Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1866)
- Date
- 1866-07-17
- Page
- Seite 457 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226527-3226557--24112-3251452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Fracht, derselben überliefert und erhalten zu Haben, zu schmälern, wenn nicht gänzlich zu entziehen. Wir nehmen nicht an, daß hierbei geradezu eine böswillige Absicht zu. Grunde liege. Vielmehr ist Vielen, daß eine einzige kleine, historisch sonst unwichtige Nation in der gesannnten Menschheit, unter all den großen, mehr oder weniger auf hohen. Culturstufen stehenden Nationen die einzige gewesen, welche den Monotheismus er- und bekannte, eine zu unbegreifliche Erscheinung, als daß sie ihr den Boden wegzuziehen nicht suchen sollten. Die Einen, namentlich die Franzosen, schreiben daher den Monotheismus der semitischen Race als naturwüchsiges Eigenthum zu, während der Pantheismus und aus ihm der Polytheismus die Naturgabe der japhetischen Race sei. Freilich können sie außer den Hebräern nicht einen einzigen semitischen Volksstamm Nachweisen, der monotheistisch gewesen, weder die Phönizier, noch die Assyrer, noch die Chaldäer, noch die Araber (vor dem Islam). Die anderen, namentlich die Engländer, bemühen sich vielmehr, nachzuweifen, daß der Monotheismus die Urreligion aller Urvölker gewesen, von der die späteren abirrten; während doch unter den Engländern gerade jene neuere Theorie, daß der Mensch vom Affen, und der Affe aus dem Urschlamme herstammt, am meisten Anhänger gefunden, die Entwickelungstheorie also doch nicht mit dem Höheren anfangen und zum Niedrigeren übergehen kann. Endlich wieder Andere, insbesondere die Deutschen, beeisern sich, nachzuweisen, daß die Hellenen eigentlich doch nur Monotheisten gewesen, und Alles was unter den Griechen denken konnte, monotheistisch dachte und philosophirte, während die Mythologie den Hellenen nur von Homer und Hesiod aufgeschwatzt sei; obschon die vielen Tausende von Mären, Götterbildern, Tempeln, Opfern, ja Menschenopfern, u. A. auch der Giftbecher des Sokrates, die Verbannung des Anaxagoras und Anaximenes u. s. w. lautes Zeugniß geben, was bei den Hellenen wirklich Religion war. Doch wir überlassen diese Hypothesen, von denen die eine die andere geradezu aufhebt, ruhig sich selbst, und wollten an dieser Stelle nur zum Bewußtsein bringen, daß es auf alle solche Ahnungen und Keime gar nicht ankomme, selbst irgend ein Begriff von einem pantheistischen Gottwesen keine große Bedeutung habe, sondern der Monotheismus des jüdischen Volkes darin bestehe, daß aus der klaren Erkenntniß des einzigen Gottes der Begriff des Menschenwesens und dessen Bestimmung, die, Sittlichkeit, die socialen Verhältnisse, die ganze Gesellschaft als Staat und Menschheit einheitlich und consequent hervorgehen, und so erst der Mono-' theismus eine wahre und volle Realität erhalte. Dies haben wir an dem Gegensätze des platonischen und des mosaischen Staates Nachweisen, in ihrem Prinzips wie in ihren Einzelheiten, zeigen wollen, wie der mosaische Staat alle die Prinzipien des Rechts und der Freiheit enthalte, nach. welchen die Menschheit erst in unfern Zeiten ringt, in seinem - obersten Zwecke aber auch über das moderne Wesen hinausragt, so daß, je weiter die Zeiten schreiten,/ es desto klarer zur Ueberzeugung kommt, wie er wahrhaft aus göttlichem Geiste geflossen! Jean Äodin. Eine Lebenssk izze. Von Martin. Philippson. (Schluß.) Die Diskussion nimmt folgendermaßen ihren Fortgang: Friedrich und Curtius sind der Ansicht, daß durch das wahrhaftige Wort von Christus der Zwiespalt schon von vorn herein entschieden sei. Auf die natürliche Frage des Senamus, wer denn die Gottheit und also die unbedingte Glaubwürdigkeit Christi verbürge? antwortet Coronäus nach katholischer Lehre: die heilige Kirche. Nun ist es denn aber wieder zweifelhaft, welche die wahre Kirche sei? Bei der Erörterung über die Autoritäten, deren man sich zur Entscheidung dieser großen Frage bedienen könne, einigt man sich dahin, daß man sich weder auf Prophezeiungen und Orakelsprüche — als von Dämonen ausgegangen — noch auf Träume stützen dürfe, sondern hauptsächlich auf das Alter der Religionen. Es ist ersichtlich, welcher große Vorzug auf diese Weise dem Äudenthume vor den anderen Religionen gegeben wird. Aber Toralba geht noch weiter-zurück und meint, die beste Religion sei diejenige des Adam gewesen, da sie von Gott dem Menschen unmittelbar eingepflanzt worden; hierbei identifizirt er die adamitische Religion mit dem reinen Theismus, also mit dem Judenthume ohne die äußern Formen. Freudig stimmt ihm Salomo bei, setzt sich aber dadurch von Seiten des Senamus und Toralba der Frage aus, weshalb Moses denn die Opsergebräuche und übrigen Zeremonien eingeführt habe, wenn sie der ältesten, wahren Religion fremd gewesen? Salomo vertheidigt nun zuerst das Judenthum gegen den Verdacht der Menschenopfer, dann geht er zu