Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1866)
- Date
- 1866-07-17
- Page
- Seite 459 (sequence 9)
- Language
- German
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Männer, die nach des ewigen GotteS eigenem Zeugnisse den höchsten Ruhm der Frömmigkeit und Redlichkeit erlangt haben. Nicht einmal die Beschneidung, welche dem Abraham und seiner Nachkommenschaft als Zeichen des Bundes auferlegt wurde, war zum Heile nothwendig, sondern ist hauptsächlich deshalb anbefohlen, damit wir als von den übrigen Völkern durch Gott auserwählt und geschieden erscheinen mögen. ... Und das Gesetz Mosis ist erst vierhundert und dreißig Jahre spater gegeben worden.... Meine Ueberzeugung geht aber dahin, daß keine Religion überhaupt ohne Ritus und Zeremonien bestehen kann." Diesen letzteren Satz vertheidigt Salomo nun weiter, und auch. Toralba stimmt endlich hiermit überein, indem er zugiebt: „Wer fwie die kathotholische Kirche) das Volk durch die Menge der gottesdienstlichen Gebräuche überschüttet, der verwandelt die Religion in einen Aberglauben; wer jenen aber gänzlich zerstört, der vernichtet auch die Religion von Grund aus." - So hat denn Bodin auf das schärfste seinen SLandpunct gezeichnet. Zuerst erörterte er auf philosophische Weise alle Fragen der Metaphysik und sprach sein Glaubensbekenntniß vollständig aus. Nun ging er zu den Religionen über und fand, daß dieser natürlichen Religion das Judenthum sowohl an Alter wie nach bem* Dogma am allernächsten kommt. Was außer diesen wahren Grundsätzen das Judenthum noch enthält, die Zeremonien und : gottesdienstlichen Gebrauche, ist völlig gerechtfertigt; denn theils wurden sie von den Zeitumständen erfordert, theils enthalten sie einen Liefern Sinn und eine höhere Absicht, theils sind solche Einrichtungen für das faktische Bestehen jeder Religion überhaupt nothwendig. So stellt sich Bodin — abgesehen von dem Wege, aus dem er zu diesen Ansichten kam — völlig auf den Boden der modernen jüdischen Mittelpartei; und diese hat allen Grund, sich des Bündnisses eines so ausgezeichneten Mannes, wie Bodin war, zu rühmen. Der noch übrige Theil des Heptaplomeres, an Umfang der größte, interessirt uns weniger, denn in diesem weist Bodin der muhammedanischen Religion ihren Platz an, indem er sie als ein Gemisch von Wahrheit und Abgeschmacktheiten definirt, und geht dann zu einer sehr ausführlichen und sehr scharfen Kritik, des Christenthums über, aus welches Toralba, Senamus, Oktavius, vor Allen aber Salomo Sturm laufen. Keines der unterscheidenden Dogmen der christlichen Kirche bleibt unangefochten; die Gottheit und Fleischwerdung Christi, die Mehrheit der Personen in Gott, das Mysterium des' Abendmahls, die Erbsünde, die Ewigkeit der Höllenstrafen, die katholische Heiligenverehrung einerseits, die evangelische Gnadenwahl- und Prädestinationslehre andererseits werden verworfen. Am Schlüsse des Gespräches wiederholt noch einmal jeder seine Ansicht und endlich stimmen alle in das Lob der vollkommsten Toleranz von' Seiten des Staates ein. Somit erhält das Heptaplomeres einen schönen und der Religion, welche es vor allen billigt, würdigen Abschluß. — Ebenso dem Judenthume freundlich, wie im Heptaplomeres, zeigt sich Bodin übrigens in seinem größten und bedeutendsten Werke, der „Republik." Hier ist es meistens das soziale und politische Gebiet, für welches er sich der Autorität „des göttlichen Gesetzes" bedient. Bor allem ist es stets religiöse Duldung, welche er dem Staate anempfiehlt; durch Milde und eigene Rechtlichkeit wird der Fürst die Unterthanen viel eher zu seiner Ansicht bekehren, als durch gerechtfertigte Strenge.*) Deshalb wirst Bodin dem Christenthume vor, die fanatische Verfolgung Andersgläubiger begonnen zu haben. Er geißelt die furchtbaren Bedrückungen, die man gegen die Juden geübt, „sowohl in Frankreich unter Dagobert, Philipp August und Philipp dem Langen, als seitdem in Spanien unter Ferdinand, dem Könige von Aragon und Kastilien, der aus gottloser Frömmigkeit sie aus seinem ganzen Gebiete vertrieb und sich mit ihren Besitzthümern bereicherte."**) — Was die Frage betrifft, ob die Ehescheidung erlaubt sein soll oder nicht, spricht sich Bodinden Bestimmungen der katholischen Kirche zuwider, für die Zulässigkeit derselben aus, und beruft sich dabei wieder auf die Thora. Besonders gefällt ihm die Art der Ehescheidung bei den Juden, welche in ihren Scheidebriefen den Grund der Trennung nicht angebenum so keiner der beiden Parteien Unehre zu machen. Ebenso spricht er sich für eine vernünftige Herrschaft des Ehemannes über seine Frau aus. „So haben auch das Gesetz Gottes und die heilige Sprache, welche alle Dinge nach ihrer wahren Natur und Eigenschaft bezeichnet hat, den Ehemann Baal genannt d. h.. den Herrn und Meister, um zu zeigen, daß es ihm zukömmt zu gebieten."***) Nicht minder stellt er sich im Erbrechte und in dem Verbot, Zinsen zu nchmen, auf die Seite der mosaischen Gesetz- *) Buch VI, Kapitel 7. **) Buch III, Kapitel 8. ***) Buch I, Kapitel 3. 29