anordnungen, die diese betreffen, absieht. — Die Sache hat aber noch eine ganz andere Seite, da bekanntlich die christliche Lehre auf den Staat Einfluß zu üben von vornherein verneint, sondern sich recht eigentlich zur Religion des Individuums bestimmt und bezeichnet hat, woraus denn erfließen müßte, daß es einen christlichen Staat nicht geben könne. Der Verf. jener Abhandlung in der A. A. Z., welche „Eine Feldpredigt" betitelt ist, deutet dieses übrigens ja selbst an, indem er sagt, daß jener Nichteinfluß der christlichen Lehre auf die Staaten schon „aus der menschlichen Natur" hervorgehe, womit er doch gesagt haben will, daß die christliche Lehre so idealrscher Art sei, daß sie Mit der menschlichen Natur in Widerspruch stehe und darum am wenigsten auf den concreten Staat influiren Wune. 'Alles dies findet keine .Anwendung -auf die Mosaische•; Lehre. Die Zeit, wo man diesen Vorzug der 'letzteren immer klarer erkennen wird, naht sich also mit schnellen Schritten, besonders wenn man sich erst daran gegeben haben wird, aus der buchstäblichen Fassung, welche Zeit und Ort im Auge hatte, das Prinzip herauslösen zu wollen. Bon der Donau, 5. Juli. (Privatmitth.) Sie haben Recht, in dieser Zeitung wie im „Jüdischen Volksblatt" so manches Wort der Beruhigung und Aufrichtung zu geben, ohne sich in die politischen Wirren-einzulassen. Jedermann bedarf jetzt solcher Worte. Alles Interesse concentrirt sich um die kriegerischen Ereignisse; jede andere Theilnahme erlischt. Es ist ein altes Wort : imer arma silent Musae, d. h. unter dem Klirren der Waffen schweigen die Musen, hören alle Tätigkeiten des Friedens auf. Auch das religiöse Interesse? Auch dieses. Und doch bedürfen wir dessen, wenn die schwarzen Fittige des Krieges über -unsren Häuptern schwirren, am meisten. Wo die Menschen die Gewalten des Waffenkampfes und der Leidenschaften entfesselt haben, wo die Berechnungen des Verstandes, die innere Logik sanfterer Empfindungen aufgehört haben: da ist es die Fügung Gottes, welche als die alleinige Leiterin, als die unbedingte Souveränin alles Menschlichen erst recht hervortritt. An sie sich zu halten, an sie sich anzuklammern, zu ihr emporzublicken, das ist die einzige Tröstung, die uns aufrecht zu halten vermag. Wo die Menschen in heillose Wirren hineingerathen, ist es die Religion allein, welche uns den Faden bietet, der uns zurecht!zu leiten vermag, die einzige ungetrübte Quelle, aus der wir schöpfen und trinken können. Wenn die Erde unter unseren Füßen wankt, greift unsere Hand nach dem Himmel, und das Auge, das droben wacht, und das Wort, das von droben tönt, und die Gnadenhand, die sich uns entgegenstreckt, sie allein vermögen uns zu kräftigen, und stützen den Strauchelnden, und richten auf den Gefallenen und befreien den Gefesselten. Deß lasset uns eingedenk sein, und in den drängendsten Gefahren und Nöthen nicht vergessen! f So gebe Gott, -daß -wir dieses Ziel bald wieder begrüßen können! Die Macht des Herrn sei über uns-Allen, und wir schließen mit jenen herrlichen Schlußformeln unserer Gebete: '-di oibw?mn* „Der Frieden schafft in seinen Himmelshöhen, .er wird Frieden schaffen auch für uns und ganz Israel!" loibwu to* n« ^-,2'' 'ii 29*