Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1866-07-10 · Heft 28 (10.7.1866) · p. Seite 447

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
30 (1866)
Issue
Heft 28 (10.7.1866)
Date
1866-07-10
Page
Seite 447 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226527-3226556--24101-3251440
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Frankreich. Paris, im Juni. Nach den Arch. isr. haben die Vorlesungen über jüdische Literatur begonnen. Ein Circulair, unterschrieben von den Herren Isidor und Trönel lud zu einer Versammlung auf den 26. Juni im Saale des israelitischen Seminars ein. War auch die Versammlung nicht zahlreich besucht, so erhielt doch die Ansprache des Herrn Isidor und der Vortrag des Herrn Trönel über das Leben Hillel des Aelteren vielen Beifall. Es sollen jährlich vier Versammlungen stattfinden, und die nächste durch einen Vortrag des Rabbiners H. Zadoc Cahn über die Sclaverei nach der Bibel und dem Talmud ausgefüllt werden. — Es war ein Preis von 500 Frcs. von einem Anonymus zu Gunsten einer Abhandlung gegründet, welche am wirksamsten die auf grobe Unkenntniß unseres Spiritualismus und unserer Sitten sich gründenden Vorurcheile widerlegen würde. Es waren zum bestimmten Termin zwei Abhandlungen eingelaufen, die aber nach dem Urtheil des desfallsigen Comitss (Hippolyte Rodrigues, Franck und Munck) nur theilweise den gestellten Anforderungen genügten. Es wurde daher ein neuer Termin von 6 Monaten für den Concurs festgestellt. — Den vielen Angriffen, welche die Juden Algeriens in algierischen Blättern jüngst ausgesetzt waren, gegenüber, geben wir hier die wörtliche Übersetzung eines Protokolls des französischen Senates über eine Petition: „1454 Israeliten, die Algerien bewohnen und durch Erlaß des Cassationshofes vom 15. Februar 1865 zu. Franzosen erklärt worden, verlangen den Genußder Bürgerrechte. Die Wünsche der algerischen Juden sind jetzt erfüllt. Die Eroberung hatte sie Befreit; ihre freiwillige Befolgung unserer Gesetze, ihre intelligente Annahme unserer Sitten und unserer Gebräuche hatte sie erhoben; der Senatus-Consultus vom 14. Juli 1865 hat sie bereit gefunden, der Ehre unserer Nationalität theilhaftig zu werden. Sie werden nützliche und ergebene Bürger sein. Gebe Gott, daß die anderen eingeborenen Racen mit Geist und Herz, wie die jüdische Räce, auf die wohlthätige Verbindung eingehen, zu welcher wir sie berufen haben. Bei diesem Standpunkt der Dinge wird zur Tagesordnung übergegangen." Italien. Aus Italien, im Juni. Die neuliche Bemerkung Ihres Berliner Correspondenten, daß auch unter den Garibaldischen Freiwilligen Juden sind, ist völlig der Wahrheit gemäß. Schon früher war Herr Guastatta bei Garibaldi attachirt. Jetzt Deputirter, hat er sein. Mandat einstweilen aufgegeben und ist zum Oberstlieutenant im Corps der Freiwilligen ernannt worden. Rußland. Warschau, im Juni. Nach einem an die Arel,. isr. von hier gerichteten Briefe ist den Juden neuerdings der Zutritt zu dem sogenannten „Sächsischen Garten", selbst um hier Mineralwasser zu trinken, aufs Strengste untersagt worden. Obgleich nämlich dieses Verbot immer existirte, so gestattete man ihnen doch den Eingang behufs des Trinkens von Mineralwasser. Da aber in diesem Sommer wegen der Poliüschen Verhältnisse und der Geschästsstockung nur sehr Wenige nach ausländischen Curorten gehen können, und die Kranken und Reconvalescenten deshalb auf den Besuch des Sächsischen Gartens angewiesen sind, will man sie von der Gegenwart der Juden befreien! Eines Commentars bedarf dieser Vorgang nicht. Tunis. Tunis, im Mai. (1. C.) Es ist befriedigend zu erfahren, daß bessere Tage für die Juden von Tunis bevorstehen, die seit einer Reihe von Jahren sich über die bitteren Verfolgungen beklagten, die sie von den Behörden zu erdulden hatten. Der neue Polizeichef Sid Salin Parik ist nicht nur ein gerechter, sondern ein menschenfreundlicher Mann. Als er gebeten wurde, fünf, wegen Schulden gefangenen Juden zu erlauben, das Passahfest mit ihren Familien zu feiern, erbot er sich, die Hälfte ihrer Schulden aus seiner Tasche zu bezahlen, wenn die andere erhoben werden könnte; und er hielt sein Versprechen. Er schlägt jetzt vor, den Juden ein Grundstück wiederzugeben, welches vor 60 Jahren ihr Gottesacker war, und das die Gewalt ihrer Feinde ihnen genommen. Es ist jetzt ein Feld, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.