Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 30 (1866)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1866)
- Date
- 1866-07-10
- Page
- Seite 448 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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448 sobald der gegenwärtige Besitzer das darauf gesäete Korn geschnitten haben wird, soll es'wieder zurückerstattet werden. Es verdient bemerkt zu werden, daß die für das Feld bezahlte Pacht in den Schatz des Heiligthums in Mekka geht. Palästina. . Mus Jerusalem langen neue Klagen und Bitten bereits wieder an. Dies Mal sind es die Heuschrecken, die große Verwüstungen angerichtet haben sollen, wodurch die Preise der Lebensmittel sehr in die Höhe gegangen. Es versteht sich, man will neue Almosen, und zwar recht große. Nordamerika. New-Uork, 1. Juni. (Hehr. -Leader.) Eine Gemeindeversammlung der Emanu-El-Gemeinde beschloß am vorigen Sonntag den Baufonds des neuen Tempels um 150,000 Dollars zu erhöhen, so daß er 530,000 Dollars beträgt; ebenso wurde der Gehalt des Rabbiners Dr. S. Adler und des Vorlesers Rubin um je 500 Dollars erhöht, so daß der des ersteren jährlich 4000 und der des letzteren 2800 Dollars beträgt. Corresponderrz. Amerikanische Briefe. I. l Schluß.) Die Riten, die in Amerika zur Anwendung kommen, sind die verschiedenartigsten. Außer dem portugiesischen und dem deutschen Minhag mit dessen Unterarten (polnischer und deutscher Minhag, letzterer wieder zerspalten in Minhag Frankfurt, Minhag Fürth rc. rc.) sind mannigfache Reformen eingeführt worden, die in den verschiedenen Gemeinden von einander abweichen, und man hat sogar drei verschiedene Reformgebetbücher hier veröffentlicht. Zuerst das New-Porker Tempelgebetbuch. Dasselbe ist durchaus hebräisch, hat aber mit Kühnheit und' Schärfe alle Formeln gestrichen ober' geändert, die Dogmen und Ansichten zum klaren Ausspruch bringen oder auch nur implicite ausdrücken, welche mit dem fortgeschrittenen religiösen Bewußtsein im Widerspruche stehen. Die Muffafim fehlen gänzlich, wie auch manche andere Theile des alten Siddur. Dieses Gebetbuch war ursprünglich von dem sel. Dr. Merzbacher redigirt worden, wurde aber vor einigen Jahren in zweiter Auflage von Dr. Adler revidirt und verbessert. Im Tempel der New-^orker Emanuel-Gemeinde, in welchem dieses Gebetbuch eingeführt ist, wird der Ausfall deutscher oder englischer Gebete dadurch ersetzt, daß Dr. Adler regelmäßig an geeigneten Stellen, z. B. beim Ausheben und Einheben der Thorah, deutsche Gebete frei vorträgt. Als ein zweites Reformgebetbuch nennen wir dasjenige, das auf seinem» Titelblatt als „Minhag America“ bezeichnet ist. Auch hier ist gar Vieles gestrichen, geändert, anders geordnet; doch haben die Ordner dieses Buches ein gewisses Schwanken gezeigt, eine gewisse Unsicherheit und Jnconsequenz verrathen, die dem Buche nicht sonderlich zum Vortheil geworden ist, ihm vielmehr einen, etwas bunten Charakter verliehen hat. Deutsche oder englische Gebete fehlen in diesem neuen Ritus gleichfalls. Und nun nennen wir ein drittes Reformgebetbuch, das von Dr. Einhorn verfaßte „Gebetbuch für israelitische Reformgemeinden", das außer einigen alten hebräischen Stammgebeten in deutscher Sprache verfaßt ist. Eine seltene Gedankentiefe und Gemüthsinnigkeit spricht aus jeder Seite dieses vortrefflichen Buches, ein erhebender jüdischer Hauch weht durch dasselbe, und nach der Ansicht des Correspondenten ist es der Exponent derjenigen dogmatischen Ideen, wie sie die neuere jüdische Wissenschaft begründet und das Religionsbewußtsein unserer gebildeten und zugleich religiös gestimmten Glaubensbrüder als wahr annimmt. Bereits hat es in einer ziemlichen Anzahl von Gemeinden im Osten und Westen dieses Landes Eingang gefunden. Die cultuellen Aenderungen beschranken sich aber in Amerika nicht blos auf neue Gebetbücher, sondern man hat auch in vielen Reformgemeinden Tallith und Thesillin beseitigt, man hat Familiensitze eingesührt, Ahroniden genießen keinerlei Vorzüge, die Sitte der Kopfbedeckung bei'm Gottesdienste wird außer Uebung gebracht, das sogenannte Aufrufen zur Thorah unterbleibt u.s. w. Bei Trauungen schafft man sich zeitgemäßere Formen, keine veraltete und gegenstandlose Kethubah wird mehr geschrieben und verlesen, u. dgl. mehr. Damit stehen auch die Predigten vieler Rabbinen im Einklänge und die