Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-17 · Heft 29 (17.7.1866) · p. Seite 458

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 29 (17.7.1866)
Date
1866-07-17
Page
Seite 458 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226557--24113-3251453
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

einet:: gelehrten Erörterung über das gesummte jüdische Gesetz über. Was die Opfer im Besonderen betrifft, so spricht er -über sie die merkwürdigen Worte: „Die Zeremonien aber und die Opfer sind von Gott verordnet, damit die Israeliten, die von dem Aegyptern und den benachbarten Völkern den Dämonen und Thierbildern zu opfern gelernt hätten, sich dessen in Zukunft enthielten; ' und dieses konnte wegen der tief eingedrungenen Sitte, den Dämonen zu opfern, nicht anders bewirkt werden, als indem ihnen, dieselben Opfer Gott darzubringen, befohlen wurde.... Daß Gott aber an den Opfern keineswegs Wohlgefallen hat, erhellt daraus, daß er verbot, ihm irgendwo anders Opfer zu schlachten, als an dem einen Orte, den er zur Darbringung der Opfer ausgesucht hatte, obwohl man doch überall Synagogen und Heiligthümer zum Gebete und zum Verkünden der göttlichen Gesetze errichten darf." Für die geringe Wichtigkeit der Opfer führt Salomo dann noch mehrere bekannte Sprüche der Propheten und heiligen Schriften (Jerem. 7, 21 f. Hosch. 6. 14, 3. Micha 6, 6 ff. 1 Sam. 15. Psalm 40. 49) an. Uebrigens enthielten die Zeremonien und Opfer alle einen tiefen allegorischen Sinn und dienten außerdem dazu, den Menschen immerfort auf den Gedanken an Gott und die Tugend zu lenken. Auch der Dekalog enthält, so behauptet Toralbaeinen allegorischen Sinn, indem er'genau, auch im Einzelnen, den zehn Sphären der Welt entspricht (nach dem Ptolemäischen Welffysteme, welches, wie schon erwähnt, ... Bodin hartnäckig festhielt). Nun aber fährt Toralba sehr schön fort: „Dieser Bund, welcher in den beiden Tafeln in den zehn Worten enthalten ist, was ist er anders, als das Gesetz der Natur selbst? Denn dieses Gesetz haben wir aus der Natur erlangt, geschöpft und geholt, zu ihm sind wir nicht unterwiesen, sondern geschaffen, nicht angehalten, sondern beseelt worden, daß zuerst Gott nicht allein die erschaffende, sondern auch die erhaltende Ursache aller Dinge zugleich ist, daß man ihn in Gemäßheit seiner Majestät fürchten und verehren und im Verhältnisse seiner unglaublichen Güte gegen uns lieben und ihm mit dem ganzen Drange der Seele Nachfolgen soll. Die Verehrung aber und den Dienst, die Gott geschuldet werden, unheiliger Weise von ihm ab und erschaffenen, vergänglichen Dingen zuzuwenden und Dank und Vertrauen diesen zu zollen, ist ein schändlicher Frevel. Wenn uns im zweiten Worte ferner verboten wird, Gott irgend eine Gestalt oder Bild zuzulegen, so ist dieses, auch von Natur uns eingepflanzt, denn wir. haben durch die natürliche, und klare Vernunft bewiesen, daß Gott unkörperlich ist... .• Die übrigen unter den zehn Worten enthalten, was allen' Völkern gemeinsam ist; und dieses beweist hinreichend, daß das göttliche Gesetz gänzlich -mit der Natur übereinstimmt." Nur das vierte Gebot erregt dem Toralbä'Bedenken/ er kann nicht einsehen, weshalb Gott gerade den ' siebenten Tag zum Sabbath festgesetzt habe? Natürlich stimmen alle Anwesenden außer' Salomo in diesen Zweifel ein. Salomo zögert zuerst, die Geheimnisse dieses heiligen Tages zu enthüllen, dann führt er mehrere Gründe am Einmal sei am siebenten Tage die Weltvollendet gewesen, derselbe also der Geburtstag der Welt, dann aber wohnten immer dem siebenten Tage in allen Krankheiten, Naturerscheinungen rc. ganz besondere Kräfte bei. Hierauf vertheidigt Salomo mit großem Eifer und vieler Geschicklichkeit die Einrichtungen des Gesetzes in Betreff des Sabbaths und anderer Feiertage, sowie er auch die übrigen Gebräuche des jüdischen Kultus weitläufig auseinandersetzt und erläutert. Nachdem der Muhammedaner Oktavius noch einige Vorurtheile, die man gegen seine Religion hegt, widerlegt hat, gelangt nun Bodin zum Schluffe seiner Untersuchung über die wahre Religion. Das letzte Wort läßt er hierin Türalba und Salomö. Den ersteren läßt er seine Meinung folgendermaßen aussprechen: „Wenn die wahre Religion in der reinen Anbetung des ewigen Gottes besteht, so vertraue ich darauf, daß das Gesetz der Natur zum Heile des Menschen hinreicht. Auch sehen wir, daß die frühesten Urheber und Eltern des Menschengeschlechtes keine andere Religion besaßensondern zu dieser von der Natur selbst geleitet wurden, aus der sie die Quellen der Frömmigkeit, Gottesverehrung, Redlichkeit und aller Tugenden schöpften und hervorholten. . . . Da sich dies nun so verhält, was bedurfte es so vieler und so verschiedenartiger Riten, durch welche die Juden, Christen, Sarazenen, Heiden -gebunden sind?" Niemand beantwortet diese Frage, denn keine der übrigen Religionen stimmt mit der als philosophisch richtig, erkannten Ansicht des Toralba; nur Salomö kann freimüthig das Wort' nehmen und sprechen : „Meine Meinungen, Toralba, stimmen mit den Deinigen vollkommen überein, nämlich daß alles das, was zum Heile'gereicht, in den Vorschriften der Natur enthalten ist; und daß nach diesen Gesetzen der Natur Abel, Henoch, Noah, Abraham, Job, Isaak, Jakob gelebt haben, diese herrlichen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.